Samstag, Februar 14, 2009

Neujahrsessen, Kriegsverletzungen und Himmelslaternen

Unter Umständen mag der Titel dieses Posts zunächst ein wenig verwundern, aber Geduld. Verständnis wird folgen :-)
Eine Legende zu den einzelnen Bildern findet ihr am Ende des
Posts.

Vor einigen Wochen begann nach dem Bauernkalender oder auch Mondkalender das neue Jahr und zwar das des Ochsen. Da der Ochse für Durchhaltewillen und Beharrlichkeit steht, hoffen alle, die Wirtschaftskrise dieses Jahr durchzustehen, auf dass es endlich mal wieder bergauf geht. Alles Negative soll der Ochse ins Gute verkehren, was durch den Spruch 牛轉乾坤 (Wörtlich etwa: "Der Ochse kehrt Himmel und Erde um". Das Wort für "Ochse" wird genauso ausgesprochen wie das für "umkehren", es ist also eine Art Wortspiel) zum Ausdruck gebracht wird.
Das Chinesische Neujahr oder auch Frühlingsfest ist für die Chinesen und Taiwaner von der Bedeutung her das, was für uns Weihnachten ist und erinnert ein bisschen an eine Mischung aus Weihnachten und Silvester: Ein Fest, bei dem die ganze Familie zusammenkommt, den ganzen Abend über von einem reich gedeckten Tisch isst und mit viel Lärm und Böllern das neue Jahr begrüßt. Außerdem bekommen die jüngeren Familienmitglieder von der älteren Generation Geld in roten Umschlägen, welche natürlich glückbringende Summen enthalten müssen (etwa Beträge, die eine 6 oder eine 8 enthalten, da das glückverheißende Zahlen sind).
Zu essen gibt es dann natürlich nicht irgendwas, sondern Gerichte, deren Name ähnlich ausgesprochen wird wie positive oder glückverheißende Wörter. Sehr beliebt ist dabei Fisch (魚, wird wie "ü" gelesen), welcher so ähnlich klingt wie das Wort für Überfluss (餘, wird ebenfalls wie "ü" gelesen). Wenn man zu Neujahr Fisch isst, hofft man also auf Überfluss im nächsten Jahr. Viele dieser Traditionen stammen aus einer bäuerlichen Gesellschaft, wo eine reichhaltige Ernte das Überleben der Familie sicherte und man somit eben auf Überfluss hoffte.

Clemens und ich hatten das Glück, den Vorabend des Chinesischen Neujahrs (also sozusagen "Chinesisches Silvester") bei der Familie unseres guten Freundes Shengjie zu feiern, dessen Oma väterlicherseits in ihrem Haus in Taoyuan das Essen ausrichtete. Die ganze Familie war sehr erfreut, dass wir gekommen waren und schenkte uns sogar die oben erwähnten roten Umschläge, auf die Shengjies Vater in Schönschrift einige Neujahrswünsche geschrieben hatte. Auch eine japanische Freundin von mir, die wir noch mitbrachten, wurde freundlich in die Runde aufgenommen. Nach einigen typischen Fragen nach unserem Herkunftsort, unserer Uni, wie lange wir schon in Taiwan sind usw. ging es dann an den mit taiwanischen Spezialitäten gefüllten Tisch in der Küche. Die Oma war ein wenig schüchtern und traute sich kaum, uns anzusprechen, freute sich aber dennoch sichtlich über den weit gereisten Besuch aus Deutschland und Japan. Das Essen war lecker, leider waren das meiste kalte Gerichte, was nicht so sehr mein Fall war. Doch vor allem das Hühnchen und die Gans waren sehr lecker. Traditionell wurde alle paar Minuten mit einem alkoholischen Getränk (in unserem Fall war es Rotwein) angestoßen, vor allem, wenn man gerade dabei war, etwas zu essen (kam mir zumindest so vor....). Es brauchte nur ein Familienmitglied aus einem anderen Raum in die Küche kommen oder jemand plötzlich den Becher heben und schon mussten alle mit einem fröhlichen "Frohes Neues Jahr!" einige Schlucke nehmen. Nachdem wir alle gut gefüllt waren, ging es ins Wohnzimmer, wo der Tisch sich mittlerweile vor allerlei Süßigkeiten und Früchten bog, von denen wir natürlich probieren mussten. Jeder Einzelne kam an und bot uns etwas zu essen an und obwohl wir schon vollkommen satt waren, wurde weiter gegessen und weiter nach noch mehr Essen gesucht, um es den ausländischen Gästen anzubieten. Der Wein hatte mich leider ein wenig müde gemacht, aber die Atmosphäre war sehr nett und gipfelte dann im nur an Neujahr erlaubten Glücksspiel mit Würfeln. Man musste mit einem lautstarken "Schippalla" (heißt wohl soviel wie "toi toi toi") eine Handvoll Würfel in eine Schüssel werfen und damit eine höhere Augenzahl erreichen als der Dealer, dann erhielt man vom Dealer (meist ein Onkel oder eine Tante mit Geld) den Einsatz verdoppelt. Bei einer niedrigeren Augenzahl verlor man den Einsatz (meist ca. 2 Euro).
Somit hofften also immer alle auf eine besonders niedrige Augenzahl des Dealers :-)
Clemens und ich gewannen sogar jeder etwa 5 Euro, da wir zum richtigen Zeitpunkt aufhörten. Sehr lustig und vor allem sehr 熱鬧 (laut und lebhaft)!
Nach dem Glücksspiel wurden weiter Früchte und Süßes gegessen, ehe es dann raus ging zum Böllern. Zum Chinesischen Neujahr wird den ganzen Tag über geböllert und es ist nicht so, dass um 12 Uhr alle auf einmal loslegen, es verteilt sich eher über den Tag. Dennoch machte es Spaß und es war auf jeden Fall ein Erlebnis, ein richtiges taiwanisches Neujahrsfest mitzuerleben!

Danach hatten wir ausnahmsweise mal eine Woche Ferien, die wir hauptsächlich mit Erholung verbrachten. Einige Tage später ging es dann noch zum von Shengjies Familie organisierten Ausflug zum Paintball, bei dem man in Armeekleidung und Helm mit Waffen auf einem dafür vorgesehenen Gelände Farbkugeln aufeinander schießt und Krieg spielt. Eigentlich nicht so mein Ding, aber ich wollte auch nicht den ganzen Tag alleine zu Hause sitzen und so kam ich auch mit. Shengjie holte uns morgens mit dem Auto ab und nach einer ganzen Weile erreichten wir denn etwas außerhalb Taipehs gelegenen Paintball-Platz. Dort wurden uns zunächst erstmal die Regeln und Sicherheitsvorkehrungen erklärt, ehe es dann losging zum ersten Gelände. Meine Schutzbrille war leider so beschlagen, dass ich kaum etwas sah und somit wohl auch niemanden mit meinen wild in die Gegend geschossenen Kugeln traf. Ich wurde wenigstens auch nicht getroffen. Beim zweiten Gelände saß ich gut versteckt hinter einem Busch und konnte einige Treffer auf Shengjies Schwester landen, allerdings wurde auch mein Arm getroffen, was schon ziemlich schmerzhaft war. Schon bald bildete sich auch eine runde Schwellung in Form des Paintballs. Na danke....
Nachdem wir noch die dritte Runde abgeschlossen hatten, ging es zum Umziehen und zu einem großen Essen in einem nahegelegenen Restaurant, zu dem uns einer der Onkels netterweise einlud. Es wurde Fisch in fünf verschiedenen Zubereitungsarten serviert, die wirklich alle außerordentlich lecker waren (besonders der süß-saure und der frittierte)!! Ein regelrechtes Festmahl. Nach dem ausgiebigen Essen (merkt man meinem Bericht schon an, dass es den Taiwanern zu Neujahr fast ausschließlich ums Essen geht? :-)) ging es wieder nach Hause und Clemens und ich waren beide froh uns nach dem anstrengenden Tag endlich ein wenig ausruhen zu können.

