Sonntag, Mai 31, 2009

Ausflug auf die Pescadores-Inseln 澎湖


Lange nichts mehr von mir hören lassen, ich gebs zu, aber irgendwie war ich in den letzten Wochen einfach zu faul. Da vieles von dem, das ich schreibe, schon eine ganze Weile her ist, kann ich nicht jeden Tag sehr ausführlich beschreiben, werde aber einen Eindruck der letzten Wochen geben und einige Highlights hervorheben :-)

1.April - 4. April Penghu

Zu Beginn möchte ich etwas über unseren Ausflug auf die Pescadores-Inseln (auf chinesisch Penghu 澎湖) schreiben, eine kleine Inselgruppe im Westen Taiwans.

Morgens gegen 9 Uhr ging unser Flug vom nationalen Flughafen Songshan im Norden Taipehs. Ein sehr kleiner, niedlicher Flughafen, dessen Flugzeuge auch allesamt eher klein ausfielen, so auch unseres. Der Flug verlief problemlos und das Wetter war frisch, aber sonnig, als wir knapp eine Stunde später am Flughafen Magong landeten. Die Pension, in der wir uns für 3 Übernachtungen eingemietet hatten, liegt in der Nähe der Hauptstadt Magong und somit nur eine kurze Autofahrt vom Flughafen entfernt. Die Pension hatte glücklicherweise einen Fahrer, der uns vom Flughafen abholte, nachdem wir uns noch am Infostand reichlich mit Prospekten und Landkarten eingedeckt hatten.
Unser Zimmer war sehr günstig, aber leider nicht ganz den Fotos im Internet entsprechend, die hell beleuchtete, neu eingerichtete Zimmer versprochen hatten. Unser Zimmer hingegen war in einer Art Wellblechhütte und hatte vor allem kein Fenster! Wenigstens war es mit einer Klimaanlage ausgestattet und so beschwerten wir uns zunächst nicht, denn sauber und ordentlich war es und hatte auch ein kleines Bad, dessen Fenster wir uns allerdings mit dem Bad der Nachbarn teilen mussten. Nun ja, aber es war eben preiswert! Nachdem wir uns ein wenig eingerichtet hatten, wollten wir uns eigentlich irgendwo Fahrräder mieten. Nach einer Weile Diskussion mit der im Kopf etwas langsamen Herbergsmutter bekam Clemens ihr Fahrrad geliehen, sie nahm mich mit auf ihren Roller und fuhr zu einem vermeintlichen Fahrradverleih. Da Clemens den Weg nicht kannte, sollte sie langsam vorfahren und er mit dem Rad hinterher. Problematisch war nur, dass sie nicht wirklich langsam fuhr und der arme Clemens kauum hinterherkam und nach der Fahrt dementsprechend erledigt war. Die Frau war eben nicht so sensibel, bekam das Problem offenbar gar nicht mit. Es hob unsere Stimmung nicht gerade, dass offenbar nirgends Fahrräder vermietet wurden, sondern lediglich motorisierte Roller, für die Clemens' deutscher Führerschein jedoch nicht gültig war. Ein internationaler hätte hergemusst. Doch nach langem Hin- und Hergefrage gaben wir unsere Suche nach einem Fahrrad auf und fuhren zurück zu der Pension. Wir erzählten der Frau, dass Clemens' Führerschein ja für den schwächsten Roller gültig wäre (was ja auch mehr oder weniger stimmte, konnte halt bloß keiner lesen außer uns) und sie nahm das offensichtlich nicht so genau und lieh uns einen knuffigen, kleinen Roller für 3 Tage. Clemens musste sich nach der Fahrrad(tor)tour erstmal ausruhen und so gingen wir zurück in unser Zimmerchen und setzten uns erstmal eine Weile hin. Ein Fernseher zur Entspannung war immerhin vorhanden!
Als nächstes wälzten wir unsere Reiseführer und fuhren erstmal zu einem nahegelegenen Strand, um das Inselklima zu genießen. Langsam und mit knapp 30 fuhren wir zunächst unsicher und mit Blick nach Polizisten am Rand der Straße entlang, doch mit der Zeit gewöhnte sich Clemens an den Roller und nach einer Weile fuhren wir schon genauso professionell wie die Taiwaner stolz mit unserem kleinen, orangenen Rollerchen durch die Gegend. Am Strand war es leider so windig, dass an erholtes Liegen aufgrund von Sandverwehungen nicht zu denken war und selbst Spazierengehen erwies sich ob des Windes als anstrengend. Von Baden ganz zu schweigen. Wir ließen uns nicht entmutigen und besichtigten einige Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgegend, wie etwa eine Nachbildung der CKS Memorial Hall in Taipeh und einige Militärfahr- und Flugzeuge, die in einem Park ausgestellt waren. Und natürlich schossen wir einige Fotos von der schönen Landschaft. Die frische Seeluft und die menschenleere Natur (Nebensaison!) war Balsam für die Seele und tat uns nach den stressreichen Wochen davor richtig gut. Einige aufregende Strandansichten und Fotos vom aufgewühlten Meer später, fuhren wir in die Stadt, wo erstaunlicherweise viel Polizei präsent war, für einen derartig kleinen Ort, die auch offensichtlich wenig besseres zu tun hatte, als abends durch die Straßen zu patroullieren. Zum Glück passierte uns nichts, doch die Angst, angehalten zu werden (als Ausländer ist man ja auch immer schon mal prinzipiell interessant) saß uns im Nacken, wenn wir mit dem Roller im Stadtgebiet unterwegs waren. Wir aßen ein wenig zu abend, schauten uns noch in der Nähe des Hafens einen alten Tempel und eine beleuchtete Brücke (die großen Touristenattraktionen der Stadt^^) an, ehe wir uns auf den Rückweg machten. Die frische Meeresluft hatte uns müde gemacht und so legten wir uns ziemlich bald schlafen.

Am zweiten Tag starteten wir eine große Erdkundungstour über die anderen Inseln der Inselgruppe, die alle durch Brücken verbunden waren, sodass man entspannt von einer Insel zur anderen fahren konnte. Unser kleiner Roller erreichte mit Rückenwind atemberaubende Spitzengeschwindigkeiten von 60 km/h! Gelegentlich machten wir halt, um schöne Aussichten zu fotografieren und kurz vor der längsten Brücke legten wir einen Stopp an einem kleinen Restaurant ein, wo es leckere Bratnudeln mit Meeresfrüchten gab. In der Umgegend des Restaurants befanden sich auch einige Touristenattraktionen, wie etwa ein Baum, der ein riesiges Dach überwucherte und so den Vorplatz zu einem Tempel beschattete. Unter dem Baumdach wurden lokale Süßspeisen und Souvenirs angeboten und wir probierten ein Eis, das aus einer lilafarbenen Kaktusfrucht hergestellt wird und typisch für Penghu ist. Es war knall-lila und schmeckte sehr lecker! Nach Besichtigung des Tempels und einigen alten Häusern (aus dem einen schaute plötzlich ein riesiges Schwein heraus und erschreckte mich fast zu Tode!) machten wir uns auf zur Bezwingung der Riesenbrücke. Da sie direkt übers Meer führte, war der Wind auf der Brücke noch stärker und blies uns fast von unserem kleinen Roller herunter!
Auf der nächsten kleinen Insel angekommen, schauten wir uns das im Reiseführer gepriesene "Whale Cave" an, wo zwar keine Wale zu sehen waren, der Legende nach jedoch mal ein Wal umgekommen sein soll. Mir gefiel die traurige Legende nicht besonders, das Whale Cave selbst allerdings, das wir nach einigem Suchen auch fanden, war sehr schön. Der Wind peitschte das Meerwasser durch das Loch, welches in weißen Flöckchen durch die Luft geweht wurde. Man musste sich regelrecht gegen den Wind stemmen, um nicht ins Meer geweht zu werden! So einen starken Wind hatte ich noch nie erlebt!!
Wieder in einem nahegelegenen Dorf angekommen, kauften wir noch ein paar Postkarten in einem Souvenirshop, ehe es weiterging zur nächsten Attraktion: einem alten Dörfchen, mit niedlichen Steinhäusern, das wirklich einen Besuch wert war! Eins der alten Häuser war so nett hergerichtet, dass man dafür ein wenig Eintritt zahlen musste, der einem von einer ganz alten, kleinen, blinden Omi abgenommen wurde, die ganz allein in ihrem Häuschen saß und auf Touristen wartete. Wirklich liebenswert! Das Häuschen hatte wirklich Charme und ließ einen erahnen, wie die Bewohner Penghus wohl mal gelebt haben. Die bunten Kacheln an den Wänden erinnerten uns ein bisschen spanische, bzw. portugiesische Architektur; ob da wohl die Portugiesen vor einigen hundert Jahren ihre Hand im Spiel gehabt haben?!
Auf dem Rückweg kamen wir an einem kleinen Aquarium vorbei, wo man sich die Wasserwelt Penghus anschauen konnte, das wir noch mitnahmen. Es war relativ klein, aber sehr liebevoll gemacht und eine nette Abrundung für den Tag. Nach dem vielen Rollerfahren tat uns auch ganz gut der Hintern weh und so unternahmen wir am Abend nichts mehr. Mit einigen Lebensmitteln vom Dorf-7/11 Supermarkt ausgestattet, verbrachten wir den Abend angenehm vor dem Fernseher bzw. Büchern.

