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Montag, Mai 11, 2009

Japan Episode 3 ~ Osaka

Nach einer ganzen Weile Pause melde ich mich nun endlich mit dem dritten Teil meiner Japan-Reise zurück. In den letzten Wochen hatten wir viel Besuch aus Deutschland, mit dem wir viel unternommen haben und somit blieb wenig Zeit zum Blog schreiben. Nun ist langsam wieder Alltag eingekehrt und ich habe auch wieder ein bisschen Zeit und Muße zum bloggen.

Nach einem anstrengenden Tag und einer 30-minütigen Bahnfahrt in einem brechend vollen Zug kamen wir also müde in Osaka an. Die Suche nach dem Hotel erwies sich leider als weniger einfach als gedacht, da offensichtlich die Wegbeschreibung im Internet nicht ganz fehlerfrei gewesen war. Nachdem wir eine Weile in gruseligen, dunklen Gassen und an einsamen mehrspurigen Straßen, die auf die Autobahn führten, umhergelaufen waren, fanden wir schließlich mit Hilfe einiger Einheimischer unser Hotel. Im Vergleich zu der niedlichen Jugendherberge in Kyoto war das Raizan South eher zweckmäßig eingerichtet und eine große Sammlung ausleihbarer Porno-Videos sowie ein extra eingerichtetes Frauen-Stockwerk, auf das Nina und ich auch gleich unfreiwillig verbannt wurden, ließen den Eindruck erwecken, dass dieses Hotel früher mal nicht ausschließlich als Backpacker-Hotel gedacht gewesen war...
Die Zimmer waren jedoch einigermaßen sauber und in Ordnung. Auf dem Frauen-Stockwerk erwarteten uns gleich einige interessante Schilder. Die englische Übersetzung deutete darauf hin, dass zwar die Vermittlung der Aussage sehr wichtig zu sein schien, korrekte Grammatik und Wortwahl jedoch nebensächlich:
Da wir vom Tempel-Marathon in Kyoto noch sehr müde waren, besorgten wir uns in einem nahegelegenen 24-Stunden Supermarkt unser Abendessen (Instant-Nudeln, für alles andere reichte unser Geld nicht mehr) und setzten uns bei den Jungs ins Zimmer, um uns auszuruhen und ein wenig fern zu sehen. Dabei stellten wir fest, dass das Hotel seinen Gästen einen 24-Stunden-Pornokanal zur Verfügung stellt, was unsere Vermutung, dass das Ganze wohl mal ein Stundenhotel gewesen sein muss, nur bestärkte. Japanische Pornos sind wirklich seltsam. Es liefen immer kurze Filmchen mit unterschiedlichen Themen: Frau wird beim Vorstellungsgespräch verführt (inklusive minutenlanges langweiliges Bewerbungsgespräch, während dessen der liebe Herr Chef gelegentlich die Knie seiner zukünftigen Mitarbeiterin begrabbelt, ehe es dann zur Sache geht) oder: Termin beim Frauenarzt, was wohl von genau zwei Menschengruppen als eklig empfunden wird, nämlich von Frauen und von Frauenärzten...
Das Ganze wurde dann irgendwann immer detailverliebter gefilmt, sodass wir irgendwann beschlossen, schlafen zu gehen, da dies ein Einblick in die japanische Gesellschaft war, den man nicht zu lange ausdehnen möchte.
Am nächsten Morgen machten wir uns trotz Dauerregen auf zur Burg Osaka, die in Sönkes Reiseführer gepriesen wurde. Der lange Weg von der Bahnstation durch den Park wäre bei jedem anderen Wetter sicher sehr schön gewesen, doch im strömenden Regen war er einfach nur... lang. Die Burg sah schon von weitem sehr beeindruckend aus und wir freuten uns darauf, eine richtige japanische Burg besichtigen zu können. Vor der Burg wurden Tickets verkauft (natürlich mal wieder 6 Euro pro Ticket...).
Doch im Inneren der Burg angekommen, erwartete uns eine Überraschung: Das gesamte Innenleben der Burg war mit einem hochmodernen Museum inklusive Fahrstuhl ausgekleidet worden, sodass von dem ursprünglichen Charme der Burg einfach mal gar nichts mehr übrig blieb! Enttäuscht schauten wir uns die mäßig spannende Ausstellung über den einstigen Kriegshelden und Burgherr an und trauerten unseren 6 Euro noch nach, als wir die Burg wieder verließen. Was für eine Enttäuschung.
Um uns wieder aufzuheitern, besuchten wir als nächstes das Szene-Viertel Amerikamura, das wirklich einen Besuch wert war. Hohe Wolkenkratzer und kleine, szenige Geschäfte machten den Bummel durch das Viertel zu einem angenehmen Abschluss unserer Japan-Reise. In einem kleinen Ethno-Laden fand ich ein Armband mit Elefanten aus Kokosnuss-Schalen, das ich mir als Andenken mitnahm. Am Abend nutzten wir das hoteleigene Badehaus, um uns von dem kühlen, regnerischen Wetter zu erholen. Es war total leer, was sehr angenehm war und sogar eine kleine Sauna stand zur Verfügung. Dass das Badewasser ein bisschen zu heiß war, darüber sahen wir geflissentlich hinweg und waren danach auch so müde, dass wir ziemlich bald ins Bett fielen.
Am letzten Tag blieb uns keine Zeit mehr für weitere Erkundungen der Stadt, da wir ziemlich bald nach dem Aufstehen unser restliches Geld (und leider nicht wenig) für den Zug zum Flughafen ausgaben und uns auf die Rückreise nach Taipeh begaben.
Das Bahnnetz in Osaka war ähnlich verwirrend wie das in Tokyo und so stiegen wir in den erstbesten Zug, an dem "Flughafen" dran stand ein...
Es war ein sehr moderner Zug mit riesigen, ovalen Fenstern, die einem einen super Ausblick auf die (jetzt natürlich!) in strahlendem Sonnenschein glänzende Stadt ermöglichte. Wir freuten uns noch, dass so viele Sitzplätze frei waren, als nach etwa der Hälfte der Strecke eine freundliche Zugbegleiterin sich unsere Tickets ansah und uns erklärte, dass wir für diesen Schnellzug noch jeder 500 Yen (ca. 4 Euro) extra bezahlen müssten. Einziges Problem: Die fast 10 Euro für die Zugfahrt zum Flughafen waren unser letztes Geld gewesen. Keiner von uns hatte mehr als die letzten paar Yen für eine Flasche Wasser am Flughafen in der Tasche. Wir versuchten, einen auf verständnislos zu machen und zeigten immer wieder auf unser Ticket, doch die Frau ließ sich nicht beirren und so mussten wir schließlich nach etwa 3/4 der Strecke aussteigen und auf den nächsten langsameren Zug warten. Dennoch hatten wir einen Großteil der Strecke sehr angenehm zurück gelegt, also gab es auch keinerlei Grund zur Klage.
Der Rückflug verlief problemlos und wir waren alle sehr froh, uns für den Rest des Tages ausruhen zu können.