Das nächste Neujahrsereignis waren zwei Wochen später die Himmelslaternen von Pingxi. Pingxi ist ein Dorf in den Bergen unweit von Taipeh, wo die sogenannten Himmelslaternen eine lange Tradition haben. In früheren Zeiten mussten sich die Dorfbewohner häufig vor Angreifern in den Bergen verstecken und wenn dann die Gefahr vorüber war, ließen die im Dorf gebliebenen Bewohner Laternen in die Luft, um den anderen zu signalisieren, dass es sicher ist, wieder ins Dorf zurück zu kommen. Angreifer gibt es heute zum Glück in Pingxi nicht mehr, aber die Tradition der Laternen hat sich bis heute gehalten, sodass am 15. Tag des ersten Mondmonats, zum Laternenfest, von überall her Leute nach Pingxi kommen, um sich die Himmelslaternen anzusehen und auch selbst welche in die Luft zu lassen.
Freundlicherweise hatte die Uni einen kostenlosen Bus-Shuttle nach Pingxi organisiert, für den man sich nur rechtzeitig registrieren musste. Pünktlich um 14:30 an einem Samstag ging es los. Die Fahrt nach Pingxi dauerte etwas länger als eine Stunde, die mit einigen Crackern und MP3 Player ziemlich schnell verging. In Pingxi angekommen, regnete es leider und leider war es wie erwartet MEGAVOLL. Menschenmassen ohne Ende und die auch noch alle mit Regenschirm. Ein Riesenspaß. Erstmal wurde der spätere Treffpunkt geklärt, dann ging es los, den Markt und die Gegend erkunden. Clemens und ich kauften uns erst mal einen Gemüsewrap und jeder einen Bergschweinfleisch-Spieß, um unseren Hunger zu stillen. Die Bergschweinspieße waren so lecker, dass wir uns am nächsten Stand gleich noch einen besorgten und uns weiter durch das Getümmel drängten. Auf dem Weg sahen wir mehrmals Menschengruppen, die die ersten Himmelslaternen mit Neujahrswünschen beschriftet, in die Luft ließen, doch die unglaubliche Menge an Menschen um die Verkaufsstände und auf den Wegen hielt uns davon ab, ebenfalls zu zweit eine Laterne zu starten. Die Laternen sind nämlich mehr als einen Meter hoch, aus Papier auf einem Drahtgestell und müssen von mindestens zwei Personen gehalten werden, während eine dritte Person ein in Öl getränktes Papier am unteren Ende der Laterne anzündet, so dass diese, einem Heißluftballon gleich, in die Luft steigt. Vorher schreiben natürlich noch alle schnell gute Wünsche fürs Neue Jahr auf die Laterne, damit diese beim Aufsteigen hoffentlich auch in Erfüllung gehen. Eine wirklich nette Tradition und je näher der Abend rückte, umso mehr Laternen wurden in die Luft gelassen, die im Dunkeln natürlich leuchteten und somit noch um einiges schöner aussahen, als im grauen Tageslicht des Regentages.
Der Ort Pingxi an sich war auch sehr schön. In den Bergen gelegen, geht es über kopfsteingepflasterte Wege zwischen alten, kleinen Häuschen durch enge Gassen auf und ab. Eine kleiner Fluss, der durch das Dorf fließt und eine alte Eisenbahn, die an dem Tag über eine ebenso alte Eisenbahnbrücke Massen von neuen Touristen nach Pingxi brachte, runden das Bild des kleinen, traditionellen Bergdorfes ab. Ohne die Menschenmassen ist es sicher ein sehr friedlicher und angenehmer Ort, sodass Clemens und ich uns gleich vornahmen, Pingxi in Zukunft auf jeden Fall noch einen weiteren Besuch abzustatten. Gegen Abend wurde die Menge von Menschen immer undurchdringlicher und alle drängten sich in Richtung Pingxi Highschool, wo gegen Abend verschiedene Studentengruppen aus Taipei und Umgebung Himmelslaternen in großer Zahl steigen ließen. Es regnete immer stärker, doch dank vorher gekauftem Plastik-Regencape waren Clemens und ich gut geschützt und die vielen auf einemal in den Himmel steigenden Laternen waren wirklich ein einmaliges Bild! Am Ende durften wir auch noch in kleinen Gruppen selbst Laternen steigen lassen, ehe es in großem Gedränge zum Busparkplatz zurück ging. Die Uni war auf alles vorbereitet und so war jedem Bus ein Buchstabe zugeteilt worden, den eine Mitarbeiterin der Uni auf einem blinkenden Schild vor sich hertrug und die kleinen Gruppen zurück führte, sodass keiner der Studenten Gefahr lief, den Bus nicht mehr zu finden. Wirklich gut durchdacht! Wir orientierten uns also an dem blinkenden "G" vor uns, warteten mit müden Füßen noch eine Weile, eh unser Bus dann endlich kam und uns wieder zurück nach Taipei brachte. Die Mengen von öffentlichen Bussen, in denen die Menschen aneinandergedrückt standen, erinnerte uns ein weiteres Mal daran, dass wir gut daran getan hatten, uns für den von der Uni organisierten Ausflug anzumelden. Im gemütlichen Reisebus ging es also wieder nach Taipeh. Einziger Wermutstropfen war eine im Bus installierte Karaoke-Anlage, die leider nur von Mitstudenten mit eher geringem gesanglichem Talent genutzt wurde, dafür aber umso lauter. Trotz der wirklich schönen Eindrücke von dem Laternenfest, waren wir am Ende des Abends dann doch sehr froh, nach Hause zu kommen.

Unsere letzte Neujahrs-Aktivität war dann heute noch ein Besuch der Laternenausstellung auf dem Platz vor der Sun-Yatsen Memorial Hall, wo viele verschiedene Laternen, hauptsächlich natürlich in Form eines Ochsen und in allen möglichen bunten Farben ausgestellt waren. Einige waren wirklich sehr schön, aber auch dort war es leider sehr voll. Na ja, das lässt sich hier leider nie ganz vermeiden.

Ich denke, dass wir dieses Jahr zum Chinesisches Neujahr wirklich viel erlebt haben und es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, einmal bei den ganzen traditionellen Festen hautnah dabei zu sein! Bis heute, dem letzten Tag der Feierlichkeiten, hört man nicht selten draußen lautes Geknalle, mit dem die Leute ihren Wunsch nach Glück und guten Geschäften im neuen Jahr zum Ausdruck bringen. Je länger es knallt, umso glückverheißender und so hat man häufig den Eindruck, es wird gerade ein Gebäude in der Nachbarschaft gesprengt, obwohl es doch nur eine länger Piepmantscherkette ist. Clemens und ich konnten uns es natürlich auch nicht nehmen lassen, während der Neujahrsferien auch mal eine Tüte Knaller zu kaufen, die wir im Park am Fluß zusammen mit vielen anderen Leuten hochgingen ließen, um das neue Jahr zu begrüßen.

Auch den mit hunderten von gelben Laternen geschmückten Longshan-Tempel besuchten wir noch einmal und gingen wie alle anderen unter den ochsenförmigen Laternen hindurch, um Glück im neuen Jahr zu haben.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern ein frohes und glückverheißendes neues Jahr des Ochsen!!!