Den dritten Tag verbrachten wir ein wenig entspannter, nahmen uns eine kleinere Tour vor. Zunächst sahen wir uns einen wirklich schönen Strand im Süden der Hauptinsel an, der den passenden Namen 白沙 Weißer Sand trug. Da wir angenommen hatten, es wäre genauso windig wie die beiden vorherigen Tage, hatten wir keine Badekleidung mitgenommen, bereuten es jedoch sofort. Überraschenderweise wehte kaum Wind, sodass es auch gleich um einiges wärmer wurde und das Wasser sehr zum Baden einlud. Wir begnügten uns dann damit, mit den Füßen im Wasser zu plantschen und den Strand zu genießen, was ebenfalls sehr schön war. Auf dem Rückweg kamen wir an einigen Tempeln vorbei, die allesamt riesig und prunkvoll waren. Wir wunderten uns, warum auf dieser kleinen Inselgruppe so wahnsinnig viele Tempel sind (in der Hauptstadt kam man auch alle 5 Minuten an einem vorbei) und wurden später darüber aufgeklärt, dass es ja auf Penghu sehr viele Fischer gibt, die natürlich alle Schutz bei den Göttern suchen, wenn sie lange auf dem Wasser sind.
Danach besuchten wir einen Ort, der mit im Wind pfeifenden Felsen gepriesen wurde. Die Felsen pfiffen leider überhaupt nicht, doch war das leise Plätschern des Meerwassers auf den ins Wasser ragenden Felsen so angenehm, dass wir für einige Zeit unsere Füße im Wasser kühlten und die Ruhe genossen. Lange hatten wir uns nicht mehr so entspannt gefühlt!

Am letzten Tag auf Penghu klapperten wir die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt Magong ab, unter anderem ein alter Brunnen, eine alte Straße, ein alter Tempel und kauften noch einige Souvenirs an der großen Hauptstraße. Den Rest des Vormittags verbrachten wir mit Lesen und entspanntem Rumhängen am Strand, nachmittags gegen vier ging es dann auch schon zum Flughafen, wo der Fahrer der Pension uns netterweise noch einmal hinfuhr. Ein wirklich lohnenswerter Ausflug auf eine wirklich schöne Insel! Penghu ist vor allem in der Nebensaison, wo es kaum Touristen gibt, ein sehr schöner Ort für einen erholsamen Urlaub. Lediglich ein bisschen wärmer hätte es sein können, sodass man mehr im Meer hätte baden können. Aber insgesamt eine echt schöne Reise!

Legende zu den Bildern:

1) Flughafen 馬公 Magong
2) Clemens mit unserem Roller
3) Strand 隘門 Aimen
4) Stein mit dem Namen des Strandes
5) Militärflugzeuge, in einem Park ausgestellt
6) Clemens und ich an einem windigen Strand
7) Baumüberwuchertes Tempeldach

8) Das "Whale Cave"
9) Traditionelles Dorf
10) Schildkröten im Aquarium
11) Strand irgendwo auf Penghu

Montag, Mai 11, 2009

Japan Episode 3 ~ Osaka

Nach einer ganzen Weile Pause melde ich mich nun endlich mit dem dritten Teil meiner Japan-Reise zurück. In den letzten Wochen hatten wir viel Besuch aus Deutschland, mit dem wir viel unternommen haben und somit blieb wenig Zeit zum Blog schreiben. Nun ist langsam wieder Alltag eingekehrt und ich habe auch wieder ein bisschen Zeit und Muße zum bloggen.

Nach einem anstrengenden Tag und einer 30-minütigen Bahnfahrt in einem brechend vollen Zug kamen wir also müde in Osaka an. Die Suche nach dem Hotel erwies sich leider als weniger einfach als gedacht, da offensichtlich die Wegbeschreibung im Internet nicht ganz fehlerfrei gewesen war. Nachdem wir eine Weile in gruseligen, dunklen Gassen und an einsamen mehrspurigen Straßen, die auf die Autobahn führten, umhergelaufen waren, fanden wir schließlich mit Hilfe einiger Einheimischer unser Hotel. Im Vergleich zu der niedlichen Jugendherberge in Kyoto war das Raizan South eher zweckmäßig eingerichtet und eine große Sammlung ausleihbarer Porno-Videos sowie ein extra eingerichtetes Frauen-Stockwerk, auf das Nina und ich auch gleich unfreiwillig verbannt wurden, ließen den Eindruck erwecken, dass dieses Hotel früher mal nicht ausschließlich als Backpacker-Hotel gedacht gewesen war...
Die Zimmer waren jedoch einigermaßen sauber und in Ordnung. Auf dem Frauen-Stockwerk erwarteten uns gleich einige interessante Schilder. Die englische Übersetzung deutete darauf hin, dass zwar die Vermittlung der Aussage sehr wichtig zu sein schien, korrekte Grammatik und Wortwahl jedoch nebensächlich:
Da wir vom Tempel-Marathon in Kyoto noch sehr müde waren, besorgten wir uns in einem nahegelegenen 24-Stunden Supermarkt unser Abendessen (Instant-Nudeln, für alles andere reichte unser Geld nicht mehr) und setzten uns bei den Jungs ins Zimmer, um uns auszuruhen und ein wenig fern zu sehen. Dabei stellten wir fest, dass das Hotel seinen Gästen einen 24-Stunden-Pornokanal zur Verfügung stellt, was unsere Vermutung, dass das Ganze wohl mal ein Stundenhotel gewesen sein muss, nur bestärkte. Japanische Pornos sind wirklich seltsam. Es liefen immer kurze Filmchen mit unterschiedlichen Themen: Frau wird beim Vorstellungsgespräch verführt (inklusive minutenlanges langweiliges Bewerbungsgespräch, während dessen der liebe Herr Chef gelegentlich die Knie seiner zukünftigen Mitarbeiterin begrabbelt, ehe es dann zur Sache geht) oder: Termin beim Frauenarzt, was wohl von genau zwei Menschengruppen als eklig empfunden wird, nämlich von Frauen und von Frauenärzten...
Das Ganze wurde dann irgendwann immer detailverliebter gefilmt, sodass wir irgendwann beschlossen, schlafen zu gehen, da dies ein Einblick in die japanische Gesellschaft war, den man nicht zu lange ausdehnen möchte.
Am nächsten Morgen machten wir uns trotz Dauerregen auf zur Burg Osaka, die in Sönkes Reiseführer gepriesen wurde. Der lange Weg von der Bahnstation durch den Park wäre bei jedem anderen Wetter sicher sehr schön gewesen, doch im strömenden Regen war er einfach nur... lang. Die Burg sah schon von weitem sehr beeindruckend aus und wir freuten uns darauf, eine richtige japanische Burg besichtigen zu können. Vor der Burg wurden Tickets verkauft (natürlich mal wieder 6 Euro pro Ticket...).
Doch im Inneren der Burg angekommen, erwartete uns eine Überraschung: Das gesamte Innenleben der Burg war mit einem hochmodernen Museum inklusive Fahrstuhl ausgekleidet worden, sodass von dem ursprünglichen Charme der Burg einfach mal gar nichts mehr übrig blieb! Enttäuscht schauten wir uns die mäßig spannende Ausstellung über den einstigen Kriegshelden und Burgherr an und trauerten unseren 6 Euro noch nach, als wir die Burg wieder verließen. Was für eine Enttäuschung.
Um uns wieder aufzuheitern, besuchten wir als nächstes das Szene-Viertel Amerikamura, das wirklich einen Besuch wert war. Hohe Wolkenkratzer und kleine, szenige Geschäfte machten den Bummel durch das Viertel zu einem angenehmen Abschluss unserer Japan-Reise. In einem kleinen Ethno-Laden fand ich ein Armband mit Elefanten aus Kokosnuss-Schalen, das ich mir als Andenken mitnahm. Am Abend nutzten wir das hoteleigene Badehaus, um uns von dem kühlen, regnerischen Wetter zu erholen. Es war total leer, was sehr angenehm war und sogar eine kleine Sauna stand zur Verfügung. Dass das Badewasser ein bisschen zu heiß war, darüber sahen wir geflissentlich hinweg und waren danach auch so müde, dass wir ziemlich bald ins Bett fielen.
Am letzten Tag blieb uns keine Zeit mehr für weitere Erkundungen der Stadt, da wir ziemlich bald nach dem Aufstehen unser restliches Geld (und leider nicht wenig) für den Zug zum Flughafen ausgaben und uns auf die Rückreise nach Taipeh begaben.
Das Bahnnetz in Osaka war ähnlich verwirrend wie das in Tokyo und so stiegen wir in den erstbesten Zug, an dem "Flughafen" dran stand ein...
Es war ein sehr moderner Zug mit riesigen, ovalen Fenstern, die einem einen super Ausblick auf die (jetzt natürlich!) in strahlendem Sonnenschein glänzende Stadt ermöglichte. Wir freuten uns noch, dass so viele Sitzplätze frei waren, als nach etwa der Hälfte der Strecke eine freundliche Zugbegleiterin sich unsere Tickets ansah und uns erklärte, dass wir für diesen Schnellzug noch jeder 500 Yen (ca. 4 Euro) extra bezahlen müssten. Einziges Problem: Die fast 10 Euro für die Zugfahrt zum Flughafen waren unser letztes Geld gewesen. Keiner von uns hatte mehr als die letzten paar Yen für eine Flasche Wasser am Flughafen in der Tasche. Wir versuchten, einen auf verständnislos zu machen und zeigten immer wieder auf unser Ticket, doch die Frau ließ sich nicht beirren und so mussten wir schließlich nach etwa 3/4 der Strecke aussteigen und auf den nächsten langsameren Zug warten. Dennoch hatten wir einen Großteil der Strecke sehr angenehm zurück gelegt, also gab es auch keinerlei Grund zur Klage.
Der Rückflug verlief problemlos und wir waren alle sehr froh, uns für den Rest des Tages ausruhen zu können.