Japan war auf jeden Fall eine interessante und spannende Reise! Vor allem Kyoto hat mich sehr beeindruckt, mit seinen vielen traditionellen Häusern und dem typisch japanischen Flair.
Überrascht hat uns alle, wie viele Probleme der japanischen Gesellschaft man selbst als Tourist zu sehen bekommt. Betrunkene Geschäftsleute zu fast jeder Tageszeit auf den Straßen, Hunderte von Menschen, die sich in den "Pachinko"-Spielhallen den ganzen Tag von ohrenbetäubender Musik zudröhnen lassen und ihre kleinen, silbernen Kugeln durch die Automaten rollen lassen. Freak-Läden und Pornos in allen möglichen Facetten, die man sich nicht mal vorstellen kann oder möchte. All das ist schon ein wenig beunruhigend.
Nichtsdestortrotz ist Japan auf jeden Fall eine Reise wert und bei mir war es vor allem die schöne Natur und die traditionellen Bauwerke, die mich noch viel nachhaltiger beeindruckt haben als die modernen Hochhäuser in Shibuya und Shinjuku, was vielleicht aber auch daran liegt, dass ich das asiatische Großstadtleben hier in Taipeh jeden Tag habe :-)
Wenn ich nochmal nach Japan komme, dann wird es mit ziemlicher Sicherheit Kyoto sein!