Legende zu den Bildern:

Bild 1) Eine große Laterne beim Longshan-Tempel, unter der man durchgehen konnte, um Glück im neuen Jahr zu haben.
Bild 2) Bei Shengjies Oma mit seiner Schwester und meiner japanischen Freundin Yoshiharu
Bild 3) Neujahrsdekorationen in der Luxus-Shopping-Gegend um Taipeh 101
Bild 4) Das Dorf Pingxi
Bild 5) Clemens, Shengjie und ich bei Shengjies Oma
Bild 6) Blick auf die Berge um Pingxi
Bild 7) Die Himmelslaternen von Pingxi
Bild 8) Menschengedränge in Pingxi
Bild 9) Die alte Eisenbahn in Pingxi
Bild 10) Die Leuchtbuchstabend der Uni-Mitarbeiter
Bild 11) Laternendekorationen am Longshan-Tempel

Montag, Januar 19, 2009

Heiße Quellen und schöne Natur

Ja, ich weiß, lange nichts mehr geschrieben... aber irgendwie bin ich, wenn ich von der Uni komme, auch froh, wenn ich mich ausruhen kann. Das ewige Vokabelnlernen und Lehrbuch anschauen schlaucht einen auf Dauer doch irgendwie, auch wenn es, verglichen mit dem Lernpensum an der Uni Hamburg noch vergleichbar wenig ist. Aber es ist eben auch wenig Abwechslung und man hat nie mehr als ein paar Tage frei, was irgendwie nicht so richtig zum Batterie-Aufladen reicht. Von daher geht die Motivation dann doch langsam ein bisschen verloren. Ich hoffe, dass es besser wird, wenn ich einen Literatur-Kurs wähle im nächsten Semester, dann hat man mal wieder was anderes als immer nur Lehrbuch.
So, aber eigentlich wollte ich was über unsere letzten beiden größeren Ausflüge schreiben. Direkt nach Silvester, wo wir dank Unterricht bis zum 31. 12. uns zu nicht viel mehr durchringen konnten, als das Feuerwerk auf dem Taipei 101 anzusehen, gönnten wir uns an Neujahr einen Tag Ruhe und am 2. Januar ein bisschen Erholung und zwar in den heißen Quellen von Xinbeitou (sprich: Hsin-bey-tou). Wir dachten uns, wenn schon Entspannung, dann richtig und so entschlossen wir uns dazu, anstatt uns mit dutzenden von Taiwanern und dicken Ausländern in den öffentlichen heißen Quellen zu tummeln, einen privaten "Heiße-Quellen-Raum" in einem Hotel zu mieten. Dieser war zwar ein bisschen teurer, bot dafür aber ausreichend Luxus für ein entspanntes Bad. Trotz der Menge an reichen Bonzen-Familien, die sich offensichtlich über Neujahr in dem Hotel einbuchen wollten (ja ok ich bin ja schon ein bisschen neidisch), kamen wir relativ bald dran und wurden zu einem Raum geführt, in dem es neben der obligatorischen steinernen Wanne mit drei Wasserhähnen (heißes, kaltes und Heiße-Quellen-Wasser) noch einen Tisch, einen weiteren Schminktisch mit großem Spiegel und frischen, weißen Handtüchern, sowie eine Dusche mit Höckerchen gab. Wir hatten den Raum für eine Stunde gemietet, was gerade reichte, um den empfohlenen Badegang durchzuführen. Den hatten wir uns im Internet vorher angesehen, denn in den heißen Quellen baden will gelernt sein. Ähnlich wie bei einer Kneipp-Kur geht man zunächst in nicht ganz so heißes Wasser (ca. 37 Grad) für einige Minuten, dann geht man wieder raus, um sich ein wenig abzukühlen. Beim nächsten Gang wird das Wasser ein wenig heißer gemacht und wieder geht man langsam rein und nach einigen Minuten wieder raus. Das kann man dann mehrmals hintereinander machen, ehe man sich duscht und wieder anzieht. In der Badewannee schwimmt dann noch ein kleiner hölzerner Waschbottich, mit dem man sich das heiße Wasser über die Schultern gießen kann, denn mit dem ganzen Körper in das Wasser gehen ist nur sehr kurzfristig auszuhalten und auch nicht so gesund, denn das Wasser ist schon sehr heiß. Das Ganze ist dann entspannend für Körper und Geist und hilfreich bei Kreislaufproblemen. Falls ihr euch für mehr Details zum Baden in heißen Quellen interessiert, könnt ihr die ganze Prozedur hier nachlesen (auf Englisch). Mehr über Xinbeitou bzw. Beitou (Xinbeitou scheint ein Vorort von Beitou zu sein) und die heißen Quellen dort könnt ihr in diesem Artikel der China Post nachlesen. Die Besonderheit der Quellen in Xinbeitou ist, dass es Schwefelquellen sind, deren Wasser ein wenig trüb ist und eben nach Schwefel riecht. In den Quellen, in denen man badet, ist der Geruch natürlich sehr schwach, aber an manchen Orten in Xinbeitou riecht es schon ziemlich stark nach Schwefel. Noch mehr über Xinbeitou habe ich über unseren ersten Besuch dort in diesem Post geschrieben :-)



Nach dem Bad in den Quellen fühlten wir uns sehr entspannt und gingen erstmal in einem nahe gelegenen Sushi-Express gemütlich Sushi essen, das auf einem Band vor uns vorbeilief.
Sehr angenehmer Tag und noch dazu bei strahlendem Sonnenschein! Nach dem Tag fiel der ganze Unistress erstmal für eine Weile von uns ab. An dem Wochenende kam auch noch Shengjie nach Taipei, sodass wir mal wieder eine gute Gelegenheit hatten, abends wegzugehen. Wieder aßen wir Sushi, diesmal jedoch in einem etwas teureren und exklusiveren Restaurant, wo wir uns auch nicht komplett satt aßen, da das dann doch unser Budget gesprengt hätte.... lecker war's aber und man konnte den Köchen noch direkt bei der Arbeit zusehen, wirklich nett! Danach sahen wir uns noch im nahe gelegenen Breeze Center (ein Einkaufszentrum) die große Auswahl an ausländischen Biersorten an, von denen Shengjie uns erählt hatte, kauften einige überteuerte westliche Lebensmittel (Birnensaft!!! Von Granini!!! Er war so lecker....) und dann war unser schönes viertägiges Wochenende auch schon wieder vorbei :-( Hatte ich eigentlich erwähnt, dass sich die taiwanische Regierung ausgedacht hat, dass wir den einen Brückentag in der Uni nachholen mussten, sprich, 10 Tage lange 10 Minuten länger Unterricht machen, um die "verlorenen" 90 Minuten des einen freien Tages aufzuholen? Andernfalls hätten wir nämlich (das war ursprünglich die tolle Idee der Regierung) einen Samstag im Januar zur Uni kommen müssen, um eben jene 90 Minuten nachzuholen. Die spinnen echt in der Regierung.... denken sich auch dauernd neuen Scheiß aus, um die ausländischen Studenten zu schikanieren. Na ja. Wo war ich? Ach ja.