Japan war auf jeden Fall eine interessante und spannende Reise! Vor allem Kyoto hat mich sehr beeindruckt, mit seinen vielen traditionellen Häusern und dem typisch japanischen Flair.
Überrascht hat uns alle, wie viele Probleme der japanischen Gesellschaft man selbst als Tourist zu sehen bekommt. Betrunkene Geschäftsleute zu fast jeder Tageszeit auf den Straßen, Hunderte von Menschen, die sich in den "Pachinko"-Spielhallen den ganzen Tag von ohrenbetäubender Musik zudröhnen lassen und ihre kleinen, silbernen Kugeln durch die Automaten rollen lassen. Freak-Läden und Pornos in allen möglichen Facetten, die man sich nicht mal vorstellen kann oder möchte. All das ist schon ein wenig beunruhigend.
Nichtsdestortrotz ist Japan auf jeden Fall eine Reise wert und bei mir war es vor allem die schöne Natur und die traditionellen Bauwerke, die mich noch viel nachhaltiger beeindruckt haben als die modernen Hochhäuser in Shibuya und Shinjuku, was vielleicht aber auch daran liegt, dass ich das asiatische Großstadtleben hier in Taipeh jeden Tag habe :-)
Wenn ich nochmal nach Japan komme, dann wird es mit ziemlicher Sicherheit Kyoto sein!

Legende zu den Bildern:

1) Gullideckel in dem Park um Burg Osaka
2) Schild in unserem Hotel
3) Burg Osaka
4) Laden in Amerikamura
5) Straßenszene in Amerikamura


Und zum Abschluss: Einfach, weil es die tollste englische Übersetzung hat, die ich jemals irgendwo gesehen habe! Ich frage mich, ob man den Sinn des Schildes (es klebte übrigens an einer Toilettentür) ganz ohne Japanischkenntnisse überhaupt erahnen kann?! Kleiner Tipp: Es hat nichts mit Sake zu tun...

Samstag, März 28, 2009

Japan Episode 2

Das alte Geisha-Viertel in Kyoto ist heute eine Mischung aus Geisha-Häusern, wo ausgewählte Kunden für viel Geld von Geishas unterhalten werden und teuren Tee trinken können und Vergnügungsviertel. Der Vergnügungs-/Rotlicht-Teil ist ein typisches Touristengebiet und abgesehen von einigen Läden mit netten Souvenirs zu verhältnismäßig teuren Preisen ist es nicht besonders erwähnenswert. Die alten Geisha-Häuser in den kleinen Gassen hinter den glitzernden Fassaden sind wirklich sehr schön und man kann noch ein bisschen von der Atmosphäre spüren, wie es wohl früher in einem Geisha-Viertel ausgesehen hat. Gion ist also wirklich sehr schön, sowohl zum Shoppen als auch zum Umschauen. Da wir schon den ganzen Tag unterwegs gewesen waren, schauten wir uns nur kurz um und kehrten bald wieder zu unserer Pension um, um uns nach dem anstrengenden Tag auszuruhen.
Am nächsten Tag stand die Burg Nijo auf unserem Plan, die ihre 5 Euro Eintritt auch wirklich wert war! Von einem sehr schön gepflegten Park umgeben, liegt das Schloss ziemlich zentral und ist sowohl von innen als auch von außen sehenswert. Im Inneren des Schlosses, für das man noch extra Pantoffeln bekam, um den alten Holzboden zu schonen, konnte man dann sehen, wie der Adel damals gelebt hat. Das Interessante an dem Holzboden war, dass er absichtlich quietschende Geräusche machte, wenn man drüberlief, die ein wenig an das Zwitschern von Vögeln erinnern sollten und in alten Zeiten dazu dienten, die Bewohner des Schlosses vor ungebetenen Eindringlingen zu warnen.
Nach dem Besuch der Burg ging es kulturell weiter zum Besuch des Kaiserpalastes, wo nicht nur kein Eintrittspreis zu entrichten war, sondern es auch noch eine kostenlose Führung gab. Allerdings konnte man den Palast nur zu bestimmten Zeiten betreten, sodass wir uns am Ende ziemlich beeilen mussten, da der den Palast umgebende Park auf der Karte ein wenig kleiner aussah, als er in Wirklichkeit war. Bevor man uns einließ, mussten wir noch unsere persönlichen Daten in einem kleinen Büro abgeben und beweisen, dass man Ausländer ist (Japaner dürfen aus irgendwelchen Gründen nur an bestimmten Tagen in den Palast) und schon ging es los. Die Führung war ganz nett, der Palast leider sehr puristisch und fast ein wenig langweilig, wenn auch einige der Gärten sehr schön waren.
Am Abend gingen wir noch einmal nach Gion, um uns das Viertel ein bisschen ausführlicher anzusehen und noch ein paar Souvenirs zu erwerben.


An unserem letzten Tag in Kyoto entschieden wir uns für den Besuch des Goldenen Tempels (Kinkakuji). Nachdem wir eine Weile gesucht hatten, fanden wir dann auch die richtige Bushaltestelle und es konnte losgehen. Ausnahmsweise schien die Sonne mal aus allen Knopflöchern und so erstrahlte der mit Gold bedeckte Tempel in seiner ganzen Pracht und auch die ihn umgebenden Parkanlagen waren bei schönem Wetter wesentlich schöner anzusehen (merkt man eigentlich, dass es in Kyoto wahnsinnig viele Tempel und Parks gibt?^^). In der Nähe des goldenen Tempels gab es noch zwei weitere Sehenswürdigkeiten, doch zunächst setzten wir uns erstmal mit einigen Moji (Bällchen aus Reismehl in verschiedenen Geschmacksrichtungen) auf eine Bank in die Sonne.
Unser nächstes Ziel war der von einer Zimmernachbarin in Tokyo vielgepriesene Zen-Steingarten. Dort angekommen warnte uns ein Schild, dass gerade Bauarbeiten seien, man den Steingarten aber trotzdem sehen könne. Auf den Fotos sah er relativ unspektakulär aus, doch nach einiger Diskussion, ob wir reinwollen oder nicht, entschieden wir uns, mal wieder unsere Geldbörse zu zücken und ihn uns anzusehen. Diesmal war der Park um den Steingarten herum sehr schön, der Steingarten selbst, leider ein wenig enttäuschend. Vielleicht verstehen wir alle zu wenig von Zen-Philiosophie, doch die Schönheit des doch recht kleinen Steingartens hielt sich leider in Grenzen.
Nina und ich waren schon sehr müde vom vielen Sightseeing, doch Sönke und Clemens wollten unbedingt noch zur Pagode in der Nähe und so gingen wir zwar mit, ruhten uns jedoch davor erstmal ein wenig vor dem Eingang aus, während die beiden schonmal reingingen. Als wir dann feststellten, dass der Großteil des Parks kostenlos zu besichtigen ist, hoben wir unsere müden Füße und schauten uns noch die Pagode und einige kleine Tempel an, waren dann aber auch froh, wieder zurück zum Hostel zu kommen und uns noch kurz hinzusetzen, da es direkt danach weiter ging nach Osaka (ja wir hatten ein volles Programm!).
Die Bahn nach Osaka war leider ziemlich stark frequentiert, sodass wir die halbstündige Fahrt leider stehend im Gedränge verbringen, aber zum Glück war es noch nicht so schlimm, dass die netten Männer mit den weißen Handschuhen uns reindrücken mussten.
In Osaka angekommen, begann ich schon bei der Einfahrt in den Bahnhof mit Ausblick auf viele viele Hochhäuser, das ruhige, schöne Kyoto zu vermissen, aber wir waren nunmal da. Osaka sah ein wenig schmuddelig aus und wir mussten eine ganze Weile suchen, ehe wir das Hotel fanden (weil die beiden Männer sich die Wegbeschreibung nicht genau aufgeschrieben hatten, so wie ich das in Kyoto und Tokyo getan hatte....nur um das an dieser Stelle mal anzumerken). Das Hotel war leider nicht ganz so schön wie die Herberge in Kyoto, aber dafür sehr günstig und verfügte über einen 24-Stunden Pornokanal, der einem einen interessanten Einblick in die japanische Gesellschaft gab, aber dazu später mehr. Immerhin hatte das Hotel noch ein Badehaus, das einen dafür entschädigte, dass für das ganze Hotel, abgesehen von dem Badehaus, nur 2 Duschen zur Verfügung standen.
So, der Teil über Osaka kommt im nächsten Post, also bleibt dran!

