Posts mit dem Label Ausflüge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ausflüge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, November 05, 2008

Hohe Felsen und Wildwasser

Das letzte Wochenende warfen Clemens und ich mal wieder unser Geld zusammen und nahmen an einem von der Uni organisierten Ausflug teil, von dem uns Jenny, ein Mädchen, die auch aus Hamburg kommt und die wir zufällig im Fahrstuhl kennen gelernt hatten, erzählt hatte.
Samstagmorgen um 7:51 (frühes Aufstehen am Wochenende sollte verboten werden ><) ging es los vom Hauptbahnhof Taipeh in Richtung Hualien, einer Stadt, die in der Nähe der berühmten Taroko-Schlucht liegt. Nach ca. 3 Stunden Fahrt in einem Zug, der noch aus den späten 60er Jahren stammte, kamen wir am Bahnhof von Hualien an. Von dort aus ging es mit unserer Gruppe, die aus 9 Leuten bestand, mit 3 Taxis zum vorher gebuchten Hotel. Dort angekommen boten die Taxifahrer, die bei der Menge an Ausländern natürlich sofort ein gutes Geschäft witterten, uns ihre Fahrdienste an. Zu einem Festpreis von ca. 100 Euro für alle 9 (also nur etwas mehr als 10 Euro pro Person) wollten sie uns bis abends umherfahren, um die Sehenswürdigkeiten der Gegend zu besichtigen. Da die Busverbindungen in der Stadt nicht wirklich ersichtlich waren, erschien uns das ein fairer Preis und so verabredeten wir uns mit den drei Fahrern für halb zwei und gingen erstmal was essen. Danach bezogen wir unsere Zimmer (die dann auch endlich fertig waren) und waren zur verabredeten Zeit wieder unten am Eingang, wo die Taxifahrer schon auf uns warteten. Mit Jenny zusammen nahmen Clemens und ich ein Taxi, dessen Fahrer eine Sonnebrille trug, die ihn aussehen ließ wie aus einem Hongkong-Film der späten 90er Jahre (siehe Foto). Auf Nachfrage erzählte er uns, dass er sie schon seit 15 Jahren besitzt^^
Unser erster Halt war natürlich die Taroko-Schlucht, für die die Gegend ja berühmt ist. Vor gaaanz vielen Jahren, als Taiwan entstand, schoben sich zwei tektonische Platten (das erinnert mich an meinen Erdkundelehrer, der das Wort "Plattentektonik" immer so aussprach, dass der Speichel nur so durch die Gegend spritzte^^) und bildeten eine beeindruckende Marmorschlucht. An unserem Haltepunkt gab es erst mal hohe Felsen und einen kleinen Tempel zu besichtigen. Das Wetter war zum Glück bedeckt und es nieselte leicht, weswegen man beim Umherlaufen kaum schwitzte. Als Clemens mich dann allerdings fragte, ob ich noch mit ihm ein bisschen den Berg hochkomme, war es mir dann doch ein wenig zu schwül. Ich glaube, er war auch nicht wirklich traurig, als man von weitem sah, wie hoch das gewesen wäre...
Weiter ging es zu einem anderen Teil der Schlucht, wo man eine in die Schlucht gehauene Straße entlang gehen konnte und die wirklich eindrucksvoll hohen, vom Wasser ausgewaschenen Felswände sowie das wild fließende Weißwasser betrachten konnte. Die Schilder, die vor Steinfall warnten, beruhigten einen nicht gerade, aber der Ausblick war es auf jeden Fall wert.
Die letzte Station der Taroko-Schlucht war eine zum Fußgängerweg gemachte Straße, die den Touristen das Umherwandern im schönsten Teil des Gebiets ohne Blechlawinen ermöglichen sollte. Eine halbe Stunde, einige Wasserfälle, Felswände und etliche Fotos später, trafen wir wieder auf unsere Taxifahrer, die uns am anderen Teil des Weges erwarteten. Wirklich ein lohnenswerter Spaziergang mit steil aufragenden Felswänden und reißendem Wasser.
Am nächsten Haltepunkt galt es eine Pagode zu besichtigen, doch irgendwie waren wir alle viel zu müde, sodass wir die Pagode (die einen Aufstieg auf eine Anhöhung beinhaltete) trotz ihrer Schönheit aufs nächste Mal verschoben und uns aufmachten in Richtung Strand.
Dort angekommen, war es leider schon dunkel und nachdem wir die frische Seeluft einige Minuten genossen hatten, fing es leider an zu schütten wie aus Eimern, sodass der Strandbesuch und der geplante Nachtmarktbesuch ins Wasser fielen. Die Fahrer brachten uns also zu einem Restaurant, da es mittlerweile Abend geworden war und wir alle ziemlich hungrig waren und so endete unser Ausflug für den Tag. Nach einem kurzen Abschiedsfoto mit unserem Fahrer vor seinem Taxi ("was wollt ihr denn mein dummes altes Auto fotografieren?!") und seiner coolen Sonnenbrille ging es also ans Schlemmen in einem Meeresfrüchte-Restaurant. Die Garnelen, die ich bestellt hatte (also es war so ein "jeder bestellt was und jeder isst von allem etwas" Prinzip) waren sehr lecker, aber von den Krabben und anderem merkwürdigen Kram, den zwei Überseechinesen aus Amerika mit Wonne in großen Mengen verschlungen, nahm ich mir nur wenig. Das Essen war ob der Mengen, die die Amerikaner bestellt hatten, sehr teuer, aber da jeder nur seinen Teil bezahlte, hielt es sich für mich noch in Grenzen.
Zum Verdauen liefen wir noch ein wenig durch die Einkaufsstraßen in der Nähe des Restaurants, waren aber dann irgendwann auch so müde, dass wir nur noch zurück zum Hotel, duschen und ins Bett fallen wollten, was wir dann auch taten. War ja schließlich ein langer Tag gewesen.