Unser zweiter netter Ausflug der letzten Zeit war gerade gestern. Schönes Wetter und dazu noch an einem Sonntag, das mussten wir doch mal wieder für einen Ausflug in die Umegegend Taipeis nutzen. Und so entschieden wir uns für Wulai (sprich: U-lai), ein Ort, den ich noch von meinem ersten Aufenthalt hier kannte und der neben einem kleinen Dorf, das fast ausschließlich aus Souvenirläden und Restaurants besteht, eine sehr schöne Landschaft aufweist. Wulai liegt nämlich in den Bergen und schon allein die ruckelige Hinfahrt mit dem Bus von der MRT Station Xindian aus bietet einem wirklich schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge, die in der Ferne vom Dunst immer heller werden, einen See mit grünem Wasser und den in den See mündenden Bergfluss, der auch durch Wulai selbst fließt. In Wulai kann man dann mit einer Mini-Bergbahn für Touristen einige Minuten den Berg hochfahren und direkt vor einem Wasserfall aussteigen, der schön ist und trotz seiner geringen Größe zur Touristenattraktion gemacht wurde (sprich Souvenirstände und Restaurants wo man hinsieht). Die ersten Kirschblüten fingen schon an zu blühen und boten somit ein paar hübsche Fotomotive von dem Wasserfall. Ich vergaß zu erwähnen, dass es in Wulai eine ethnische Minderheit gibt, die Atayal, deren Kunsthandwerk und traditionelle Kleidung u.ä. in den Souvenirläden verkauft wird und deren Mosaike und Schnitzereien an vielen Brücken in und um Wulai zu sehen sind. Clemens war fast versucht, einen Morgenmantel in Atayal-Farben (hauptächlich rot) zu kaufen, konnte sich dann aber doch nicht wirklich entscheiden und so gingen wir weiter zu einem Park, der in einer Karte, die wir im Tourismus-Center in Xindian noch in die Hand gedrückt bekamen, als schön beschrieben wurde. Leider führte bloß eine Autostraße mit einem sehr schmalen Fußweg direkt am Berghang dorthin und da die Karte nur schematisch war, waren wir uns über die Entfernung nicht ganz sicher. Frohen Mutes wanderten wir trotzdem erstmal los und zu unserer Erleichterung sagte eine Passantin, bei der wir uns erkundigten, dass es wirklich nicht mehr weit sei. Der Park war eigentlich mehr ein Weg für Fußgänger, der jedoch an einigen schönen Wasserfällen entlangführte und schöne Aussichten auf die umliegenden Berge und den Fluß im Tal bot. Allein die Brücke über das nicht gerade flache Flußtal zu dem Park, der auf der anderen Seite war, war sehr sehenswert.
Am Ende des Parks erreichten wir, wie auf der Karte beschrieben, einen kleinen Ort, von wo aus wir hofften, ein Taxi zurück nehmen zu können, da es langsam spät wurde und wir den ganzen Weg nicht nochmal zurück gehen wollten. Leider war der Ort aber so klein, dass es neben einer Schule, einigen Wohnhäusern, einem Restaurant und einem Gemischtwarenladen nicht viel gab und vor allem keine Taxis (außer ein, zwei schon besetzte). Ratlos fragten wir einige Menschen vor dem Laden nach einem Taxi und ein betrunkener Rollerfahrer wies auf einen Mann, der neben einem Auto stand: "Mein Kumpel hier nimmt euch mit, der fährt eh runter". Alleine wäre ich bestimmt nicht bei einem fremden Mann m Jogginganzug in dessen einigermaßen teuer aussehenden Auto mitgefahren, aber da Clemens dabei war, stiegen wir dankbar in das Auto ein und konnten während der Fahrt den Schlangenlinien fahrenden Rollerfahrer beobachten, zu dem unser Fahrer nur trocken bemerkte "es ist erstaunlich, der trinkt immer so viel, aber fällt trotzdem beim Fahren nicht um". Weiterhin erzählte er uns noch, dass er von den Atayal ist, die hier wohnen und dass die Kirschblüten im Februar und März viel schöner seien und er uns zu einem Ort mit besonders schönen Kirschblüten bringen würde, wenn wir nochmal nach Wulai kämen. Wirklich nett!! Ein Glück, dass wir den gerade getroffen hatten... In Wulai angekommen, gab er uns noch seine Nummer und seinen Namen und meinte, wir sollten in auf jeden Fall anrufen, wenn wir nochmal kommen und wenn er Zeit hätte, würde er uns ein wenig die Gegend zeigen. Wir verabschiedeten uns dankbar, kauften uns noch etwas zu essen und zu trinken und warteten auf den Bus für die Rückfahrt. Mittlerweile waren wir beide sehr müde und geschafft und froh, nach der insgesamt einstündigen Fahrt wieder zu Hause zu sein. Wir schafften es gerade noch, einen halben und einen Spielfilm zu gucken und eine Nudelsuppe zu essen, ehe wir ins Bett fielen.

Oh und was auch noch erwähnenswert ist: Am Samstag waren wir in Wufenpu (sprich: u-fönn-puh), einem riesigen Klamottenmarkt, der auch gleichzeitig eine Art Klamotten-Großhandel für sämtliche Händler ist, die auf den Nachtmärkten Taipeis Klamotten verkaufen. Wirklich groß und teilweise um einiges günstiger als auf den Nachtmärkten, die ja auch schon recht günstig sind. Clemens und ich fühlten uns schon nach wenigen Minuten reizüberflutet, schafften es aber dennoch, uns mit günstigen Klamotten einzudecken, in meinem Fall unter anderem eine langersehnte Röhrenjeans in hellem Lila (auf einigen der Fotos zu sehen), die sogar tatsächlich passte! Das freute mich sehr, denn da man die Sachen dort nicht anprobieren kann, hätte ich sie sonst ganz umsonst gekauft gehabt. Wenn die neuen Sommersachen kommen, muss ich da auf jeden Fall nochmal hin *irres Glänzen in den Augen*. Erfreulicherweise gab es dort endlich auch mal eine ansehnliche Anzahl an Läden, die Männermode verkaufen, sodass auch Clemens sich nicht langweilen musste. Auf vielen Nachtmärkten ist Männermode nämlich wirklich rar, weil Mädchen wohl einfach die lohnenswerteren Kunden für Kleidung sind....

So. Das war's erstmal für heute. Schreibt mir Kommentare :-)
(Ja, auch ihr, Eltern....seid nicht so faul...man muss nur einmal auf "Kommentare" klicken und schon geht es....los....traut euch....)

ps: Die Fotos sind alle aus Wulai, das erste oben links zeigt den berühmten Wasserfall mit ein paar Kirschblüten davor, das zweite mich auf der oben erwähnten Brücke über das Flusstal, das dritte den Blick aus der kleinen Touristen-Bergbahn, das vierte den sehr interessanten Namen von einem der Wasserfälle, auf dem danach stehe ich einfach auf einer Treppe im Ort Wulai (als Reminiszenz an meinen ersten Besuch dort, wo ein ähnliches Foto entstand) und danach folgen noch drei Ansichten von Wulais schöner Landschaft.

Donnerstag, Dezember 25, 2008

Frohe Weihnachten!

Mein erstes Weihnachtsfest ohne Schnee und Weihnachtsmärkte, aber mit wild blinkenden, blauen Lichterketten als Uni-Dekoration und Plastikweihnachtsbäumen :-)
Haben an Heiligabend versucht, Kartoffelsalat zu machen (ganz hamburgische Tradition), doch leider waren die einzigen Kartoffeln, die es im Supermarkt gab, weichkochend, also wurde es leider ein Kartoffelsalatbrei..... er schmeckte gut, nur die Konsistenz war etwas ... anders als sonst^^"
Die vermeintlichen "Wiener Würstchen nach deutscher Art", wie die Packung uns versprach, waren leider auch nur die typischen, salzigen taiwanischen Würstchen, aber alles in allem war es ein sehr nettes Weihnachtsessen, das ein bisschen nach zu Hause schmeckte.
Danach tauschten Clemens und ich Geschenke aus und guckten noch gemütlich DVD. Ein sehr entspannter Weihnachtsabend.
Heute haben wir zwar leider nicht offiziell frei (Weihnachten gilt hier nicht als Feiertag), aber wir nehmen uns frei und spielen den ganzen Tag mit unseren Geschenken!