Legende zu den Bildern:

1) Ein Haus in Gion
2) Ein Eingangstor zur Burg Nijo
3) Ein Teil des Parks um Burg Nijo
4) Ein Turm der Burg Nijo
5) Der Goldene Tempel
6) Der Steingarten
7) Unser Zimmer in unserer Herberge in Kyoto
8) Ich mit einer Glocke bei Burg Nijo

Sonntag, März 08, 2009

Japan Episode 1

Die erste Märzwoche haben wir unser Geld zusammengekratzt und sind mit noch zwei weiteren Freunden, Nina und Sönke, die einige Tage zuvor nach Taipei gekommen waren, nach Japan gefahren. Unsere erste Station war Tokyo, wo wir in dem alten Viertel Asakusa in einer niedlichen kleinen Jugendherberge ein Zimmer gemietet hatten. Die Herberge war wirklich nett gemacht, der Gemeinschafstraum war als Tatami-Zimmer mit Sitzkissen gestaltet, sodass gleich ein wenig Japan-Feeling aufkam und auch die Doppelstockbetten in dunklem Holz waren in Ordnung. Da wir am ersten Tag erst relativ spät ankamen, so gegen 8 Uhr abends, unternahmen wir auch nicht mehr viel, schauten uns allerdings ein wenig die Umgegend an, in der wir gleich eine kleine Tempelanlage entdeckten. Leider regnete es und war im Vergleich zu Taiwan SEHR kalt (also so um die 5 Grad), sodass wir uns bald schon wieder in unser kuschelig gewärmtes Zimmer verzogen.
Am nächsten Tag stand dann das Elektronik und Freak-Viertel Akihabara auf unserem Plan, das auch alle unsere Erwartungen an Tokyo erfüllte - es war groß, bunt und voller abstruser Läden, die noch abstrusere Sachen verkauften (siehe auch Fotos). Nachdem wir ein wenig durch das Viertel gebummelt waren, kaufte ich mir im nahegelegenen Buchviertel noch ein Englisch-Japanisch Lexikon, um uns auch sicher durch Japan führen zu können.... naja und natürlich, um es fürs Studium zu benutzen :-)
Als nächstes besuchten wir den im Reiseführer gepriesenen Ueno-Park, der allerdings ein wenig trist war, was vielleicht auch an dem grauen Wetter und den kaum Blätter tragenden Bäumen lag. Das Museum am Ende des Parks zogen wir in Betracht, mussten dann jedoch stattdessen unsere müden Füße in einem Café ausruhen. Wir fuhren danach wieder zurück nach Askusa um uns die am vorigen Tag entdeckte Tempelanlage nochmal im restlichen Tageslicht anzuschauen und entdeckten um die Anlage herum einen riesigen Souvenirmarkt, der für eine Weile unsere Aufmerksamkeit fesselte. Angesichts der überhöhten Preise kauften wir jedoch nur einige Postkarten und ruhten uns noch ein wenig in der Herberge aus, bevor es weiterging nach Roppongi, dem Vergnügungsviertel Tokyos. Roppongi wies einen schönen Ausblick auf den Tokyo-Tower und eine Menge hohe, moderne Wolkenkratzer auf, sowie einige schöne (und auch teure) Bars. Schließlich entdeckten wir einen kleinen, irischen Pub mit relativ erträglichen Preisen, in dem wir es uns für den Rest des Abends gemütlich machten.
Für den folgenden Tag war ein großes Programm geplant: Zuerst der Besuch im Ghibli-Museum, für das man Karten hatte vorbestellen müssen, was Clemens und ich auch getan hatten. Als wir ankamen und dem Mann am Eingang fröhlich unsere Karten entgegenstreckten (die wir natürlich auch schon bezahlt hatten), erwartete uns erstmal ein Schock: Die Frau vom Reisebüro hatte das falsche Datum auf die Karten geschrieben, nämlich das vom Vortag! Nach langer Diskussion auf gebrochenem Japanisch und Englisch, fragte der Mann schließlich seine Chefin, die ein Einsehen mit den weitgereisten Deutschen hatte und uns reinließ. Wenn wir nicht reingekommen wären, wäre das echt ärgerlich gewesen! Da bestellt man die Karten ordnungsegmäß vor und dann das...
Das Ghibli-Museum stellt Skizzen, Zeichnungen und Figuren aus Filmen von Hayao Miyazaki bzw. dem Ghibli-Studio vor, welches animierte Filme sind, die mit unglaublich viel Liebe zum Detail und Fantasie gestaltet sind. Bekannte Filme sind etwa "Mein Nachbar Totoro", "Das wandelnde Schloss" oder "Prinzessin Mononoke". Das Museum selbst ist teilweise den Fantasiewelten in den Filmen nachempfunden und hat wie auch die Filme einen europäischen Touch. Besonders niedlich fand ich die Glasfenster mit Motiven aus den Filmen. Die Räume, in denen Zeichnungen und Skizzen ausgestellt sind, sehen aus wie eine Künstlerwerkstatt, mit Schreibtischen, die den Eindruck machen, als hätten die Zeichner nur kurz ihren Platz verlassen, um etwas essen zu gehen. Sehr liebevoll gemacht. Im Keller des Museums wurde dann noch ein Kurzfilm gezeigt, den es nur im Museum zu sehen gibt. Ein netter Film, leider nur auf Japanisch. Warum an englischen Untertiteln gespart wurde, bleibt in Frage gestellt. Insgesamt war das Museum wirklich einen Besuch wert!
Danach fuhren wir zurück in die Innenstadt (das Museum liegt etwas außerhalb, in einem hübschen Park), wo wir mit meiner japanischen Freundin Yoshiharu (eine Klassenkameradin aus meiner Klasse in Taipei) am riesigen Tokyoter Rathaus verabredet waren. Sie kam leider ein bisschen zu spät, brachte aber ihre Schwester mit und so fuhren wir dann erstmal zu viert auf die Aussichtsplattform des wirklich hohen Rathauses und betrachteten die Riesenstadt Tokyo, deren Stadtgrenzen nichtmal von dem hohen Turm zu sehen waren. Wieder unten angekommen, fuhren wir weiter nach Shinjuku, um uns das glitzernde bunte Nachtleben und die blinkenden Hochhäuser des Stadtteils anzusehen. Wir bummelten ein wenig umher, aßen Ramen (japanische Nudelsuppe) und waren dann alle so müde, dass wir nur noch in die Herberge zurück fahren und schlafen konnten. Tokyo ist wirklich groß!
Am nächsten Tag sollte unsere Reise weitergehen nach Kyoto. Am Tag zuvor hatte meine Freundin Yoshiharu uns noch beim Kauf der Bustickets geholfen, da wir ohne ihre Hilfe in dem riesigen Shinjuku nicht einmal den Busbahnhof gefunden hätten. Dazu bemerkt sei, dass der Bahnhof Shinjuku die meisten Passagiere pro Tag befördert und dementsprechend groß ist. Unsere siebenstündige Busreise begann erst gegen 13 Uhr und so nutzten wir die Zeit davor, im riesigen Shoppingviertel Shibuya noch ein paar Fotos mit der berühmten Hundestatue Hachiko zu machen und uns die Gegend noch ein wenig anzusehen, ehe es mit dem Bus in Richtung Kyoto ging. Eine siebenstündige Fahrt war natürlich nicht unser Ideal, doch leider war es dich günstigste Variante und die Bahnfahrt mit dem tollen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen leider nicht in unserem Budget vorgesehen. Die Sonne schien aus allen Knopflöchern und ohne dass wir es erwartet hätten, tauchte plötzlich der Berg Fuji, der bekannteste Berg Japans und Pilgerort zahlreicher nationaler und internationaler Touristen in unserem Blickfeld auf. Das war wirklich ein glücklicher Zufall, denn den Fuji so klar zu sehen, ist eine echte Seltenheit, da er meisstens von Wolken oder Nebel komplett umhüllt und nicht sichtbar ist. Wie wild verbogen wir uns auf unseren Sitzen, um den Fuji auf ein Foto zu bekommen und es gelang uns trotz der schlafenden Mitreisenden, über die wir uns dafür beugen mussten, erstaunlich gut. Die Busfahrt hatte sich also schonmal gelohnt!
Nebenbei noch eine kleine, seltsame Eigenheit der Japaner... in Japan scheint es als unhöflich und/oder eklig zu gelten, sich vor anderen Leuten die Nase auszuschnupfen. Dieses Problem lösen die Japaner dann auf eine meiner Meinung nach wesentlich ekligere Art: Sie ziehen permanent die Nase hoch. So auch mein freundlicher Sitznachbar, der zum Glück noch durch einen Gang von mir getrennt war. Erst das Aufsetzen von Kopfhörern und das Anschalten meines Mp3 Players bewahrten mich davor. Japaner sind echt seltsam, aber das wissen wir ja...
Wie auch immer, gegen Abend kamen wir in Kyoto an und der Blick auf den Plan des Metro-Netzes am Hauptbahnhof versetzte uns einen Schock: Eine Station kostete über 2 Euro! Es nützte alles nichts, das sowieso schon gebeutelte Portemoinnaie musste gezückt werden. Hatte ich erwähnt, dass Japan ein teures Land ist? Noch schlimmer als in Deutschland und jede Stadt hat noch fünf verschiedene Metro- und Bahnsysteme, für die man alle extra zahlen muss....
Bei der herberhe wurden wir sehr freundlich von einem alten Japaner und seiner jungen Angestellten (die im Gegensatz zu ihm sehr gut Englisch sprach) in ihrem alten japanischen Haus, das zur Herberge umgebaut worden war, empfangen. Sie erklärten uns alles, was wir wissen mussten und so zogen wir in unser gemütliches Tatami-Zimmer mit 4 Futons, die leider sehr hart waren. Dennoch war die japanische Atmosphäre so nett und die Besitzer so freundlich und hilfsbereit, dass wir uns sofort wohlfühlten.
Am nächsten Tag standen wir ein wenig ausgeruhter als vorher auf und machten uns trotz Regen und Schneeregen auf zum Fushimi Inari Fuchsschrein, der mit seinen 1000 rotbemalten Torii (Tore in shintoistischen Schreinen) durch den Film "Die Geisha" bekannt geworden ist. Den mussten wir uns natürlich auf jeden Fall anschauen und natürlich auch durch fast alle Tore wandern (hab nicht gezählt). Leider führte der Weg durch die Tore über einen Berg und die Temperaturen sanken scheinbar immer weiter. Es war jedenfalls schweinekalt und so waren wir froh, dass, nachdem wir in zwei Restaurants nur bösartig beguckt worden waren, ein drittes Restaurant freundliche seine Schiebetür öffnete und wir uns endlich bei einem heißen Getränk aufwärmen konnten. Der Rest des Weges war auch noch recht weit, aber schließlich hatten wir unsere Runde beendet und waren auch ein wenig stolz, ganz oben gewesen zu sein! Riesig freuten wir uns auf unseren nächsten Programmpunkt:
Ein Besuch in einem japanischen Badehaus in der Nähe unserer Herberge. Badehäuser haben in Japan Tradition, früher hatte nicht jeder zu Hause die Möglichkeit, zu baden und so ging man eben gemeinsam ins Badehaus, das natürlich geschlechtergetrennt ist. Das Baden war nach derr anstrengenden Tour in der Kälte wunderbar angenehm und es war so typisch japanisch! Voll von alten Omis, die sich auf ihren kleinen Höckerchen vor den Duchplätzen sitzend, den Rücken mit einem Handtuch rieben und mit entspanntem Gesichtsausdruck in den viel zu heißen Badezubern saßen. Wir (also in dem Fall Nina und ich) setzten uns dazu und zu unserer Überraschung entdeckten wir in dem einen Becken einen elektrisch geladenen Teil, wo man einen kleinen Schlag bekam, sobald man das Wasser berührte! Richtig gruselig, aber die Omis fanden es offenbar super....
Nach dem Bad und noch ein wenig Ausruhen in der Herberge waren wir auch wieder fähig, uns etwas anzuschauen und so machten wir uns auf nach Gion, dem alten Geisha-Viertel Kyotos.