Für den Sonntag war Rafting geplant, das Jenny schon im Voraus gebucht hatte, wofür wir aber leider wieder gegen 6 aufstehen mussten (heul). Nach einem kurzen Frühstück (es gab neben Toast und chinesischen Mantou, also kleinen Dampfbrötchen, auch Chicken Nuggets im Buffet) wurden wir von einem Bus der Rafting-Firma abegholt, der uns in einer knapp eineinhalbstündigen Fahrt zu dem Rafting-Center brachte. Dort wurde uns erstmal ausführlich erklärt, was wir zu beachten hatten (ich hatte später den Eindruck, dass die meisten Leute in unserem Boot nicht zugehört hatten) und wir bekamen Schwimmwesten und Schutzhelme, in denen wir alle enorm sexy aussahen.... und in Hitze schwitzten. An einem kleinen Straßenstand wurden dann noch Neoprenschuhe zu einem sehr günstigen Preis verkauft wurden, mit denen wir uns vorher noch schnell eindeckten. Ich schmierte mir noch schnell Sonnencreme auf die arg gefährdeten Stellen (trotz bedeckten Himmels kann man sich da übelst Sonnenbrand einfangen...ich kenne jemanden, der euch da mehr zu erzählen kann ;-)) und schon ging es nach einem letzten kurzen Briefing, wie man das Boot fährt, los. Zum Glück waren die Boote relativ groß, sodass wir bequem zu neunt auf eins passten. Der Fluss war nicht tief und das Wasser auch nicht zu wild, sodass man auch als blutiger Anfänger keine Angst haben musste. An den schnelleren Stellen war es dennoch aufregend und sehr lustig :-)
Wir fuhren durch eine Landschaft von schroffen Felsen und mit subtropischen Pflanzen bewachsenen Hängen, die mich ein wenig an Fluch der Karibik erinnerte und dem ganzen Ausflug noch einiges an Atmosphäre gab. Das Problem war nur, dass ein Großteil der Leute auf unserem Boot noch nie gepaddelt waren und es dementsprechend irgendwie auch nicht verstanden, wie man ein Boot lenkt, ergo ständig in die falsche Richtung paddelten....das war ein bisschen anstrengend, denn da wir uns untereinander nicht so gut kannten, wollte man sich natürlich auch nicht gleich als Klugscheißer aufspielen....aber Clemens und ich hatten schon so unsere Probleme, das Boot in die gewünschte Richtung zu lenken, um nicht dauernd gegen Felsen zu prallen oder über dieselben zu fahren....
Davon abgesehen war es aber eine sehr unterhaltsame Fahrt und durch das obligatorische gegenseitige Nass-Spritzen mit den anderen Booten und das ins Wasser werfen (es war wie gesagt, trotz Anfang November immer noch sehr heiß) wurde einem auch nicht langweilig.
Da unser Zug schon um 16:30 zurück fuhr, wurden wir von einem der Menschen, die immer mit Motor-Schlauchbooten um uns herumfuhren, uns nassspritzten und darauf achteten, dass niemand ertrinkt, zum Haltepunkt gezogen und wir fuhren etwas früher los.
Der Tag war sehr anstrengend gewesen und nach der Fahrt zum Bahnhof und nochmal 3 Stunden Zug waren wir auch sehr geschafft....leider war das Wochenende schon wieder vorbei und wir hatten nicht wirklich Zeit zum Ausruhen.
Gelohnt hat sich der ausflug natürlich trotzdem auf jeden Fall! Rafting kann ich nur empfehlen!!

ps: Weitere Fotos folgen!

Donnerstag, Oktober 23, 2008

Jilong

Hallo meine treuen Leser....
Es hat sich mal wieder ein bisschen Stoff angesammelt, mit dem sich der Blog füllen lässt. Wohlan!