Legende zu den Bildern:

1) Gullideckel in dem Park um Burg Osaka
2) Schild in unserem Hotel
3) Burg Osaka
4) Laden in Amerikamura
5) Straßenszene in Amerikamura


Und zum Abschluss: Einfach, weil es die tollste englische Übersetzung hat, die ich jemals irgendwo gesehen habe! Ich frage mich, ob man den Sinn des Schildes (es klebte übrigens an einer Toilettentür) ganz ohne Japanischkenntnisse überhaupt erahnen kann?! Kleiner Tipp: Es hat nichts mit Sake zu tun...

Samstag, März 28, 2009

Japan Episode 2

Das alte Geisha-Viertel in Kyoto ist heute eine Mischung aus Geisha-Häusern, wo ausgewählte Kunden für viel Geld von Geishas unterhalten werden und teuren Tee trinken können und Vergnügungsviertel. Der Vergnügungs-/Rotlicht-Teil ist ein typisches Touristengebiet und abgesehen von einigen Läden mit netten Souvenirs zu verhältnismäßig teuren Preisen ist es nicht besonders erwähnenswert. Die alten Geisha-Häuser in den kleinen Gassen hinter den glitzernden Fassaden sind wirklich sehr schön und man kann noch ein bisschen von der Atmosphäre spüren, wie es wohl früher in einem Geisha-Viertel ausgesehen hat. Gion ist also wirklich sehr schön, sowohl zum Shoppen als auch zum Umschauen. Da wir schon den ganzen Tag unterwegs gewesen waren, schauten wir uns nur kurz um und kehrten bald wieder zu unserer Pension um, um uns nach dem anstrengenden Tag auszuruhen.
Am nächsten Tag stand die Burg Nijo auf unserem Plan, die ihre 5 Euro Eintritt auch wirklich wert war! Von einem sehr schön gepflegten Park umgeben, liegt das Schloss ziemlich zentral und ist sowohl von innen als auch von außen sehenswert. Im Inneren des Schlosses, für das man noch extra Pantoffeln bekam, um den alten Holzboden zu schonen, konnte man dann sehen, wie der Adel damals gelebt hat. Das Interessante an dem Holzboden war, dass er absichtlich quietschende Geräusche machte, wenn man drüberlief, die ein wenig an das Zwitschern von Vögeln erinnern sollten und in alten Zeiten dazu dienten, die Bewohner des Schlosses vor ungebetenen Eindringlingen zu warnen.
Nach dem Besuch der Burg ging es kulturell weiter zum Besuch des Kaiserpalastes, wo nicht nur kein Eintrittspreis zu entrichten war, sondern es auch noch eine kostenlose Führung gab. Allerdings konnte man den Palast nur zu bestimmten Zeiten betreten, sodass wir uns am Ende ziemlich beeilen mussten, da der den Palast umgebende Park auf der Karte ein wenig kleiner aussah, als er in Wirklichkeit war. Bevor man uns einließ, mussten wir noch unsere persönlichen Daten in einem kleinen Büro abgeben und beweisen, dass man Ausländer ist (Japaner dürfen aus irgendwelchen Gründen nur an bestimmten Tagen in den Palast) und schon ging es los. Die Führung war ganz nett, der Palast leider sehr puristisch und fast ein wenig langweilig, wenn auch einige der Gärten sehr schön waren.
Am Abend gingen wir noch einmal nach Gion, um uns das Viertel ein bisschen ausführlicher anzusehen und noch ein paar Souvenirs zu erwerben.