Dazu aber mehr im nächsten Post, sonst wird dieser hier viel zu lang :-)

Legende zu den Bildern:

1) Akihabara
2) Nina in einem Laden in Akihabara mit einem Tintenfischbällchen-Hut auf dem Kopf
3) Tempelmarkt in Asakusa
4) Wir vor dem Ghibli-Museum
5) Nina und ich mit Hachiko
6) DER FUJI!
7) Ein Gebäude im Fushimi Inari Schrein
8) Nina im Gang zwischen den 1000 Toren
9) Gebetstäfelchen im Fushimi Inari Schrein (in Fuchsgesichtsform)

Samstag, Februar 14, 2009

Neujahrsessen, Kriegsverletzungen und Himmelslaternen

Unter Umständen mag der Titel dieses Posts zunächst ein wenig verwundern, aber Geduld. Verständnis wird folgen :-)
Eine Legende zu den einzelnen Bildern findet ihr am Ende des
Posts.

Vor einigen Wochen begann nach dem Bauernkalender oder auch Mondkalender das neue Jahr und zwar das des Ochsen. Da der Ochse für Durchhaltewillen und Beharrlichkeit steht, hoffen alle, die Wirtschaftskrise dieses Jahr durchzustehen, auf dass es endlich mal wieder bergauf geht. Alles Negative soll der Ochse ins Gute verkehren, was durch den Spruch 牛轉乾坤 (Wörtlich etwa: "Der Ochse kehrt Himmel und Erde um". Das Wort für "Ochse" wird genauso ausgesprochen wie das für "umkehren", es ist also eine Art Wortspiel) zum Ausdruck gebracht wird.
Das Chinesische Neujahr oder auch Frühlingsfest ist für die Chinesen und Taiwaner von der Bedeutung her das, was für uns Weihnachten ist und erinnert ein bisschen an eine Mischung aus Weihnachten und Silvester: Ein Fest, bei dem die ganze Familie zusammenkommt, den ganzen Abend über von einem reich gedeckten Tisch isst und mit viel Lärm und Böllern das neue Jahr begrüßt. Außerdem bekommen die jüngeren Familienmitglieder von der älteren Generation Geld in roten Umschlägen, welche natürlich glückbringende Summen enthalten müssen (etwa Beträge, die eine 6 oder eine 8 enthalten, da das glückverheißende Zahlen sind).
Zu essen gibt es dann natürlich nicht irgendwas, sondern Gerichte, deren Name ähnlich ausgesprochen wird wie positive oder glückverheißende Wörter. Sehr beliebt ist dabei Fisch (魚, wird wie "ü" gelesen), welcher so ähnlich klingt wie das Wort für Überfluss (餘, wird ebenfalls wie "ü" gelesen). Wenn man zu Neujahr Fisch isst, hofft man also auf Überfluss im nächsten Jahr. Viele dieser Traditionen stammen aus einer bäuerlichen Gesellschaft, wo eine reichhaltige Ernte das Überleben der Familie sicherte und man somit eben auf Überfluss hoffte.