Letztes Wochenende packte uns mal wieder das Ausflusgfieber und wir beschlossen einen Ausflug ins nahe Jilong. Eine meiner Klassenkameradinnen wohnt dort und so fragte ich sie am letzten Freitag direkt nach einer Wegbeschreibung. Sie zeigte mir auf einer kleinen Karte die Bushaltestelle, wo der Bus nach Jilong abfährt und ich war mir sicher, es einfach finden zu können. Am Samstag also machten Clemens und ich uns auf zum Da-an Forest Park, bei dem in der Nähe die Bushaltestelle sein sollte. Sie war jedoch nicht zu sehen, was aber nicht zuletzt daran liegt, dass viele Bushaltestellen einfach nur durch ein winziges, in der Gegend rumstehendes Schild gekennzeichnet sind, das leider nur zu häufig von Bäumen oder Laternenpfählen verdeckt wird...
Wir also erstmal Leute gefragt, die uns alle in eine Richtung wiesen...eine sonnenbeschienene Straße entlang. Nachdem wir jedoch fast eine Viertelstunde in brütender Hitze in diese Richtung gegangen waren und die nächsten Leute, die wir ansprachen, meinten, das dieser Ort, den wir suchen, vollkommen woanders war, beschlossen wir, erstmal zurück zu gehen. Der Forest Park ist ziemlich groß und wie wir so ratlos herumstanden, meinte Clemens plötzlich, dass die Haltestelle ja auch auf der anderen Seite des Parks in der gleichen Himmelsrichtung (ich war mir zumindest über die Richtung sicher!) sein könnte. Und kurz bevor wir bereit waren, die Suche aufzugeben, fanden wir doch tatsächlich die Haltestelle...direkt um die Ecke....nur eben auf der anderen Seite, was auf der kleinen Karte meiner Mitschülerin nicht ersichtlich gewesen war....
Wie auch immer, es war zwar schon Nachmittag geworden, aber da die Fahrt nach Jilong nur ca. 45 Minuten dauerte, stiegen wir trotzdem noch ein und erfreuten uns erstmal an der Klimaanlage in dem Bus :-)
Jilong ist eine kleine Hafenstadt nordöstlich von Taipeh und der Hauptgrund, warum ich dahin wollte, war, dass ich endlich mal wieder die Küste und das Meer sehen wollte. An der Bahnstation in Jilong erwartete uns dann erstmal nur das Hafenbecken, was aber auch schon ganz nett war, vor allem die salzige Meeresluft :-)
Als erstes holten wir uns im Tourismusbüro eine Karte, die auch einige Sehenswürdigkeiten pries. Wir entschieden uns für eine Grotte und da wir nach der langen Busfahrt nicht gleich wieder Bus fahren wollten, stapften wir erstmal zu Fuß durch die Hafengegend in Richtung unseres Ziels. Da die Gegend aber zunehmend unattraktiver wurde, hielten wir schließlich ein Taxi an, das uns direkt zur Grotte fuhr. Die Grotte an sich war leider größtenteils mit Neonlampen beleuchtet, sodass auch die kleinen Schreine darin nicht wirklich Atmosphäre bringen konnten, doch neben der Grotte führte eine Treppe den Berg hoch. Da wir nun schon mal da waren und auch nichts Interessantes sonst in der Gegend war, stiegen wir also in leichtem Nieselregen (eben war es doch noch sonnig gewesen), den Berg hoch, wo uns ein paar kleine Schreine und Tempel und ein schöner Ausblick über Jilong und die Küste erwartete. Leider hatte der kurze Nieselregenschauer ein bisschen was zur Luftfeuchtigkeit beigetragen, sodass uns der Schweiß nur so runterlief, als wir wieder unten waren. Wir nahmen also den Bus zurück und fuhren als nächstes zur einer kleinen Halbinsel vor Jilong, der sogenannten "Friedensinsel". An einigen Fischrestaurants vorbei erreichten wir schließlich einen in der Touristenkarte erwähnten Park, sprich Natur mit einem Häuschen, in dem einem 40 Yuan (ca. 1 Euro) Eintritt abgenommen werden, um das Meer sehen zu können (es war hinter Felsen verborgen). Aber wegen dem Meer waren wir nunmal gekommen und so wanderten wir durch einen erstaunlich grünen Pfad zwischen den Felsen hindurch zum Meer hinunter, wo einen eine wirklich beeindruckende, vom Meer ausgewaschene Felslandschaft erwartete (in der Touristenkarte beschrieben als: "...dort können sie dann auch Erosion beobachten"). Dass das Ganze wohl früher mal ein Freizeitpark gewesen war, erkannte man lediglich an einem gepflasterten Weg, der durch die skurrilen Felsengebilde führte. Wie viele andere Menschen kletterten auch wir irgendwann auf den Felsen herum, machten Fotos und genossen die angenehm frische Luft. Die aufziehenden Gewitterwolken drängten uns dann schließlich zum Weitergehen und so kamen wir nach einer Weile am anderen Eingang des Parks an, der sichtlich verfallen war. Offensichtlich war das Ganze mal groß aufgezogen worden und dann nicht angenommen worden. Einige freundliche Menschen, die am Eingang standen und auf Plastikstühlen saßen (Pförtner? Man weiß es nicht) erklärten uns dann noch den Weg zur nächsten Bushaltestelle und da es langsam dunkel wurde und unsere Füße wehtaten, beschlossen wir, uns auf den Heimweg zu machen. Wieder am Hafen angekommen, kauften wir uns noch etwas zu essen und dann kam auch schon bald der Bus, der uns zurück nach Taipeh brachte (diesmal sogar auf dem direkten Weg! Erstaunlich....).
Jilong an sich ist nicht arg sehenswert, also zumindest liegen die Sehenswürdigkeiten relativ weit auseinander, aber die Felsformationen an der Küste waren echt beeindruckend!
Den Sonntag verbachten wir dann mit Putzen und Ausruhen...muss auch mal sein.

Weitere Fotos folgen, aber ich muss jetzt leider ins Bett :-)