An unserem letzten Tag in Kyoto entschieden wir uns für den Besuch des Goldenen Tempels (Kinkakuji). Nachdem wir eine Weile gesucht hatten, fanden wir dann auch die richtige Bushaltestelle und es konnte losgehen. Ausnahmsweise schien die Sonne mal aus allen Knopflöchern und so erstrahlte der mit Gold bedeckte Tempel in seiner ganzen Pracht und auch die ihn umgebenden Parkanlagen waren bei schönem Wetter wesentlich schöner anzusehen (merkt man eigentlich, dass es in Kyoto wahnsinnig viele Tempel und Parks gibt?^^). In der Nähe des goldenen Tempels gab es noch zwei weitere Sehenswürdigkeiten, doch zunächst setzten wir uns erstmal mit einigen Moji (Bällchen aus Reismehl in verschiedenen Geschmacksrichtungen) auf eine Bank in die Sonne.
Unser nächstes Ziel war der von einer Zimmernachbarin in Tokyo vielgepriesene Zen-Steingarten. Dort angekommen warnte uns ein Schild, dass gerade Bauarbeiten seien, man den Steingarten aber trotzdem sehen könne. Auf den Fotos sah er relativ unspektakulär aus, doch nach einiger Diskussion, ob wir reinwollen oder nicht, entschieden wir uns, mal wieder unsere Geldbörse zu zücken und ihn uns anzusehen. Diesmal war der Park um den Steingarten herum sehr schön, der Steingarten selbst, leider ein wenig enttäuschend. Vielleicht verstehen wir alle zu wenig von Zen-Philiosophie, doch die Schönheit des doch recht kleinen Steingartens hielt sich leider in Grenzen.
Nina und ich waren schon sehr müde vom vielen Sightseeing, doch Sönke und Clemens wollten unbedingt noch zur Pagode in der Nähe und so gingen wir zwar mit, ruhten uns jedoch davor erstmal ein wenig vor dem Eingang aus, während die beiden schonmal reingingen. Als wir dann feststellten, dass der Großteil des Parks kostenlos zu besichtigen ist, hoben wir unsere müden Füße und schauten uns noch die Pagode und einige kleine Tempel an, waren dann aber auch froh, wieder zurück zum Hostel zu kommen und uns noch kurz hinzusetzen, da es direkt danach weiter ging nach Osaka (ja wir hatten ein volles Programm!).
Die Bahn nach Osaka war leider ziemlich stark frequentiert, sodass wir die halbstündige Fahrt leider stehend im Gedränge verbringen, aber zum Glück war es noch nicht so schlimm, dass die netten Männer mit den weißen Handschuhen uns reindrücken mussten.
In Osaka angekommen, begann ich schon bei der Einfahrt in den Bahnhof mit Ausblick auf viele viele Hochhäuser, das ruhige, schöne Kyoto zu vermissen, aber wir waren nunmal da. Osaka sah ein wenig schmuddelig aus und wir mussten eine ganze Weile suchen, ehe wir das Hotel fanden (weil die beiden Männer sich die Wegbeschreibung nicht genau aufgeschrieben hatten, so wie ich das in Kyoto und Tokyo getan hatte....nur um das an dieser Stelle mal anzumerken). Das Hotel war leider nicht ganz so schön wie die Herberge in Kyoto, aber dafür sehr günstig und verfügte über einen 24-Stunden Pornokanal, der einem einen interessanten Einblick in die japanische Gesellschaft gab, aber dazu später mehr. Immerhin hatte das Hotel noch ein Badehaus, das einen dafür entschädigte, dass für das ganze Hotel, abgesehen von dem Badehaus, nur 2 Duschen zur Verfügung standen.
So, der Teil über Osaka kommt im nächsten Post, also bleibt dran!

Legende zu den Bildern:

1) Ein Haus in Gion
2) Ein Eingangstor zur Burg Nijo
3) Ein Teil des Parks um Burg Nijo
4) Ein Turm der Burg Nijo
5) Der Goldene Tempel
6) Der Steingarten
7) Unser Zimmer in unserer Herberge in Kyoto
8) Ich mit einer Glocke bei Burg Nijo