Clemens und ich hatten das Glück, den Vorabend des Chinesischen Neujahrs (also sozusagen "Chinesisches Silvester") bei der Familie unseres guten Freundes Shengjie zu feiern, dessen Oma väterlicherseits in ihrem Haus in Taoyuan das Essen ausrichtete. Die ganze Familie war sehr erfreut, dass wir gekommen waren und schenkte uns sogar die oben erwähnten roten Umschläge, auf die Shengjies Vater in Schönschrift einige Neujahrswünsche geschrieben hatte. Auch eine japanische Freundin von mir, die wir noch mitbrachten, wurde freundlich in die Runde aufgenommen. Nach einigen typischen Fragen nach unserem Herkunftsort, unserer Uni, wie lange wir schon in Taiwan sind usw. ging es dann an den mit taiwanischen Spezialitäten gefüllten Tisch in der Küche. Die Oma war ein wenig schüchtern und traute sich kaum, uns anzusprechen, freute sich aber dennoch sichtlich über den weit gereisten Besuch aus Deutschland und Japan. Das Essen war lecker, leider waren das meiste kalte Gerichte, was nicht so sehr mein Fall war. Doch vor allem das Hühnchen und die Gans waren sehr lecker. Traditionell wurde alle paar Minuten mit einem alkoholischen Getränk (in unserem Fall war es Rotwein) angestoßen, vor allem, wenn man gerade dabei war, etwas zu essen (kam mir zumindest so vor....). Es brauchte nur ein Familienmitglied aus einem anderen Raum in die Küche kommen oder jemand plötzlich den Becher heben und schon mussten alle mit einem fröhlichen "Frohes Neues Jahr!" einige Schlucke nehmen. Nachdem wir alle gut gefüllt waren, ging es ins Wohnzimmer, wo der Tisch sich mittlerweile vor allerlei Süßigkeiten und Früchten bog, von denen wir natürlich probieren mussten. Jeder Einzelne kam an und bot uns etwas zu essen an und obwohl wir schon vollkommen satt waren, wurde weiter gegessen und weiter nach noch mehr Essen gesucht, um es den ausländischen Gästen anzubieten. Der Wein hatte mich leider ein wenig müde gemacht, aber die Atmosphäre war sehr nett und gipfelte dann im nur an Neujahr erlaubten Glücksspiel mit Würfeln. Man musste mit einem lautstarken "Schippalla" (heißt wohl soviel wie "toi toi toi") eine Handvoll Würfel in eine Schüssel werfen und damit eine höhere Augenzahl erreichen als der Dealer, dann erhielt man vom Dealer (meist ein Onkel oder eine Tante mit Geld) den Einsatz verdoppelt. Bei einer niedrigeren Augenzahl verlor man den Einsatz (meist ca. 2 Euro).
Somit hofften also immer alle auf eine besonders niedrige Augenzahl des Dealers :-)
Clemens und ich gewannen sogar jeder etwa 5 Euro, da wir zum richtigen Zeitpunkt aufhörten. Sehr lustig und vor allem sehr 熱鬧 (laut und lebhaft)!
Nach dem Glücksspiel wurden weiter Früchte und Süßes gegessen, ehe es dann raus ging zum Böllern. Zum Chinesischen Neujahr wird den ganzen Tag über geböllert und es ist nicht so, dass um 12 Uhr alle auf einmal loslegen, es verteilt sich eher über den Tag. Dennoch machte es Spaß und es war auf jeden Fall ein Erlebnis, ein richtiges taiwanisches Neujahrsfest mitzuerleben!

Danach hatten wir ausnahmsweise mal eine Woche Ferien, die wir hauptsächlich mit Erholung verbrachten. Einige Tage später ging es dann noch zum von Shengjies Familie organisierten Ausflug zum Paintball, bei dem man in Armeekleidung und Helm mit Waffen auf einem dafür vorgesehenen Gelände Farbkugeln aufeinander schießt und Krieg spielt. Eigentlich nicht so mein Ding, aber ich wollte auch nicht den ganzen Tag alleine zu Hause sitzen und so kam ich auch mit. Shengjie holte uns morgens mit dem Auto ab und nach einer ganzen Weile erreichten wir denn etwas außerhalb Taipehs gelegenen Paintball-Platz. Dort wurden uns zunächst erstmal die Regeln und Sicherheitsvorkehrungen erklärt, ehe es dann losging zum ersten Gelände. Meine Schutzbrille war leider so beschlagen, dass ich kaum etwas sah und somit wohl auch niemanden mit meinen wild in die Gegend geschossenen Kugeln traf. Ich wurde wenigstens auch nicht getroffen. Beim zweiten Gelände saß ich gut versteckt hinter einem Busch und konnte einige Treffer auf Shengjies Schwester landen, allerdings wurde auch mein Arm getroffen, was schon ziemlich schmerzhaft war. Schon bald bildete sich auch eine runde Schwellung in Form des Paintballs. Na danke....
Nachdem wir noch die dritte Runde abgeschlossen hatten, ging es zum Umziehen und zu einem großen Essen in einem nahegelegenen Restaurant, zu dem uns einer der Onkels netterweise einlud. Es wurde Fisch in fünf verschiedenen Zubereitungsarten serviert, die wirklich alle außerordentlich lecker waren (besonders der süß-saure und der frittierte)!! Ein regelrechtes Festmahl. Nach dem ausgiebigen Essen (merkt man meinem Bericht schon an, dass es den Taiwanern zu Neujahr fast ausschließlich ums Essen geht? :-)) ging es wieder nach Hause und Clemens und ich waren beide froh uns nach dem anstrengenden Tag endlich ein wenig ausruhen zu können.

Das nächste Neujahrsereignis waren zwei Wochen später die Himmelslaternen von Pingxi. Pingxi ist ein Dorf in den Bergen unweit von Taipeh, wo die sogenannten Himmelslaternen eine lange Tradition haben. In früheren Zeiten mussten sich die Dorfbewohner häufig vor Angreifern in den Bergen verstecken und wenn dann die Gefahr vorüber war, ließen die im Dorf gebliebenen Bewohner Laternen in die Luft, um den anderen zu signalisieren, dass es sicher ist, wieder ins Dorf zurück zu kommen. Angreifer gibt es heute zum Glück in Pingxi nicht mehr, aber die Tradition der Laternen hat sich bis heute gehalten, sodass am 15. Tag des ersten Mondmonats, zum Laternenfest, von überall her Leute nach Pingxi kommen, um sich die Himmelslaternen anzusehen und auch selbst welche in die Luft zu lassen.
Freundlicherweise hatte die Uni einen kostenlosen Bus-Shuttle nach Pingxi organisiert, für den man sich nur rechtzeitig registrieren musste. Pünktlich um 14:30 an einem Samstag ging es los. Die Fahrt nach Pingxi dauerte etwas länger als eine Stunde, die mit einigen Crackern und MP3 Player ziemlich schnell verging. In Pingxi angekommen, regnete es leider und leider war es wie erwartet MEGAVOLL. Menschenmassen ohne Ende und die auch noch alle mit Regenschirm. Ein Riesenspaß. Erstmal wurde der spätere Treffpunkt geklärt, dann ging es los, den Markt und die Gegend erkunden. Clemens und ich kauften uns erst mal einen Gemüsewrap und jeder einen Bergschweinfleisch-Spieß, um unseren Hunger zu stillen. Die Bergschweinspieße waren so lecker, dass wir uns am nächsten Stand gleich noch einen besorgten und uns weiter durch das Getümmel drängten. Auf dem Weg sahen wir mehrmals Menschengruppen, die die ersten Himmelslaternen mit Neujahrswünschen beschriftet, in die Luft ließen, doch die unglaubliche Menge an Menschen um die Verkaufsstände und auf den Wegen hielt uns davon ab, ebenfalls zu zweit eine Laterne zu starten. Die Laternen sind nämlich mehr als einen Meter hoch, aus Papier auf einem Drahtgestell und müssen von mindestens zwei Personen gehalten werden, während eine dritte Person ein in Öl getränktes Papier am unteren Ende der Laterne anzündet, so dass diese, einem Heißluftballon gleich, in die Luft steigt. Vorher schreiben natürlich noch alle schnell gute Wünsche fürs Neue Jahr auf die Laterne, damit diese beim Aufsteigen hoffentlich auch in Erfüllung gehen. Eine wirklich nette Tradition und je näher der Abend rückte, umso mehr Laternen wurden in die Luft gelassen, die im Dunkeln natürlich leuchteten und somit noch um einiges schöner aussahen, als im grauen Tageslicht des Regentages.
Der Ort Pingxi an sich war auch sehr schön. In den Bergen gelegen, geht es über kopfsteingepflasterte Wege zwischen alten, kleinen Häuschen durch enge Gassen auf und ab. Eine kleiner Fluss, der durch das Dorf fließt und eine alte Eisenbahn, die an dem Tag über eine ebenso alte Eisenbahnbrücke Massen von neuen Touristen nach Pingxi brachte, runden das Bild des kleinen, traditionellen Bergdorfes ab. Ohne die Menschenmassen ist es sicher ein sehr friedlicher und angenehmer Ort, sodass Clemens und ich uns gleich vornahmen, Pingxi in Zukunft auf jeden Fall noch einen weiteren Besuch abzustatten. Gegen Abend wurde die Menge von Menschen immer undurchdringlicher und alle drängten sich in Richtung Pingxi Highschool, wo gegen Abend verschiedene Studentengruppen aus Taipei und Umgebung Himmelslaternen in großer Zahl steigen ließen. Es regnete immer stärker, doch dank vorher gekauftem Plastik-Regencape waren Clemens und ich gut geschützt und die vielen auf einemal in den Himmel steigenden Laternen waren wirklich ein einmaliges Bild! Am Ende durften wir auch noch in kleinen Gruppen selbst Laternen steigen lassen, ehe es in großem Gedränge zum Busparkplatz zurück ging. Die Uni war auf alles vorbereitet und so war jedem Bus ein Buchstabe zugeteilt worden, den eine Mitarbeiterin der Uni auf einem blinkenden Schild vor sich hertrug und die kleinen Gruppen zurück führte, sodass keiner der Studenten Gefahr lief, den Bus nicht mehr zu finden. Wirklich gut durchdacht! Wir orientierten uns also an dem blinkenden "G" vor uns, warteten mit müden Füßen noch eine Weile, eh unser Bus dann endlich kam und uns wieder zurück nach Taipei brachte. Die Mengen von öffentlichen Bussen, in denen die Menschen aneinandergedrückt standen, erinnerte uns ein weiteres Mal daran, dass wir gut daran getan hatten, uns für den von der Uni organisierten Ausflug anzumelden. Im gemütlichen Reisebus ging es also wieder nach Taipeh. Einziger Wermutstropfen war eine im Bus installierte Karaoke-Anlage, die leider nur von Mitstudenten mit eher geringem gesanglichem Talent genutzt wurde, dafür aber umso lauter. Trotz der wirklich schönen Eindrücke von dem Laternenfest, waren wir am Ende des Abends dann doch sehr froh, nach Hause zu kommen.