Donnerstag, Oktober 16, 2008

Taizhong

Die Wochenübersicht von letzter Woche lasse ich mal aus, irgendwie ist nichts sonderlich Aufregendes passiert, sonst hätte ich es mir gemerkt^^
Aber am Wochenende....
Endlich hatten wir es geschafft, einen Ausflug zu planen. Nachdem die Züge wegen des langen Wochenendes (am letzten Freitag war hier Nationalfeiertag) mal wieder total überfüllt gewesen waren, haben wir es doch tatsächlich noch geschafft, Bustickets zu ergattern. Meine japanische Freundin Mai hatte sich spontan noch entschlossen, mit uns zu kommen und so saßen wir am Samstagmorgen im stickigen Busbahnhof und warteten auf den Bus, der uns mit superkomfortablen, riesigen Massagesesseln überraschte, die noch dazu mit kleinen Fernsehern ausgestattet waren, sodass die zweieinhalbstündige Fahrt wie im Flug verging. Am Busbahnhof entdeckte ich an einem Kiosk noch zufällig, dass die neue "Mina", eine aus dem japanischen übersetzte Modezeitschrift gerade neu heraus gekommen war und so hatte ich wirklich genug Unterhaltung für die Busfahrt.
Als wir angekommen waren, mussten wir erstmal Tickets für die Rückreise kaufen (Hin- und Zurück scheint es bei Bussen nicht zu geben), leider hielt der Bus zwar am Hauptbahnhof von Taizhong, die Busfirma, wo man die Tickets kaufen konnte, war allerdings einen zehnminütigen Fußmarsch die Straße runter. Leider war es in Taizhong, das weiter im Süden liegt, wesentlich heißer als ich Taipeh...
Nachdem wir erfolgreich die Tickets für die Rückfahrt erstanden hatten, machten wir uns auf den Weg zu dem von uns gebuchten Hotel. Unlogischerweise gibt es zwar eine direkte Fahrt von Taipeh nach Taizhong, von Taizhong nach Taipeh muss man allerdings erst ca. 45 Minuten mit einem Minibus zu einer größeren Filiale der Busfirma fahren und dort in einen Bus nach Taipeh steigen. Warum das so ist, haben wir nicht ganz verstanden, aber eine andere Möglichkeit gab es offensichtlich nicht.
Das Hotel war nicht besonders schön, aber dafür sauber und günstig und wenn man davon absieht, dass man nur im Sitzen duschen konnte, weil der Schlauch abgeklemmt wurde, wenn man den Duschkopf höher hielt, war das Zimmer vollkommen in Ordnung (also für eine Übernachtung^^). Nachdem wir unsere Sachen abgelegt und das Zimmer bezahlt hatten, trafen wir uns mit Klara und Benni, die ja in einer Stadt in der Nähe von Taizhong ein Praktikum machen. Wir hatten die Beiden eine Weile nicht gesehen und so gab es erstmal viel zu erzählen. Im Laufe des Tages mussten wir uns häufiger zwingen, Chinesisch oder Englisch zu sprechen, damit wir Mai nicht ausgrenzen^^ Als erstes schauten wir uns den Konfuzius-Tempel an, der wirklich sehenswert war; sehr groß und schön in Stand gehalten. Der daneben liegende Märtyrer Schrein sah ähnlich aus und da beide Stätten größtenteils in der Sonne lagen, entschlossen wir uns danach zu einem Besuch in einem berühten Teehaus, das laut Klaras Aussage den sogenannten "Pearl-Milktea" erfunden haben soll. Das ist ein Tee mit kleinen schwarzen Tapioka-Mehl Kügelchen, die man während des Trinkens kauen kann. Bei uns in Deutschland wir der auch zunehmend beliebter, bei Balzac Coffee habe ich den schonmal gesehen. Mein Fall sind die Kügelchen nicht so, aber der Tee ist echt lecker und vor allem die nette, auf alt gemachte Atmosphäre und die unglaublich leckeren "Kongfu-Nudeln" waren einen Besuch wert. Wir verbrachten ein paar Stunden in dem Teehaus und erkundeten danach die Gegend um das Teehaus herum, wo es einige Geschäfte gab. Als nächstes Ziel hatten wir uns den Nachtmarkt ausgeguckt, der allerdings nicht einfach zu finden war. Einige freundliche taiwanische Schulmädchen setzten uns in einen Bus, der uns direkt hinbrachte. Der Nachtmarkt war sehr voll, sowohl mit Menschen als auch mit Ständen und es gab viel zu sehen und zu probieren. Mittlerweile waren noch zwei deutsche Praktikanten aus Klaras und Bennis Uni zu uns gestoßen, mit denen wir uns auf den Weg zu einer kleinen Karaoke-Bar machten, in der wir den Rest des Abends verbrachten. Es hat wirklich Spaß gemacht und Mai und ich haben sogar ein paar Lieder auf Chinesisch gesungen, was die Bedienungen und die anderen taiwanischen Gäste sehr gefreut hat. Irgendwann waren wir jedoch so müde, dass wir die gute Stimmung leider verlassen mussten, um in unser Bettchen zu kriechen. Klara und Benni hatten sich entschlossen, auch in Taizhong zu übernachten, da die Heimfahrt ein wenig lang gewesen wäre und abends eh keine Züge mehr fuhren. Die "Doppelzimmer" bestanden leider nur aus einem etwas größeren Einzelbett mit zwei Kissen und da Klara und Benni sich nun doch nicht SO nahe stehen, schlief Klara mit uns in unserem Viererzimmer, also mit Mai in einem Bett. Wir unterhielten uns noch eine Weile, ehe uns dann doch die Müdigkeit übermannte.
Klara, die unnachahmliche Frühaufsteherin, stand doch am nächsten Morgen tatsächlich um 9 Uhr auf, um noch weiter nach Tainan zu fahren, was sie wohl schon länger vorgehabt hatte. Wir anderen gaben uns noch ein wenig dem sowieso schon zu kurzen Schlaf hin und kamen auch erst kurz vor 12 aus dem Zimmer. Benni war ebenfalls eher für einen gemütlichen Tag zu haben und so setzten wir uns erstmal zu Starbucks und besprachen bei einem ausgedehnten Frühstück die Tagesplanung. Das Starbucks lag direkt vor einem SOGO, einer riesigen, japanischen Einkaufskette und so schauten wir uns erstmal die Edelmarken in den unteren Stockwerken und einen großen Buchladen in einem der oberen Stockwerke an (das Ding ist riesig, ich glaube es hat 18 Stockwerke). Nach ausgiebigem Gucken und Kaufen (ich hab mir mal wieder ein englisches Buch gegönnt, der Klassiker "The Secret Garden", das wollte ich schon immer mal lesen) hatten wir unsere Müdigkeit dann soweit abgeschüttelt, dass wir ins nächste Taxi stiegen und zum Museum der feinen Künste fuhren. Die Ausstellungen waren alle sehr interessant, aber am besten gefallen hat mir die mit den Holzschnitten, die ländliche Szenen Taiwans darstellen. Wirklich hübsch!! Im Laufe der Besichtigung verließ Benni uns irgendwann, da er noch einen Zug nach Hause kriegen wollte und als Mai, Clemens und ich später unsere müden Füße im überteuerten Museumscafé ausruhten, war es auch schon fünf. Somit beschlossen wir uns langsam auf den Weg zurück zum Hotel zu machen, wo wir freundlicherweise unsere großen Rucksäcke unterstellen konnten. In einem Restaurant gegenüber vom Hotel aßen wir noch zu Abend, ehe es auch schon Zeit für die Fahrt zurück nach Taipeh wurde. War aber leider nicht so einfach wie gedacht, denn dank der Feiertage hatte es wohl eine Menge Stau gegeben, sodass alle Busse inklusive unserem mindestens eine Stunde Verspätung hatten. Da wir den ganzen Tag auf den Beinen gewesen waren und noch dazu zu wenig Schlaf bekommen hatten, war es kein großer Spaß, in einem riesigen Haufen Taiwaner und zwischen hektisch umherlaufenden Angestellten eine Stunde rum zu stehen... ich kann nur sagen, dass wir sehr froh waren, als der Bus endlich kam und man sich in den Sessel fallen lassen konnte...
Alles in allem ein sehr interessanter Ausflug. Taizhong ähnelt Taipeh zwar schon ein wenig, aber man merkt schon, dass man weiter im Süden ist. Es ist insgesamt etwas ungepflegter und es wurden zum Beispiel mitten auf einer Durchgangsstraße lebendige Hühner in riesigen Käfigen verkauft. Die Reise war ein wenig anstrengend, aber schon lohnenswert, vor allem die Karaoke-Bar war echt nett. Wir hätten uns auch gerne das Wandergebiet in der Umgebung von Taizhong angesehen, aber leider war es so heiß, dass es schon anstrengend war, auf ebenen Straßen rumzulaufen, da war ein Ausflug in die Berge leider undenkbar. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.
Soviel erstmal zum letzten Wochenende.
Fotos folgen noch.