Ich wünsche allen meinen Blog-Lesern Frohe Weihnachten und eine besinnliche Zeit, sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr 2009.
Bleibt mir bitte auch im neuen Jahr treue Leser :-)

Mittwoch, Dezember 17, 2008

Sommer im Dezember Episode Zwei

Am nächsten Morgen lachte uns die Sonne entgegen, als wir die Vorhänge unseres Zimmer aufzogen und so hüpften wir direkt nach dem (zugegeben mageren) Frühstück, das bei der Pension inklusive war, in unsere Badesachen, ich besorgte mir noch im Laden nebenan ein sommerliches Kleid und machten uns auf den Weg zum Strand. Dort konnte man für einen wahrscheinlich viel zu hohen, aber noch erträglichen Preis Plastikstühle und einen großen Sonnenschirm mieten, was wir auch direkt taten, denn selbst Anfang Dezmber war die Sonne im Süden der Insel noch erstaunlich warm. Nebensaison sei Dank war es bis auf einige Gäste des nahe gelegenen Riesenhotelkomplexes "Caesar Palace" erstaunlich leer, nur einige Paare liefen viel zu dick eingepackt oder (was die Mädchen betrifft) mit Daunenjacken über dem Kopf, um die weiße Haut vor der bösen Sonne zu schützen, am Strand entlang. Clemens und ich legten uns erst mal in die Sonne und sprangen kurz darauf in das glitzernde, angenehm temperierte Wasser. Ich glaube, viel mehr muss ich nicht schreiben, es war wunderbar :-)
Nachdem wir beide gegen 16 Uhr schon fast einen Sonnenbrand hatten, trafen Shengjie (der ja in der Nähe Zivildienst macht) und eine Freundin von ihm, die in Gaoxiong studiert, ein. Natürlich auch beide in Jacken verpackt. Als wir in unseren Sommersachen darauf aufmerksam machten, dass es doch eigentlich recht warm sei, ließ Shengjie seine Jacke in der Pension und lief im T-Shirt los, was er später noch bereuen sollte...
Wir mieteten uns zwei Roller und los ging es in der untergehenden Sonne zu einer kleinen Erhöhung namens "Guanshan" 關山, von wo aus man inmitten vieler anderer Taiwaner den Sonnenuntergang beobachten konnte. Die Aussicht war wirklich sehr schön!! Shengjie erklärte uns, dass das Atomkraftwerk, das wir sehen konnten, mit deutscher Technik gebaut wurde. Das beruhigte uns irgendwie ein wenig :-)
Unser nächster Halt war ein bekanntes Baozi-Restaurant (Baozi sind gefüllte Dampfbrötchen). Leider gab es die Sorten, die ich mir aussuchte, alle nicht mehr, aber die, die ich letztendlich bekam, waren doch sehr lecker. An einem Supermarkt in der Nähe kauften wir noch etwas zu trinken und eine kleine Alupfanne mit Popcornkörnern drin, denn unser nächstes Ziel war ein Ort, an dem natürliches Gas aus der Erde kommt und sich entzündet, was die meisten Touristen zum Popcornmachen nutzen! Das Feuer war angenehm warm (mittlerweile war es so kühl geworden, das ich Shengjie meine zweite Jacke geliehen hatte, da es ja in seinem T-Shirt schon sehr bemitleidenswert kalt war) und wir hockten uns davor und machten Popcorn. Sehr nette Atmosphäre. Auf Chinesisch hieß der Ort einfach 出火, was soviel heißt wie "Feuer kommt raus". Und da sag noch mal einer, Chinesisch sei schwer....
Den Rest des Abends verbrachten wir mit Bohnanza-Spielen auf unserem Zimmer. Doch schon ziemlich bald waren wir alle sehr müde und so verabredeten wir uns für den nächsten Tag und gingen erstmal schlafen.
Auch der nächste Tag musste mit einem Strandbesuch beginnen, denn unsere Zeit in Kending war leider sehr knapp bemessen. Shengjie und Pinzhen (die Freundin, die er mitgebracht hatte), fanden das Wasser kalt...Taiwaner...Shengjie ist aber trotzdem mit rein und er und Clemens haben sehr viel Zeit damit verbacht, Steine über das Wasser flitschen zu lassen :-) Alles in allem ein weiterer entspannter Vormittag am Strand. Als ich einmal ein wenig weiter rausschwimmen wollte, sprangen mir plötzlich zwei fliegende Fische vors Gesicht, was mich so erschreckte, dass ich doch lieber in Strandnähe blieb^^ Aber schon ziemlich cool, mal fliegende Fische aus der Nähe gesehen zu haben, nicht wahr?!
Nachmittags fuhren wir mit den Rollern in die "Forest Recreation Area", wo man auf festgelegten Wegen ein wenig in den Bergen umherwandern kann. Ein kleines bisschen anstrengend, aber der Park bot sehr schöne Ausblicke. Am Ende durften Clemens und ich auch mal ein bisschen Roller fahren. Eine Runde um den Parkplatz ;-) Macht echt Spaß und ist gar nicht schwer! Aber in Taipei hätte ich ja schon ein bisschen Angst, bei den Massen an Rollern hier...
Danach fuhren wir noch zum südlichsten Punkt der Insel (國境之南, wie es in dem Film "Cape No. 7" heißt). Es war sehr dunkel und die beiden Taiwaner die ganze Zeit am Quengeln, dass es ja so fürchterlich dunkel sei, aber der Sternenhimmel brachte sie dann schließlich doch dazu, die Lampen der Roller mal für einen Moment auszuschalten. Wir betrachteten eine Weile den Himmel und ließen uns den starken Wind des Kaps um die Ohren wehen und sogar ein paar Satelliten konnte man sehen! Ob die Werkzeugtasche von der ISS auch dabei war, kann ich nicht sagen.... ;-)
Auf dem Rückweg war der Wind so stark, dass von Shengjies Helm einfach der Plastikteil nach hinten wegflog und er mit einem Styroporhelm da saß....das ist mal Qualitätsarbeit haha. Naja, man konnte den Helm wieder draufsetzen und weiter ging's.
Danach ruhten wir uns erstmal ein bisschen aus und gingen dann lecker thailändisch essen. Danach gingen wir zu einer Bar, die auf einem alten VW-Bus ohne Dach am Straßenrand aufgebaut war und mit einem großen Neonschild "BAR" lockte. Neben dem Bus standen noch ein paar Liegestühle und Tischchen und an dem Bus war eine kleine Theke dran. Es klebte sogar die Schanklizenz des Barkeepers an dem Bus! Wir setzten uns und nach einer Weile bot uns der Barkeeper ein paar kleine rote Früchte und einige Limonen an. Die Limonen waren natürlich viel zu sauer, um sie so zu essen, doch er sagte, nachdem man die roten gegessen hätte, würde alles süß schmecken. Wir schauten ein wenig skeptisch, probierten es aber aus und siehe da, die Limonen schmeckten wirklich süß. Hab nicht genaz verstanden, wie das funktioniert, hat aber irgendwas mit den Geschmacksknospen zu tun...auch das Bier schmeckte für eine Weile süß!
Nach einer Weile bot uns der Barkeeper eine Challenge an: Er hatte neben seinem Bus einige Mini-Fahrräder mit Mini-Reifen (also wirklich klein, viel kleiner als normale Kinder-Fahrräder) und erklärte uns, das wenn wir es schaffen, in einem Kreis, den er auf die Straße gezeichnet hatte, 3 Runden zu fahren, würden wir einen Tequila-shot gratis bekommen. Ich schaffte es nicht mal, auch nur einen Meter auf dem Fahrrad zu fahren, aber Shengjie nahm die Herausforderung an und unter lautem Gelächter von uns (es sah wirklich enorm komisch aus, wie er auf diesem Mini-Rad saß) schaffte er es nach zahlreichen Versuchen doch tatsächlich, seinen Tequila-Shot zu bekommen! Der Besitzer der Bar nahm das Ganze auf Film auf und zeigte uns noch einige Videos von früheren Gästen der Bar, die ähnlich verrückte Sachen gemacht hatten. Alles in allem ein sehr amüsanter Abend, der auf jeden Fall unvergesslich sein wird!
Am letzten Tag besuchten wir noch einen tropischen Park, auf dem man auf ähnlichen Wanderwegen wie in dem anderen Park wandern konnte. Bisschen unspannend und irgendwie zu groß, aber ganz nette Aussichten. Bevor wir uns leider schon wieder auf den Rückweg machen mussten, aßen wir noch Pizza (die "Salami-Pizza" hatte Schinken als Belag, aber die Kellnerin bestand trotzdem drauf, dass es Salami sei) besichtigten einen glitzernden Muschelstrand, verabschiedeten uns von Meer und Strand und holten dann unsere bereits gepackten Sachen aus der Pension, um die Roller zurück zu geben und auf den Bus zu warten.
Ein Taxifahrer schwatzte uns so lange zu, dass wir schließlich für den selben Preis Taxi fuhren. War leider nicht so bequem, da ich in der Mitte saß und der Taxifahrer fuhr wie eine gesengte Sau...bei jeder Kurve lag ich entweder Shengjie oder Pinzhen auf dem Schoß, die beide neben mir schliefen.... als ich anmerkte, dass er ein bisschen sehr schnell fährt, drosselte er zum Glück ein wenig sein Tempo, sodass auch ich mich entspannen konnte. Während der Fahrt kaute der Fahrer eine Betelnuss nach der anderen (Betelnüsse werden hier vor allem im Süden ähnlich wie Kautabak gekaut und haben auch eine ähnliche Wirkung), sodass der leere Plastikbecher, in den er die Reste spuckte, am Ende der knapp zweieinhalbstündigen Fahrt übervoll war. Nebenbei bemerkt, hielten wir noch einmal kurz an, damit er eine rauchen konnte. Ob man damit wohl alt wird...?
Mit dem Highspeed Railway waren wir kurz darauf wieder in Taipei, aber in Gedanken noch am Strand von Kending...
Ein wirklich schöner Urlaub! Kending kann ich wirklich nur weiter empfehlen! Vor allem ist die Stimmung im Süden echt noch ein bisschen anders als in Taipei; die dörfliche Atmosphäre ist auch sehr angenehm.
Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen und seid jetzt ganz neidisch auf mich ;-)