Unsere letzte Neujahrs-Aktivität war dann heute noch ein Besuch der Laternenausstellung auf dem Platz vor der Sun-Yatsen Memorial Hall, wo viele verschiedene Laternen, hauptsächlich natürlich in Form eines Ochsen und in allen möglichen bunten Farben ausgestellt waren. Einige waren wirklich sehr schön, aber auch dort war es leider sehr voll. Na ja, das lässt sich hier leider nie ganz vermeiden.

Ich denke, dass wir dieses Jahr zum Chinesisches Neujahr wirklich viel erlebt haben und es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, einmal bei den ganzen traditionellen Festen hautnah dabei zu sein! Bis heute, dem letzten Tag der Feierlichkeiten, hört man nicht selten draußen lautes Geknalle, mit dem die Leute ihren Wunsch nach Glück und guten Geschäften im neuen Jahr zum Ausdruck bringen. Je länger es knallt, umso glückverheißender und so hat man häufig den Eindruck, es wird gerade ein Gebäude in der Nachbarschaft gesprengt, obwohl es doch nur eine länger Piepmantscherkette ist. Clemens und ich konnten uns es natürlich auch nicht nehmen lassen, während der Neujahrsferien auch mal eine Tüte Knaller zu kaufen, die wir im Park am Fluß zusammen mit vielen anderen Leuten hochgingen ließen, um das neue Jahr zu begrüßen.

Auch den mit hunderten von gelben Laternen geschmückten Longshan-Tempel besuchten wir noch einmal und gingen wie alle anderen unter den ochsenförmigen Laternen hindurch, um Glück im neuen Jahr zu haben.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern ein frohes und glückverheißendes neues Jahr des Ochsen!!!

Legende zu den Bildern:

Bild 1) Eine große Laterne beim Longshan-Tempel, unter der man durchgehen konnte, um Glück im neuen Jahr zu haben.
Bild 2) Bei Shengjies Oma mit seiner Schwester und meiner japanischen Freundin Yoshiharu
Bild 3) Neujahrsdekorationen in der Luxus-Shopping-Gegend um Taipeh 101
Bild 4) Das Dorf Pingxi
Bild 5) Clemens, Shengjie und ich bei Shengjies Oma
Bild 6) Blick auf die Berge um Pingxi
Bild 7) Die Himmelslaternen von Pingxi
Bild 8) Menschengedränge in Pingxi
Bild 9) Die alte Eisenbahn in Pingxi
Bild 10) Die Leuchtbuchstabend der Uni-Mitarbeiter
Bild 11) Laternendekorationen am Longshan-Tempel

Montag, Januar 19, 2009

Heiße Quellen und schöne Natur

Ja, ich weiß, lange nichts mehr geschrieben... aber irgendwie bin ich, wenn ich von der Uni komme, auch froh, wenn ich mich ausruhen kann. Das ewige Vokabelnlernen und Lehrbuch anschauen schlaucht einen auf Dauer doch irgendwie, auch wenn es, verglichen mit dem Lernpensum an der Uni Hamburg noch vergleichbar wenig ist. Aber es ist eben auch wenig Abwechslung und man hat nie mehr als ein paar Tage frei, was irgendwie nicht so richtig zum Batterie-Aufladen reicht. Von daher geht die Motivation dann doch langsam ein bisschen verloren. Ich hoffe, dass es besser wird, wenn ich einen Literatur-Kurs wähle im nächsten Semester, dann hat man mal wieder was anderes als immer nur Lehrbuch.
So, aber eigentlich wollte ich was über unsere letzten beiden größeren Ausflüge schreiben. Direkt nach Silvester, wo wir dank Unterricht bis zum 31. 12. uns zu nicht viel mehr durchringen konnten, als das Feuerwerk auf dem Taipei 101 anzusehen, gönnten wir uns an Neujahr einen Tag Ruhe und am 2. Januar ein bisschen Erholung und zwar in den heißen Quellen von Xinbeitou (sprich: Hsin-bey-tou). Wir dachten uns, wenn schon Entspannung, dann richtig und so entschlossen wir uns dazu, anstatt uns mit dutzenden von Taiwanern und dicken Ausländern in den öffentlichen heißen Quellen zu tummeln, einen privaten "Heiße-Quellen-Raum" in einem Hotel zu mieten. Dieser war zwar ein bisschen teurer, bot dafür aber ausreichend Luxus für ein entspanntes Bad. Trotz der Menge an reichen Bonzen-Familien, die sich offensichtlich über Neujahr in dem Hotel einbuchen wollten (ja ok ich bin ja schon ein bisschen neidisch), kamen wir relativ bald dran und wurden zu einem Raum geführt, in dem es neben der obligatorischen steinernen Wanne mit drei Wasserhähnen (heißes, kaltes und Heiße-Quellen-Wasser) noch einen Tisch, einen weiteren Schminktisch mit großem Spiegel und frischen, weißen Handtüchern, sowie eine Dusche mit Höckerchen gab. Wir hatten den Raum für eine Stunde gemietet, was gerade reichte, um den empfohlenen Badegang durchzuführen. Den hatten wir uns im Internet vorher angesehen, denn in den heißen Quellen baden will gelernt sein. Ähnlich wie bei einer Kneipp-Kur geht man zunächst in nicht ganz so heißes Wasser (ca. 37 Grad) für einige Minuten, dann geht man wieder raus, um sich ein wenig abzukühlen. Beim nächsten Gang wird das Wasser ein wenig heißer gemacht und wieder geht man langsam rein und nach einigen Minuten wieder raus. Das kann man dann mehrmals hintereinander machen, ehe man sich duscht und wieder anzieht. In der Badewannee schwimmt dann noch ein kleiner hölzerner Waschbottich, mit dem man sich das heiße Wasser über die Schultern gießen kann, denn mit dem ganzen Körper in das Wasser gehen ist nur sehr kurzfristig auszuhalten und auch nicht so gesund, denn das Wasser ist schon sehr heiß. Das Ganze ist dann entspannend für Körper und Geist und hilfreich bei Kreislaufproblemen. Falls ihr euch für mehr Details zum Baden in heißen Quellen interessiert, könnt ihr die ganze Prozedur hier nachlesen (auf Englisch). Mehr über Xinbeitou bzw. Beitou (Xinbeitou scheint ein Vorort von Beitou zu sein) und die heißen Quellen dort könnt ihr in diesem Artikel der China Post nachlesen. Die Besonderheit der Quellen in Xinbeitou ist, dass es Schwefelquellen sind, deren Wasser ein wenig trüb ist und eben nach Schwefel riecht. In den Quellen, in denen man badet, ist der Geruch natürlich sehr schwach, aber an manchen Orten in Xinbeitou riecht es schon ziemlich stark nach Schwefel. Noch mehr über Xinbeitou habe ich über unseren ersten Besuch dort in diesem Post geschrieben :-)