Montag, September 08, 2008

Uni, Rockmusik und Strand

Irgendwie hatte ich Donnerstag ja was von "morgen" versprochen...*räusper*
Also Freitag. Wir mussten früh aufstehen und zur Einführungsveranstaltung der Uni gehen. Von 9 bis 10 wurden uns abwechselnd auf Chinesisch und Englisch die wichtigsten Informationen mitgeteilt. Zu meinem Erstaunen und meiner Freude war das Ganze wirklich relativ knapp gehalten und es stellte sich nicht jeder Lehrer einzeln vor, wie ich erwartet hatte, sondern es wurden wirklich nur relevante Informationen von einer Mitarbeiterin des Instituts kurz vorgestellt. Danach musste man sich anstellen, um seinen Stundenplan zu erhalten. Bei Clemens musste wohl irgendwas schiefgelaufen sein, denn man hatte ihm den Anfängerkurs zugeteilt. Er ging sich natürlich sofort beschweren, aber wie wir noch lernen sollten, heißt das Zauberwort in Taiwan 規定 (sprich: guey ding), Regel, Vorschrift, mit dem einfach jedes nicht zu lösende Problem entgültig beantwortet wird: "Das ist eine Vorschrift unseres Instituts". Denn eine dieser wunderbaren Vorschriften sieht vor, dass man als neuer Student erst nachdem man zwei Tage in dem zugeteilten Kurs gesessen hat, seinen Kurs wechseln kann. Das heißt, ob man schon gleich beim Ansehen des Buches weiß, dass da irgendwas falsch gelaufen sein muss, interessiert niemanden. Das Wechseln des Kurses ist, nebenbei bemerkt, auch nicht gerade intelligent organisiert. Man muss sich erst beim momentanen Kurs austragen (nach den zwei Tagen), und dann selbst herausfinden, in welchem der gewünschten Kurse (die es natürlich aufgrund der hohen Zahl von Studenten zu vielen verschiedenen Zeiten gibt) noch ein Platz frei ist. Falls keiner mehr frei ist, und auch der Platz in dem vorherigen Kurs dann besetzt ist, scheint es, als hätte man Pech gehabt....ich hoffe, dass ich nicht in diese Situation komme, denn sonst werde ich wohl der taiwanischen Etikette widersprechend meine Wut zum Ausdruck bringen müssen...
Mein Kurs ist zwar nicht ganz so sehr unter meinem Niveau wie der von Clemens (hab ich übrigens erwähnt, dass man auch erst das vorgeschriebene Buch kaufen muss, nur um es dann zwei Tage später wieder umzutauschen, wenn man wechseln möchte...?), doch ich möchte trotzdem in einen höheren Kurs, da ich in dem jetzigen Kurs zwar alles verstehe, aber kaum Neues lerne und das ist ja auch irgendwie nicht der Sinn der Sache. Aber ich greife vor. Also zurück zum Freitag.
Nach der Einführungsveranstaltung war für mich noch eine Einladung vom DAAD in ein historisches Teehaus angesagt, wo sie die Stipendiaten kennen lernen wollten. In einer sehr entspannten Atmosphäre wurde Tee getrunken und geplaudert. Das Haus war auch wirklich sehr schön, ein ehemaliges Wohnheim für japanische Soldaten, wo man auf Tatami-Matten an einem niedrigen Tisch saß und sich Tee und Snacks bringen ließ. Leider hatte ich meine Kamera vergessen, aber es war ein sehr netter Nachmittag, ich habe mich wirklich nett mit zwei Studenten unterhalten, die noch ihr gemeinsames Kind mit nach Taiwan gebracht hatten, welches tagsüber in einer sogenannten "Children's School" untergebracht war. Mutig! Der arme Junge muss jetzt irgendwie Chinesisch, Englisch und Deutsch gleichzeitig lernen....aber seine Mutter meinte schon, dass sie ihn jetzt nicht wirklich die Englisch-Hausaufgaben machen lassen wird....er ist ja schließlich erst zwei Jahre alt....die spinnen hier echt mit ihrem Bildungssystem, normale Kindergärten scheint es kaum zu geben.
Nachdem ich von dem Treffen zurück kam, fiel mir ein, dass ich noch eine Probestunde in einem nahe gelegenen Sportverein hatte, der aber leider ein bisschen zu teuer für mich ist. Die Probestunde wollte ich natürlich trotzdem nutzen ;-)
Nachdem die Trainerin verkündet hatte, dass der Pilates-Unterricht "wirklich nicht schwer" sei, begann ich schon nach den ersten Übungen in dem schlecht gekühlten Raum zu schwitzen und als sie gegen Ende der Stunde schließlich ihr gestrecktes Bein an die Brust zog, hörte ich auch irgendwann auf ihrem einführenden Satz Glauben zu schenken...