Sonntag, März 08, 2009

Japan Episode 1

Die erste Märzwoche haben wir unser Geld zusammengekratzt und sind mit noch zwei weiteren Freunden, Nina und Sönke, die einige Tage zuvor nach Taipei gekommen waren, nach Japan gefahren. Unsere erste Station war Tokyo, wo wir in dem alten Viertel Asakusa in einer niedlichen kleinen Jugendherberge ein Zimmer gemietet hatten. Die Herberge war wirklich nett gemacht, der Gemeinschafstraum war als Tatami-Zimmer mit Sitzkissen gestaltet, sodass gleich ein wenig Japan-Feeling aufkam und auch die Doppelstockbetten in dunklem Holz waren in Ordnung. Da wir am ersten Tag erst relativ spät ankamen, so gegen 8 Uhr abends, unternahmen wir auch nicht mehr viel, schauten uns allerdings ein wenig die Umgegend an, in der wir gleich eine kleine Tempelanlage entdeckten. Leider regnete es und war im Vergleich zu Taiwan SEHR kalt (also so um die 5 Grad), sodass wir uns bald schon wieder in unser kuschelig gewärmtes Zimmer verzogen.
Am nächsten Tag stand dann das Elektronik und Freak-Viertel Akihabara auf unserem Plan, das auch alle unsere Erwartungen an Tokyo erfüllte - es war groß, bunt und voller abstruser Läden, die noch abstrusere Sachen verkauften (siehe auch Fotos). Nachdem wir ein wenig durch das Viertel gebummelt waren, kaufte ich mir im nahegelegenen Buchviertel noch ein Englisch-Japanisch Lexikon, um uns auch sicher durch Japan führen zu können.... naja und natürlich, um es fürs Studium zu benutzen :-)
Als nächstes besuchten wir den im Reiseführer gepriesenen Ueno-Park, der allerdings ein wenig trist war, was vielleicht auch an dem grauen Wetter und den kaum Blätter tragenden Bäumen lag. Das Museum am Ende des Parks zogen wir in Betracht, mussten dann jedoch stattdessen unsere müden Füße in einem Café ausruhen. Wir fuhren danach wieder zurück nach Askusa um uns die am vorigen Tag entdeckte Tempelanlage nochmal im restlichen Tageslicht anzuschauen und entdeckten um die Anlage herum einen riesigen Souvenirmarkt, der für eine Weile unsere Aufmerksamkeit fesselte. Angesichts der überhöhten Preise kauften wir jedoch nur einige Postkarten und ruhten uns noch ein wenig in der Herberge aus, bevor es weiterging nach Roppongi, dem Vergnügungsviertel Tokyos. Roppongi wies einen schönen Ausblick auf den Tokyo-Tower und eine Menge hohe, moderne Wolkenkratzer auf, sowie einige schöne (und auch teure) Bars. Schließlich entdeckten wir einen kleinen, irischen Pub mit relativ erträglichen Preisen, in dem wir es uns für den Rest des Abends gemütlich machten.
Für den folgenden Tag war ein großes Programm geplant: Zuerst der Besuch im Ghibli-Museum, für das man Karten hatte vorbestellen müssen, was Clemens und ich auch getan hatten. Als wir ankamen und dem Mann am Eingang fröhlich unsere Karten entgegenstreckten (die wir natürlich auch schon bezahlt hatten), erwartete uns erstmal ein Schock: Die Frau vom Reisebüro hatte das falsche Datum auf die Karten geschrieben, nämlich das vom Vortag! Nach langer Diskussion auf gebrochenem Japanisch und Englisch, fragte der Mann schließlich seine Chefin, die ein Einsehen mit den weitgereisten Deutschen hatte und uns reinließ. Wenn wir nicht reingekommen wären, wäre das echt ärgerlich gewesen! Da bestellt man die Karten ordnungsegmäß vor und dann das...