Nach dem Bad in den Quellen fühlten wir uns sehr entspannt und gingen erstmal in einem nahe gelegenen Sushi-Express gemütlich Sushi essen, das auf einem Band vor uns vorbeilief.
Sehr angenehmer Tag und noch dazu bei strahlendem Sonnenschein! Nach dem Tag fiel der ganze Unistress erstmal für eine Weile von uns ab. An dem Wochenende kam auch noch Shengjie nach Taipei, sodass wir mal wieder eine gute Gelegenheit hatten, abends wegzugehen. Wieder aßen wir Sushi, diesmal jedoch in einem etwas teureren und exklusiveren Restaurant, wo wir uns auch nicht komplett satt aßen, da das dann doch unser Budget gesprengt hätte.... lecker war's aber und man konnte den Köchen noch direkt bei der Arbeit zusehen, wirklich nett! Danach sahen wir uns noch im nahe gelegenen Breeze Center (ein Einkaufszentrum) die große Auswahl an ausländischen Biersorten an, von denen Shengjie uns erählt hatte, kauften einige überteuerte westliche Lebensmittel (Birnensaft!!! Von Granini!!! Er war so lecker....) und dann war unser schönes viertägiges Wochenende auch schon wieder vorbei :-( Hatte ich eigentlich erwähnt, dass sich die taiwanische Regierung ausgedacht hat, dass wir den einen Brückentag in der Uni nachholen mussten, sprich, 10 Tage lange 10 Minuten länger Unterricht machen, um die "verlorenen" 90 Minuten des einen freien Tages aufzuholen? Andernfalls hätten wir nämlich (das war ursprünglich die tolle Idee der Regierung) einen Samstag im Januar zur Uni kommen müssen, um eben jene 90 Minuten nachzuholen. Die spinnen echt in der Regierung.... denken sich auch dauernd neuen Scheiß aus, um die ausländischen Studenten zu schikanieren. Na ja. Wo war ich? Ach ja.


Unser zweiter netter Ausflug der letzten Zeit war gerade gestern. Schönes Wetter und dazu noch an einem Sonntag, das mussten wir doch mal wieder für einen Ausflug in die Umegegend Taipeis nutzen. Und so entschieden wir uns für Wulai (sprich: U-lai), ein Ort, den ich noch von meinem ersten Aufenthalt hier kannte und der neben einem kleinen Dorf, das fast ausschließlich aus Souvenirläden und Restaurants besteht, eine sehr schöne Landschaft aufweist. Wulai liegt nämlich in den Bergen und schon allein die ruckelige Hinfahrt mit dem Bus von der MRT Station Xindian aus bietet einem wirklich schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge, die in der Ferne vom Dunst immer heller werden, einen See mit grünem Wasser und den in den See mündenden Bergfluss, der auch durch Wulai selbst fließt. In Wulai kann man dann mit einer Mini-Bergbahn für Touristen einige Minuten den Berg hochfahren und direkt vor einem Wasserfall aussteigen, der schön ist und trotz seiner geringen Größe zur Touristenattraktion gemacht wurde (sprich Souvenirstände und Restaurants wo man hinsieht). Die ersten Kirschblüten fingen schon an zu blühen und boten somit ein paar hübsche Fotomotive von dem Wasserfall. Ich vergaß zu erwähnen, dass es in Wulai eine ethnische Minderheit gibt, die Atayal, deren Kunsthandwerk und traditionelle Kleidung u.ä. in den Souvenirläden verkauft wird und deren Mosaike und Schnitzereien an vielen Brücken in und um Wulai zu sehen sind. Clemens war fast versucht, einen Morgenmantel in Atayal-Farben (hauptächlich rot) zu kaufen, konnte sich dann aber doch nicht wirklich entscheiden und so gingen wir weiter zu einem Park, der in einer Karte, die wir im Tourismus-Center in Xindian noch in die Hand gedrückt bekamen, als schön beschrieben wurde. Leider führte bloß eine Autostraße mit einem sehr schmalen Fußweg direkt am Berghang dorthin und da die Karte nur schematisch war, waren wir uns über die Entfernung nicht ganz sicher. Frohen Mutes wanderten wir trotzdem erstmal los und zu unserer Erleichterung sagte eine Passantin, bei der wir uns erkundigten, dass es wirklich nicht mehr weit sei. Der Park war eigentlich mehr ein Weg für Fußgänger, der jedoch an einigen schönen Wasserfällen entlangführte und schöne Aussichten auf die umliegenden Berge und den Fluß im Tal bot. Allein die Brücke über das nicht gerade flache Flußtal zu dem Park, der auf der anderen Seite war, war sehr sehenswert.
Am Ende des Parks erreichten wir, wie auf der Karte beschrieben, einen kleinen Ort, von wo aus wir hofften, ein Taxi zurück nehmen zu können, da es langsam spät wurde und wir den ganzen Weg nicht nochmal zurück gehen wollten. Leider war der Ort aber so klein, dass es neben einer Schule, einigen Wohnhäusern, einem Restaurant und einem Gemischtwarenladen nicht viel gab und vor allem keine Taxis (außer ein, zwei schon besetzte). Ratlos fragten wir einige Menschen vor dem Laden nach einem Taxi und ein betrunkener Rollerfahrer wies auf einen Mann, der neben einem Auto stand: "Mein Kumpel hier nimmt euch mit, der fährt eh runter". Alleine wäre ich bestimmt nicht bei einem fremden Mann m Jogginganzug in dessen einigermaßen teuer aussehenden Auto mitgefahren, aber da Clemens dabei war, stiegen wir dankbar in das Auto ein und konnten während der Fahrt den Schlangenlinien fahrenden Rollerfahrer beobachten, zu dem unser Fahrer nur trocken bemerkte "es ist erstaunlich, der trinkt immer so viel, aber fällt trotzdem beim Fahren nicht um". Weiterhin erzählte er uns noch, dass er von den Atayal ist, die hier wohnen und dass die Kirschblüten im Februar und März viel schöner seien und er uns zu einem Ort mit besonders schönen Kirschblüten bringen würde, wenn wir nochmal nach Wulai kämen. Wirklich nett!! Ein Glück, dass wir den gerade getroffen hatten... In Wulai angekommen, gab er uns noch seine Nummer und seinen Namen und meinte, wir sollten in auf jeden Fall anrufen, wenn wir nochmal kommen und wenn er Zeit hätte, würde er uns ein wenig die Gegend zeigen. Wir verabschiedeten uns dankbar, kauften uns noch etwas zu essen und zu trinken und warteten auf den Bus für die Rückfahrt. Mittlerweile waren wir beide sehr müde und geschafft und froh, nach der insgesamt einstündigen Fahrt wieder zu Hause zu sein. Wir schafften es gerade noch, einen halben und einen Spielfilm zu gucken und eine Nudelsuppe zu essen, ehe wir ins Bett fielen.

Oh und was auch noch erwähnenswert ist: Am Samstag waren wir in Wufenpu (sprich: u-fönn-puh), einem riesigen Klamottenmarkt, der auch gleichzeitig eine Art Klamotten-Großhandel für sämtliche Händler ist, die auf den Nachtmärkten Taipeis Klamotten verkaufen. Wirklich groß und teilweise um einiges günstiger als auf den Nachtmärkten, die ja auch schon recht günstig sind. Clemens und ich fühlten uns schon nach wenigen Minuten reizüberflutet, schafften es aber dennoch, uns mit günstigen Klamotten einzudecken, in meinem Fall unter anderem eine langersehnte Röhrenjeans in hellem Lila (auf einigen der Fotos zu sehen), die sogar tatsächlich passte! Das freute mich sehr, denn da man die Sachen dort nicht anprobieren kann, hätte ich sie sonst ganz umsonst gekauft gehabt. Wenn die neuen Sommersachen kommen, muss ich da auf jeden Fall nochmal hin *irres Glänzen in den Augen*. Erfreulicherweise gab es dort endlich auch mal eine ansehnliche Anzahl an Läden, die Männermode verkaufen, sodass auch Clemens sich nicht langweilen musste. Auf vielen Nachtmärkten ist Männermode nämlich wirklich rar, weil Mädchen wohl einfach die lohnenswerteren Kunden für Kleidung sind....

So. Das war's erstmal für heute. Schreibt mir Kommentare :-)
(Ja, auch ihr, Eltern....seid nicht so faul...man muss nur einmal auf "Kommentare" klicken und schon geht es....los....traut euch....)

ps: Die Fotos sind alle aus Wulai, das erste oben links zeigt den berühmten Wasserfall mit ein paar Kirschblüten davor, das zweite mich auf der oben erwähnten Brücke über das Flusstal, das dritte den Blick aus der kleinen Touristen-Bergbahn, das vierte den sehr interessanten Namen von einem der Wasserfälle, auf dem danach stehe ich einfach auf einer Treppe im Ort Wulai (als Reminiszenz an meinen ersten Besuch dort, wo ein ähnliches Foto entstand) und danach folgen noch drei Ansichten von Wulais schöner Landschaft.