Aber kommen wir zum Wochenende :-)
Samstagnachmittag kamen Klara und Benni, zwei Freunde aus der Uni, die in Changhua in Zentraltaiwan (mit dem Zug etwa eine halbe Stunde Fahrt von Taipeh) ein Praktikum machen, nach Taipeh. Nachdem sie sich die Hauptattraktionen mit ihrem Mitbewohner zusammen, den sie mitgebracht hatten, angesehen hatten, trafen wir sie gegen 19 Uhr im Vergnügungsviertel Ximending, um ihnen ein wenig die von Leuchtschildern und Shopping geprägte Innenstadt zu zeigen. Danach trafen wir uns alle noch mit Gao Yu (sprich: Gao Ü), einer Freundin von Jamie, die ich bei meinem letzten Aufenthalt hier kennen gelernt hatte. Sie brachte noch eine weitere Freundin, Peishan, mit und gemeinsam (nun zu siebt) machten wir uns auf den Weg in eine Bar, wo, wie Gao Yu mir erzählt hatte, ein Freund von ihr mit seiner Band auftritt. Die Bar war sehr niedlich und wir bekamen sogar einen Sitzplatz und, nachdem wir Eintritt bezahlt hatten, ein freies Getränk. Die Band hieß "Sorry Youth" und spielte relativ rockige, aber nicht zu harte Musik. Wirklich nett!
Gao Yu und Luo Peishan
Da Clemens und ich von China nur Liebes-Pop-Balladen gewöhnt waren, waren wir angenehm überrascht und die danach folgende Band spielte sogar noch bessere, ein wenig an Sigur Rós erinnernde Musik. Von der ersten Band bekamen wir sogar eine Demo-CD geschenkt, von der anderen Band kaufte Clemens eine CD. Nach den Konzerten setzten wir uns noch ein wenig nach draußen auf die Stufen vor einem Hochhaus und unterhielten uns ein wenig, mit einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Chinesisch. Gao Yu und ihre Freundin sind wirklich nett, sehr offen und fröhlich und wir verstanden uns alle sofort gut miteinander, sodass ich die beiden nach dem Abend noch spontan zu dem für Sonntag geplanten Strandausflug mit Shengjie (ja wir haben einen vollen Terminkalender^^) einlud.