Das Ghibli-Museum stellt Skizzen, Zeichnungen und Figuren aus Filmen von Hayao Miyazaki bzw. dem Ghibli-Studio vor, welches animierte Filme sind, die mit unglaublich viel Liebe zum Detail und Fantasie gestaltet sind. Bekannte Filme sind etwa "Mein Nachbar Totoro", "Das wandelnde Schloss" oder "Prinzessin Mononoke". Das Museum selbst ist teilweise den Fantasiewelten in den Filmen nachempfunden und hat wie auch die Filme einen europäischen Touch. Besonders niedlich fand ich die Glasfenster mit Motiven aus den Filmen. Die Räume, in denen Zeichnungen und Skizzen ausgestellt sind, sehen aus wie eine Künstlerwerkstatt, mit Schreibtischen, die den Eindruck machen, als hätten die Zeichner nur kurz ihren Platz verlassen, um etwas essen zu gehen. Sehr liebevoll gemacht. Im Keller des Museums wurde dann noch ein Kurzfilm gezeigt, den es nur im Museum zu sehen gibt. Ein netter Film, leider nur auf Japanisch. Warum an englischen Untertiteln gespart wurde, bleibt in Frage gestellt. Insgesamt war das Museum wirklich einen Besuch wert!
Danach fuhren wir zurück in die Innenstadt (das Museum liegt etwas außerhalb, in einem hübschen Park), wo wir mit meiner japanischen Freundin Yoshiharu (eine Klassenkameradin aus meiner Klasse in Taipei) am riesigen Tokyoter Rathaus verabredet waren. Sie kam leider ein bisschen zu spät, brachte aber ihre Schwester mit und so fuhren wir dann erstmal zu viert auf die Aussichtsplattform des wirklich hohen Rathauses und betrachteten die Riesenstadt Tokyo, deren Stadtgrenzen nichtmal von dem hohen Turm zu sehen waren. Wieder unten angekommen, fuhren wir weiter nach Shinjuku, um uns das glitzernde bunte Nachtleben und die blinkenden Hochhäuser des Stadtteils anzusehen. Wir bummelten ein wenig umher, aßen Ramen (japanische Nudelsuppe) und waren dann alle so müde, dass wir nur noch in die Herberge zurück fahren und schlafen konnten. Tokyo ist wirklich groß!
Am nächsten Tag sollte unsere Reise weitergehen nach Kyoto. Am Tag zuvor hatte meine Freundin Yoshiharu uns noch beim Kauf der Bustickets geholfen, da wir ohne ihre Hilfe in dem riesigen Shinjuku nicht einmal den Busbahnhof gefunden hätten. Dazu bemerkt sei, dass der Bahnhof Shinjuku die meisten Passagiere pro Tag befördert und dementsprechend groß ist. Unsere siebenstündige Busreise begann erst gegen 13 Uhr und so nutzten wir die Zeit davor, im riesigen Shoppingviertel Shibuya noch ein paar Fotos mit der berühmten Hundestatue Hachiko zu machen und uns die Gegend noch ein wenig anzusehen, ehe es mit dem Bus in Richtung Kyoto ging. Eine siebenstündige Fahrt war natürlich nicht unser Ideal, doch leider war es dich günstigste Variante und die Bahnfahrt mit dem tollen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen leider nicht in unserem Budget vorgesehen. Die Sonne schien aus allen Knopflöchern und ohne dass wir es erwartet hätten, tauchte plötzlich der Berg Fuji, der bekannteste Berg Japans und Pilgerort zahlreicher nationaler und internationaler Touristen in unserem Blickfeld auf. Das war wirklich ein glücklicher Zufall, denn den Fuji so klar zu sehen, ist eine echte Seltenheit, da er meisstens von Wolken oder Nebel komplett umhüllt und nicht sichtbar ist. Wie wild verbogen wir uns auf unseren Sitzen, um den Fuji auf ein Foto zu bekommen und es gelang uns trotz der schlafenden Mitreisenden, über die wir uns dafür beugen mussten, erstaunlich gut. Die Busfahrt hatte sich also schonmal gelohnt!
Nebenbei noch eine kleine, seltsame Eigenheit der Japaner... in Japan scheint es als unhöflich und/oder eklig zu gelten, sich vor anderen Leuten die Nase auszuschnupfen. Dieses Problem lösen die Japaner dann auf eine meiner Meinung nach wesentlich ekligere Art: Sie ziehen permanent die Nase hoch. So auch mein freundlicher Sitznachbar, der zum Glück noch durch einen Gang von mir getrennt war. Erst das Aufsetzen von Kopfhörern und das Anschalten meines Mp3 Players bewahrten mich davor. Japaner sind echt seltsam, aber das wissen wir ja...