ps: Heute kamen die ersten vorbestellten DVDs von "Cape no. 7" 海角七號 raus. Ich hatte mir die Deluxe-Edition bestellt, die wirklich schön gemacht ist! Man bekommt noch eine Box und viel Fanartikel dazu, unter anderem die Adresse 海角七號 als Türschild aus Metall! Seht euch den Film an, wenn ihr ihn irgendwo herbekommt!!

Sonntag, Dezember 07, 2008

Sommer im Dezember Episode Eins

Letzte Woche haben wir unsere knapp bemessenen Ferientage genutzt, um endlich mal in den Süden der Insel zu fahren und den Naturschutzpark Kending sowie dessen viel gepriesenen Strände zu besuchen. Nach einigen Versuchen, mit der absolut verwirrenden und unzulänglichen Webseite des Taiwan Railway zurecht zu kommen, beschlossen wir, ein wenig mehr Geld auszugeben und den Highspeedrail zu buchen, der uns nicht nur in 2 statt 4 Stunden in den Süden brachte, sondern zudem noch eine gut aufgemachte, verständliche Webseite besaß und vor dessen Schaltern sich kaum Schlangen bildeten.
Am Donnerstagvormittag ging es gemütlich gegen viertel vor 11 los und der Zug war wirklich komfortabel und schnell. Man hatte kaum sein Buch aufgeschlagen, schon war man in Taizhong (man erinnere sich: Mit dem Bus sind wir letztes Mal 2,5 Stunden gefahren!) und auch schon sehr bald kamen wir in Gaoxiong an, der zweitgrößten Stadt Taiwans und einer der größten Hafen der Welt. Dort hatten wir für eine Nacht ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs gebucht, um die Gelegenheit, dass wir eh dort in einen Bus nach Kending umsteigen müssen, zu nutzen, um uns die Stadt ein wenig anzusehen. Nachdem wir unser Gepäck in dem etwas alten, aber sauberen Hotel abgelegt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Hafen, um erst mal ein wenig die Nähe zum Meer zu nutzen. Von dort aus fuhr eine Fähre zu einer vor Gaoxiong gelegenen Insel namens Qijin. Auf Qijin wollten wir den auf einer Anhöhe gelegenen Leuchtturm besichtigen, kamen aber leider eine halbe Stunde zu spät, er war schon zu. Weiter ging es auf der kleinen Anhöhe mit schönem Meerblick zu einem verlassenen, alten Fort, das einem weitere, schöne Meerblicke bot. Leider war der Himmel ein wenig verhangen, schön war es dort dennoch.
Von dem Fort aus hatten wir einen schwarzsandigen Strand gesehen und dorthin zog es uns als nächstes. Einige Fotos von der untergehenden Sonne und dem sich rosa verfärbenden Wasser später waren wir auch recht müde und machten uns auf den Rückweg. In einem kleinen Restaurant aßen wir noch zu abend (leider war das Essen viel zu fettig und lag ein wenig schwer im Magen...), besichtigten kurz den Love River und machten uns ob des kalten Windes ziemlich bald auf den Weg zum Hotel.
Am nächsten Morgen entschieden wir uns nach dem Frühstück für ein wenig mehr Natur, da wir Großstadtfeeling ja schon in Taipei ausreichend haben und fuhren zum Hauptbahnhof, um von da aus weiter zu einem kleinen Berg am Stadtrand zu kommen.
Nach vielem Hin- und Hergefrage brachte uns eine freundliche Passantin, die in die gleiche Richtung fuhr wie wir, uns den Weg von der Bushaltestelle zu dem Berg zu zeigen. Sie war sehr bemüht und zeichnete uns sogar eine kleine Karte!
Von der Zhongshan-Universität aus führte dann tatsächlich eine Straße zwischen Berg und Küste entlang, die aufregende Meerespanoramas bot. Ein Weg etwas abseits der Straße führte uns durch eine dschungelartige Landschaft zu einem Blick auf Klippen und Meer und einige Angler, wirklich schön! Als wir so munter unter der angenehmen Wintersonne mit einem frischen Wind umherwanderten, wackelten plötzlich die oberirdischen Stromleitungen. Starker Wind, dachten wir uns, nur um kurz darauf festzustellen, dass es ein Affe war, der über die Stromleitungen lief!! Da wir noch nie wilde Affen gesehen hatten, fotografierten wir natürlich gleich wie wild, wovon sich der Affe nicht stören ließ und seelenruhig seinen Weg fortsetzte. Später trafen wir noch auf den Rest seiner Kolonie, die sich zu unserer Beruhigung allesamt friedlich verhielten und uns kaum beachteten.
Nach ca. einer Stunde Wanderung erreichten wir eine kleine Mini-Ortschaft, in dem es einige Cafés gab. Wir suchten uns das mit dem schönsten Ausblick aus und genossen eine kleine Pause mit Café Latte, Cappuccino und FRISCHEN WAFFELN mit SAHNE!!!
Derartig gestärkt bekamen wir auch noch den Bus, der nur einmal alle 2 Stunden fährt (wir hatten uns natürlich klugerweise vorher den Plan angeschaut) und mussten so nicht nochmal die ganze Strecke zurück laufen.
Da wir relativ früh aufgestanden waren, konnten wir nun gemütlich unsere Koffer aus dem Hotel holen und uns auf den Weg zum Busbahnhof machen, an dem wir am Morgen bereits ein Ticket nach Kending gekauft hatten. Die Busfahrt war ein wenig ruckelig, aber die Aussicht auf die untergehende Sonne über dem Meer entschädigte einen ganz gut dafür (auch wenn ich die halbe Fahrt Angst hatte, dass der Fernseher über mir mir auf den Kopf fällt...^^). Circa zweieinhalb Stunden später waren wir bei der Haltestelle angekommen, die wir uns aufgeschrieben hatten. Dort empfing uns erstmal ein riesiges Warnschild, das erklärte wie man sich bei einem Unfall des nahegelegenen Atomkraftwerks zu verhalten hatte. Eine schöne Begrüßung.
Als der Bus wegfuhr, fiel uns auf, dass wir an der Haltestelle ausgestiegen waren, wo das Hotel lag, dass wir ursprünglich wollten, das aber ausgebucht war. Was gut war, denn die Haltestelle lage total weit vom Strand weg. Also blieb uns nichts als Warten auf den nächsten Bus und noch ein paar Haltestellen weiter. Unsere Pension lag über einem Surfshop und war total nett! Die Zimmer waren zwar klein, aber rosa gestrichen und die Wände waren mit Palmenmotiven verziert! Kurz Sachen ablegen und noch schnell zum Strand, bevor die Sonne ganz untergeht! Der Strand war zum Glück nur einen zweiminütigen Fußweg von unserer Pension entfernt und erfüllte voll und ganz meine Vorstellungen von einer lauschigen Südseebucht. Aus den Lautsprechern einer Strandbar schallte uns spanische Musik entgegen, der Sand war weich, die Sonne färbte das Wasser rot und das Wasser war sogar noch warm!! Wir machten einige Fotos und genossen den Strand, bis es dunkel wurde, ehe wir uns auf den Weg machten, bei dem Mexikaner neben unserer Pension zu Abend zu essen. Leckere Quesadillas und Lasagne rundeten den Abend ab. Da wir sehr müde waren, gingen wir direkt nach dem Essen aufs Zimmer und auch ziemlich bald schlafen; freuten uns auf den nächsten Tag.
Weiteres folgt in Episode Zwei!