Leider waren wir Samstag so spät im Bett, dass wir Sonntag nicht vor halb drei loskamen, doch Shengjie stand pünktlich um halb drei mit dem Auto vor der Tür und auch Gao Yu und ihre Freundin waren zur verabredeten Zeit da, sodass es dann doch noch in Richtung Strand ging. Die Fahrt dauerte leider relativ lang, weil wir wohl nicht die Einzigen waren, die bei dem (zum Glück) strahlenden Sonnenschein auf die Idee gekommen waren, an den Strand zu fahren. Nach ca. einer Stunde waren wir jedoch da und ich konnte endlich ans Meer und ins Wasser. Ungewohnterweise war das Wasser so lauwarm, dass man absolut keine Zeit brauchte, sich an die Temperatur zu gewöhnen, so wie man das aus Deutschland oder auch aus Spanien kennt. Man konnte einfach rein und rausgehen, ohne jemals zu frieren und erfrischend war es trotzdem. Super :-) Lustigerweise konnten Shengjie und die Mädchen gar nicht so richtig schwimmen und so hörte ich nach drei kleinen Schwimmzügen plötzlich aus allen Richtungen "wow, du kannst ja toll schwimmen!". Na ja, andere Länder, andere Sitten :-)
Wir plantschten also im Wasser herum, bewarfen uns gegenseitig mit Matsch und machten alberne Fotos. Ich liebe den Strand und das Meer, es war total schön und machte richtig Spaß!!!
Als es zu dämmern begann, machten wir uns langsam auf den Weg, wir planten einen Ausflug zum Nachtmarkt in Jilong, um dort zu essen. Doch leider wurde daraus nichts, denn kurz bevor wir den gepflasterten Weg erreichten, trat ich mir etwas in den Fuß, zog es raus - und es blieb ein Stückchen drin. Leider so tief, dass wir es nicht rausmachen konnten. Die Frau von der Strandwache hatte offenbar auch keinen Erste-Hilfe-Koffer dabei, sodass wir eine Klinik aufsuchen mussten, damit es sich nicht entzündet. So ein Mist....natürlich war Sonntag und natürlich waren alle Kliniken zu und natürlich konnten die Apotheken auch nicht helfen, sodass wir schließlich nach endlosem Hin-und-her Gefahre in ein großes Krankenhaus fahren mussten und zwar in die nicht gerade günstige Notaufnahme. Wegen einem winzig kleinen Stück Ast in meinem Fuß...
Nach einigen Problemen mit der Anmeldung (wer nimmt schließlich seinen Reisepass mit an den Strand) und nachdem ich (also Clemens hats ausgelegt :-)) 800 NT$ bezahlt hatte, was etwa 17 Euro entspricht, bekam ich ein blaues Band um den Arm und mir wurde erstmal Blutdruck gemessen und Temperatur im Ohr (ich wiederhole...ein mini-kleines Stückchen Ast in meinem Fuß). Nach einer relativ kurzen Wartezeit kam ich dann endlich auf ein Bett, wo mich der zuständige Arzt erstmal fragte, wie lange ich denn schon in Taiwan sei, da ich ja so gut Chinesisch spreche (selbst er konnte seine Neugier nicht unterdrücken). Ich muss vielleicht dazu sagen, dass man das hier wirklich von jedem gefragt wird, sei es ein Mitarbeiter in einem Geschäft, ein Makler, ein Vermieter, ein Lehrer, ein fremder Mensch, den man auf der Straße trifft, jemand, den man nach dem Weg fragt.....ich fands sehr lustig, dass selbst der Chirurg sich nicht beherrschen konnte :-)
Na ja, danach kam endlich eine Schwester und pulte mit einer Nadel den Übeltäter aus meinem Fuß, machte ein Salbe drauf (die extrem brannte) und ein Stück verband drauf. Nach einer Spritze gegen eventuelle Infektionen durfte ich dann endlich gehen und konnte der besorgten Gao Yu erneut versichern, dass es wirklich nicht wehtut. Alle kümmerten sich wirklich sehr lieb um mich, was mir ein wenig unangenehm war, da das wirklich keine große Sache war und ich das Ding einfach nur raushaben wollte, um eine Entzündung zu vermeiden. Unnötig zu erwähnen, dass mir natürlich auch noch diverse Tabletten und eine Salbe verkauft werden mussten, ehe ich gehen durfte. Die Tabletten werde ich wohl nicht nehmen, schließlich sind die gegen bakterielle Infektionen und es ist wirklich eine kaum sichtbare Wunde. Aber in Taiwan geht man nunmal auf Nummer Sicher!
Nach dieser nervigen Episode konnten wir endlich etwas essen gehen und da Jilong zu weit weg war, entschieden wir uns für Danshuis Nachtmarkt, da das Krankenhaus ohnehin in dem Ort war und er auf unserem Weg lag. Clemens und ich wurden zum wiederholten Male zum Stinke-Tofu-Essen aufgefordert und so nahm ich einen Bissen, um endlich meine Ruhe zu haben....er schmeckte so wie er roch, aber überraschenderweise mochte Clemens ihn. Ich wurde zum Glück nicht dazu gezwungen, mehr zu essen. Wir schlenderten noch ein wenig über den Markt, ehe wir uns auf den Rückweg machten, wo Gao Yu mich noch dazu überreden wollte Schweineblut zu probieren....gekochtes....ich lehnte dankend ab und wir fuhren zu ihr, wo wir noch Majiang (Mahjongg) lernen wollten. Ich war ein wenig müde, aber Majiang machte wirklich sehr viel Spaß und war auch gar nicht so schwer, bloß war ich irgendwann so müde, dass ich kaum mehr denken konnte und so machten wir uns gegen 2 Uhr auf den Rückweg nach Hause. Shengjie fuhr uns und wir ließen uns diesmal nicht abwimmeln und gaben ihm ein wenig Benzingeld, da er wirklich viel gefahren war.
Abgesehen von dem Ausflug in das Krankenhaus (sowas passiert auch immer nur mir irgendwie), war es ein wirklich netter Samstag und vor allem konnte ich endlich ans Meer!!! ^_______________^

ps: Vor dem Majiang-Spielen wurde noch ein wenig Essen gekauft und uns angeboten. Nachdem ich ein Stück abgebissen hatte, teilte mir Gao Yu lachend mit, dass ich gerade getrocknetes Schweineblut gegessen hatte....