Wie auch immer, gegen Abend kamen wir in Kyoto an und der Blick auf den Plan des Metro-Netzes am Hauptbahnhof versetzte uns einen Schock: Eine Station kostete über 2 Euro! Es nützte alles nichts, das sowieso schon gebeutelte Portemoinnaie musste gezückt werden. Hatte ich erwähnt, dass Japan ein teures Land ist? Noch schlimmer als in Deutschland und jede Stadt hat noch fünf verschiedene Metro- und Bahnsysteme, für die man alle extra zahlen muss....
Bei der herberhe wurden wir sehr freundlich von einem alten Japaner und seiner jungen Angestellten (die im Gegensatz zu ihm sehr gut Englisch sprach) in ihrem alten japanischen Haus, das zur Herberge umgebaut worden war, empfangen. Sie erklärten uns alles, was wir wissen mussten und so zogen wir in unser gemütliches Tatami-Zimmer mit 4 Futons, die leider sehr hart waren. Dennoch war die japanische Atmosphäre so nett und die Besitzer so freundlich und hilfsbereit, dass wir uns sofort wohlfühlten.
Am nächsten Tag standen wir ein wenig ausgeruhter als vorher auf und machten uns trotz Regen und Schneeregen auf zum Fushimi Inari Fuchsschrein, der mit seinen 1000 rotbemalten Torii (Tore in shintoistischen Schreinen) durch den Film "Die Geisha" bekannt geworden ist. Den mussten wir uns natürlich auf jeden Fall anschauen und natürlich auch durch fast alle Tore wandern (hab nicht gezählt). Leider führte der Weg durch die Tore über einen Berg und die Temperaturen sanken scheinbar immer weiter. Es war jedenfalls schweinekalt und so waren wir froh, dass, nachdem wir in zwei Restaurants nur bösartig beguckt worden waren, ein drittes Restaurant freundliche seine Schiebetür öffnete und wir uns endlich bei einem heißen Getränk aufwärmen konnten. Der Rest des Weges war auch noch recht weit, aber schließlich hatten wir unsere Runde beendet und waren auch ein wenig stolz, ganz oben gewesen zu sein! Riesig freuten wir uns auf unseren nächsten Programmpunkt:
Ein Besuch in einem japanischen Badehaus in der Nähe unserer Herberge. Badehäuser haben in Japan Tradition, früher hatte nicht jeder zu Hause die Möglichkeit, zu baden und so ging man eben gemeinsam ins Badehaus, das natürlich geschlechtergetrennt ist. Das Baden war nach derr anstrengenden Tour in der Kälte wunderbar angenehm und es war so typisch japanisch! Voll von alten Omis, die sich auf ihren kleinen Höckerchen vor den Duchplätzen sitzend, den Rücken mit einem Handtuch rieben und mit entspanntem Gesichtsausdruck in den viel zu heißen Badezubern saßen. Wir (also in dem Fall Nina und ich) setzten uns dazu und zu unserer Überraschung entdeckten wir in dem einen Becken einen elektrisch geladenen Teil, wo man einen kleinen Schlag bekam, sobald man das Wasser berührte! Richtig gruselig, aber die Omis fanden es offenbar super....
Nach dem Bad und noch ein wenig Ausruhen in der Herberge waren wir auch wieder fähig, uns etwas anzuschauen und so machten wir uns auf nach Gion, dem alten Geisha-Viertel Kyotos.

Dazu aber mehr im nächsten Post, sonst wird dieser hier viel zu lang :-)

Legende zu den Bildern:

1) Akihabara
2) Nina in einem Laden in Akihabara mit einem Tintenfischbällchen-Hut auf dem Kopf
3) Tempelmarkt in Asakusa
4) Wir vor dem Ghibli-Museum
5) Nina und ich mit Hachiko
6) DER FUJI!
7) Ein Gebäude im Fushimi Inari Schrein
8) Nina im Gang zwischen den 1000 Toren
9) Gebetstäfelchen im Fushimi Inari Schrein (in Fuchsgesichtsform)