Mittwoch, November 05, 2008

Hohe Felsen und Wildwasser

Das letzte Wochenende warfen Clemens und ich mal wieder unser Geld zusammen und nahmen an einem von der Uni organisierten Ausflug teil, von dem uns Jenny, ein Mädchen, die auch aus Hamburg kommt und die wir zufällig im Fahrstuhl kennen gelernt hatten, erzählt hatte.
Samstagmorgen um 7:51 (frühes Aufstehen am Wochenende sollte verboten werden ><) ging es los vom Hauptbahnhof Taipeh in Richtung Hualien, einer Stadt, die in der Nähe der berühmten Taroko-Schlucht liegt. Nach ca. 3 Stunden Fahrt in einem Zug, der noch aus den späten 60er Jahren stammte, kamen wir am Bahnhof von Hualien an. Von dort aus ging es mit unserer Gruppe, die aus 9 Leuten bestand, mit 3 Taxis zum vorher gebuchten Hotel. Dort angekommen boten die Taxifahrer, die bei der Menge an Ausländern natürlich sofort ein gutes Geschäft witterten, uns ihre Fahrdienste an. Zu einem Festpreis von ca. 100 Euro für alle 9 (also nur etwas mehr als 10 Euro pro Person) wollten sie uns bis abends umherfahren, um die Sehenswürdigkeiten der Gegend zu besichtigen. Da die Busverbindungen in der Stadt nicht wirklich ersichtlich waren, erschien uns das ein fairer Preis und so verabredeten wir uns mit den drei Fahrern für halb zwei und gingen erstmal was essen. Danach bezogen wir unsere Zimmer (die dann auch endlich fertig waren) und waren zur verabredeten Zeit wieder unten am Eingang, wo die Taxifahrer schon auf uns warteten. Mit Jenny zusammen nahmen Clemens und ich ein Taxi, dessen Fahrer eine Sonnebrille trug, die ihn aussehen ließ wie aus einem Hongkong-Film der späten 90er Jahre (siehe Foto). Auf Nachfrage erzählte er uns, dass er sie schon seit 15 Jahren besitzt^^
Unser erster Halt war natürlich die Taroko-Schlucht, für die die Gegend ja berühmt ist. Vor gaaanz vielen Jahren, als Taiwan entstand, schoben sich zwei tektonische Platten (das erinnert mich an meinen Erdkundelehrer, der das Wort "Plattentektonik" immer so aussprach, dass der Speichel nur so durch die Gegend spritzte^^) und bildeten eine beeindruckende Marmorschlucht. An unserem Haltepunkt gab es erst mal hohe Felsen und einen kleinen Tempel zu besichtigen. Das Wetter war zum Glück bedeckt und es nieselte leicht, weswegen man beim Umherlaufen kaum schwitzte. Als Clemens mich dann allerdings fragte, ob ich noch mit ihm ein bisschen den Berg hochkomme, war es mir dann doch ein wenig zu schwül. Ich glaube, er war auch nicht wirklich traurig, als man von weitem sah, wie hoch das gewesen wäre...
Weiter ging es zu einem anderen Teil der Schlucht, wo man eine in die Schlucht gehauene Straße entlang gehen konnte und die wirklich eindrucksvoll hohen, vom Wasser ausgewaschenen Felswände sowie das wild fließende Weißwasser betrachten konnte. Die Schilder, die vor Steinfall warnten, beruhigten einen nicht gerade, aber der Ausblick war es auf jeden Fall wert.
Die letzte Station der Taroko-Schlucht war eine zum Fußgängerweg gemachte Straße, die den Touristen das Umherwandern im schönsten Teil des Gebiets ohne Blechlawinen ermöglichen sollte. Eine halbe Stunde, einige Wasserfälle, Felswände und etliche Fotos später, trafen wir wieder auf unsere Taxifahrer, die uns am anderen Teil des Weges erwarteten. Wirklich ein lohnenswerter Spaziergang mit steil aufragenden Felswänden und reißendem Wasser.
Am nächsten Haltepunkt galt es eine Pagode zu besichtigen, doch irgendwie waren wir alle viel zu müde, sodass wir die Pagode (die einen Aufstieg auf eine Anhöhung beinhaltete) trotz ihrer Schönheit aufs nächste Mal verschoben und uns aufmachten in Richtung Strand.
Dort angekommen, war es leider schon dunkel und nachdem wir die frische Seeluft einige Minuten genossen hatten, fing es leider an zu schütten wie aus Eimern, sodass der Strandbesuch und der geplante Nachtmarktbesuch ins Wasser fielen. Die Fahrer brachten uns also zu einem Restaurant, da es mittlerweile Abend geworden war und wir alle ziemlich hungrig waren und so endete unser Ausflug für den Tag. Nach einem kurzen Abschiedsfoto mit unserem Fahrer vor seinem Taxi ("was wollt ihr denn mein dummes altes Auto fotografieren?!") und seiner coolen Sonnenbrille ging es also ans Schlemmen in einem Meeresfrüchte-Restaurant. Die Garnelen, die ich bestellt hatte (also es war so ein "jeder bestellt was und jeder isst von allem etwas" Prinzip) waren sehr lecker, aber von den Krabben und anderem merkwürdigen Kram, den zwei Überseechinesen aus Amerika mit Wonne in großen Mengen verschlungen, nahm ich mir nur wenig. Das Essen war ob der Mengen, die die Amerikaner bestellt hatten, sehr teuer, aber da jeder nur seinen Teil bezahlte, hielt es sich für mich noch in Grenzen.
Zum Verdauen liefen wir noch ein wenig durch die Einkaufsstraßen in der Nähe des Restaurants, waren aber dann irgendwann auch so müde, dass wir nur noch zurück zum Hotel, duschen und ins Bett fallen wollten, was wir dann auch taten. War ja schließlich ein langer Tag gewesen.