Dienstag, September 02, 2008

下一站:新北投 Nächster Halt: Xinbeitou

Nachdem wir heute einigermaßen früh mit frühstücken fertig waren, überlegten wir, was wir mit dem Rest des Tages anfangen konnten und nachdem wir festgestellt hatten, dass unser ursprünglicher Plan, nach Jioufen zu fahren, daran scheiterte, dass das relativ weit ist und wir dafür schon zu spät dran waren, entschieden wir uns für Beitou, einen Ort, der für seine Schwefelquellen und Thermalbäder bekannt ist. Der Reiseführer versprach uns Erdspalten, aus denen heißer Dampf kommt - wir waren gespannt.
Besonders ansprechend war auch das gezeichnete Bild im Reiseführer, auf dem ein angedeuteter grüner Hügel als "typische Vulkanlandschaft" und ein bisschen Dampf als, nun ja, "Dampf" beschriftet ist...
In Beitou angekommen, mussten zunächst einmal feststellen, dass der Reiseführer einen Fehler enthielt und wir noch eine Station weiter nach Xinbeitou ("neues Beitou") fahren mussten, um der beschriebenen Route zu folgen. In Xinbeitou stieg mit uns eine japanische Reisegruppe¹ aus, von mindestens 15 Personen (sie scheinen wirklich immer in Rudeln aufzutreten). Da wir die nicht allzu zahlreichen Sehenswürdigkeiten nicht unbedingt zusammen mit einer riesigen Japanergruppe ansehen wollten, flohen wir in ein nahe gelegenes Starbucks, wo wir einen unglaublich leckeren, warmen (!) Chocolate Chips Muffin verspeisten und durchs Fenster die Reisegruppe beobachteten, die wie erwartet schnurstracks in Richtung des Museums lief, in das wir auch wollten. Wir aßen also unseren Muffin und tranken unseren Kaffee aus und dann ging es in aller Ruhe und vor allem ohne die Reisegruppe weiter durch den Ort. Als erstes kamen wir an einer Bibliothek vorbei, die komplett aus Holz erbaut war und sehr modern aussah. Wie ich sie so ansah, fiel mir auf, dass ich mal einen Artikel über neue, umweltfreundliche Gebäude in Taiwan gelesen hatte, in der genau diese Bibliothek vorgestellt wurde. Zufälle gibt's :-) Die Bibliothek lag an einem Fluss, der von einer heißen Quelle gespeist wurde und brodelnd und grün unter uns entlangsprudelte, als wir über eine Brücke gingen, die zum örtlichen Heiße-Quellen-Museum führte.
Das Museum war ganz niedlich, ein altes japanisches Badehaus, das zum Museum umfunktioniert worden war. Im ersten Stock konnte man einen großen Tatami-Raum im japanischen Stil besichtigen, während im unteren Stock die Bäder zu sehen waren. Leider war es in dem nicht-klimatisierten Haus dermaßen heiß, dass unsere Besichtigungstour relativ kurz ausfiel und wir uns bald auf den Weg ins sogenannte "Höllental" machten. Das "Höllental" ist ein natürlicher See mit grünem, schwefelhaltigem Wasser, aus dem permanent große Dampfwolken aufsteigen. Es roch ein wenig nach Schwefel, war aber sehr beeindruckend und schön anzusehen. Unnötig zu erwähnen, dass die heißen Quellen den ganzen Ort unglaublich schwül-heiß machten...Als nächstes wollten wir eigentlich das noch größere Longfeng-Tal ansehen, das im Reiseführer beschrieben war, doch leider war nicht ganz erkennbar, wie man dahinkommt und eine Karte hatten wir auch nicht. Also liefen wir eine Weile umher, immer weiter nach oben (Beitou liegt in einem Tal), im Schweiße unseres Angesichts, doch als nach einer ganzen Weile immer noch nicht erkennbar war, ob wir in die richtige Richtung gingen, kehrten wir erst einmal um. Ein kleiner Hund entschloss sich spontan, uns zu folgen, hatte dann jedoch an einem anderen Hund doch mehr Interesse und ließ uns wieder allein weiterziehen. Irgendwann kamen wir an einer Bushaltestelle vorbei. Der Bus fuhr offenbar in die richtige Richtung und so warteten wir und fuhren mit, auch wenn der Busfahrer sowie sämtliche Leute in den Bussen noch nie etwas vom Longfeng-Tal gehört hatten, es aber dennoch für nötig hielten, sich einzumischen: "Nee, da seid ihr hier bestimmt falsch...WO wollt ihr hin?!"
Aber davon ließen wir uns nicht beirren. Der Busfahrer ließ uns dann irgendwann mitten an der Strecke raus und siehe da, wir standen genau vor einem Schild, das in großen Lettern "Longfeng Valley" verkündete. Dort konnte man eine ehemalige Schwefelmine besichtigen, ähnlich dem "Höllental", nur in größer. Schön anzusehen und auch die Dampfwolken waren sehr beeindruckend, doch leider war der Schwefelgestank derartig penetrant, dass es einem ein wenig die Lust nahm, weiter durch die zerklüftete Landschaft zu spazieren. Der Weg zurück war relativ lang und einen Fußweg gab es entlang der Landstraße auch nicht und so stellten wir uns an die nächste Bushaltestelle und warteten. Meine Beine waren für die dortigen Mücken ein wahres Festmahl und so war ich sehr froh, dass irgendwann ein Taxi vorbeikam und uns mit nach unten in die Stadt nahm, wo wir dann noch ein wenig umherwanderten, ehe wir mit der MRT wieder nach Hause fuhren. Leider war diese sehr voll, sodass wir unsere müden Füße die ganze lange Fahrt über nicht ausruhen konnten und stehen mussten. Müde und hungrig, gingen wir erstmal in ein Restaurant gegenüber unseres Wohnhauses, um uns ein wenig zu stärken. Die dortigen Wraps sind echt lecker! Man bekommt einige Wraps und einen Teller lecker gewürztes Fleisch, sowie eine Schale Gemüse und kann sich dann selbst Wraps zusammenstellen. Eine Suppe gibt es auch dazu.Wirklich gut!!
Insgesamt war das heute ein sehr interessanter Auflug. So eine Landschaft hatte ich noch nie gesehen. Wirklich empfehlenswert.
Wir werden sicher ziemlich bald wieder dorthin fahren, denn auf dem Weg in das Longfeng-Tal kamen wir an einem kleinen Hotel vorbei (Villa 32), das total luxuriös und schön aussah und als wir hineingingen, um es uns anzusehen (man lief über Steine, die über plätscherndes Wasser zum Eingang führten), wurde uns gleich die Tür geöffnet und ein Tee gereicht, damit wir uns die Prospekte ansehen konnten. Wirklich edel! Dort kann man einen privaten "Hot Springs Room" mieten, 90 Minuten für ca. 20 Euro pro Person und ganz in Ruhe in echt schickem Ambiente ein Bad in einer persönlichen heißen Quelle genießen. Das werden wir uns wohl in nächster Zeit mal gönnen müssen :-) Freu mich jetzt schon drauf^^

¹Habe ich eigentlich erwähnt, dass die Mitglieder der Reisegruppen immer Aufkleber auf ihrer Kleidung tragen? Und der Gruppenleiter hat ein kleines Fähnchen. Man erkennt sie sofort^^