Für den Sonntag war Rafting geplant, das Jenny schon im Voraus gebucht hatte, wofür wir aber leider wieder gegen 6 aufstehen mussten (heul). Nach einem kurzen Frühstück (es gab neben Toast und chinesischen Mantou, also kleinen Dampfbrötchen, auch Chicken Nuggets im Buffet) wurden wir von einem Bus der Rafting-Firma abegholt, der uns in einer knapp eineinhalbstündigen Fahrt zu dem Rafting-Center brachte. Dort wurde uns erstmal ausführlich erklärt, was wir zu beachten hatten (ich hatte später den Eindruck, dass die meisten Leute in unserem Boot nicht zugehört hatten) und wir bekamen Schwimmwesten und Schutzhelme, in denen wir alle enorm sexy aussahen.... und in Hitze schwitzten. An einem kleinen Straßenstand wurden dann noch Neoprenschuhe zu einem sehr günstigen Preis verkauft wurden, mit denen wir uns vorher noch schnell eindeckten. Ich schmierte mir noch schnell Sonnencreme auf die arg gefährdeten Stellen (trotz bedeckten Himmels kann man sich da übelst Sonnenbrand einfangen...ich kenne jemanden, der euch da mehr zu erzählen kann ;-)) und schon ging es nach einem letzten kurzen Briefing, wie man das Boot fährt, los. Zum Glück waren die Boote relativ groß, sodass wir bequem zu neunt auf eins passten. Der Fluss war nicht tief und das Wasser auch nicht zu wild, sodass man auch als blutiger Anfänger keine Angst haben musste. An den schnelleren Stellen war es dennoch aufregend und sehr lustig :-)
Wir fuhren durch eine Landschaft von schroffen Felsen und mit subtropischen Pflanzen bewachsenen Hängen, die mich ein wenig an Fluch der Karibik erinnerte und dem ganzen Ausflug noch einiges an Atmosphäre gab. Das Problem war nur, dass ein Großteil der Leute auf unserem Boot noch nie gepaddelt waren und es dementsprechend irgendwie auch nicht verstanden, wie man ein Boot lenkt, ergo ständig in die falsche Richtung paddelten....das war ein bisschen anstrengend, denn da wir uns untereinander nicht so gut kannten, wollte man sich natürlich auch nicht gleich als Klugscheißer aufspielen....aber Clemens und ich hatten schon so unsere Probleme, das Boot in die gewünschte Richtung zu lenken, um nicht dauernd gegen Felsen zu prallen oder über dieselben zu fahren....
Davon abgesehen war es aber eine sehr unterhaltsame Fahrt und durch das obligatorische gegenseitige Nass-Spritzen mit den anderen Booten und das ins Wasser werfen (es war wie gesagt, trotz Anfang November immer noch sehr heiß) wurde einem auch nicht langweilig.
Da unser Zug schon um 16:30 zurück fuhr, wurden wir von einem der Menschen, die immer mit Motor-Schlauchbooten um uns herumfuhren, uns nassspritzten und darauf achteten, dass niemand ertrinkt, zum Haltepunkt gezogen und wir fuhren etwas früher los.
Der Tag war sehr anstrengend gewesen und nach der Fahrt zum Bahnhof und nochmal 3 Stunden Zug waren wir auch sehr geschafft....leider war das Wochenende schon wieder vorbei und wir hatten nicht wirklich Zeit zum Ausruhen.
Gelohnt hat sich der ausflug natürlich trotzdem auf jeden Fall! Rafting kann ich nur empfehlen!!

ps: Weitere Fotos folgen!

Dienstag, Oktober 28, 2008

So dies und das aus meinem Alltagsleben

Wie ihr gleich, wenn ihr weiter runterscrollt, sehen werdet, habe ich dem letzten Post noch einige schöne Fotos von unserem Ausflug nach Jilong beigefügt. Lohnt sich also, da noch mal reinzuschauen^^
Ansonsten gibt es eigentlich nicht viel Aufregendes zu erzählen. Ich habe einen Tanzkurs angefangen, Choreographietanzen, das habe ich früher mal gemacht und es hat mir sehr gefallen, bis der gnadenlose Stundenplan der 11. Klasse mich dazu zwang, es aufzugeben. Der Kurs hier ist eine Art AG, die Lehrerin ist wohl eine ältere oder ehemalige Studentin. Der Kurs findet allerdings leider in einer abends nicht mehr benutzen Kantine im 2. Untergeschoss statt, das zu der Zeit nicht mehr klimatisiert ist. Aber Schwitzen soll ja gesund sein....
Unsere Lehrerin verbiegt sich bei den Vorübungen so dermaßen, dass mich der Gedanke, wie ich versuche, die Übung nachzumachen, nur noch zum Lachen bringt. Aber ich gebe mein Bestes. Das Tanzen ist auch ganz lustig, nur meist sind die Lieder so schnell, dass man die Schritte niemals im richtigen Tempo schafft. Aber da ich es eh nur mache, um fit zu bleiben und weils Spaß macht, ist das schon ok.
Weiterhin bin ich jetzt Gasthörer in einem Literatur-Seminar. Eigentlich ganz interessant und wenn die Lehrerin was erklärt, verstehe ich sogar erstaunlich viel. Bloß die Studenten nuscheln teilweise so stark, dass ich dann nur noch in die Gegend träumen und an was anderes denken kann. Sehr lustig fand ich auch, als ich zu meiner Sitznachbarin meinte, dass ihr Mitschüler aber sehr schwer zu verstehen sei, erwiderte sie nur: "Ja, find ich auch!". Und ich wunder mich noch, warum ich gar nichts verstehe haha^^
Der Kurs nennt sich "Junge Literatur" und wir lesen Kurzgeschichten und besprechen sie dann in der darauffolgenden Stunde, wobei immer eine Gruppe ein Referat hält (das muss ich als Gasthörer zum Glück nicht). Manchmal kann ich sogar, wenn wir in Kleingruppen diskutieren, was Schlaues dazu sagen, das macht mich dann immer ganz stolz, dass ich verstehe, worüber sie diskutieren ;-)
Oh und große Neuigkeiten: Ich habe endlich ein Fahrrad gefunden!! Clemens und ich hatten ja schon seit einer Weile danach gesucht, aber nie irgendwo einen Fahrradladen oder ähnliches gesehen und auch im Internet waren wir nicht fündig geworden. Als wir dann gestern mit Kanjo, einem Freund von Jamie, den ich noch vom letzten Aufenthalt hier kenne, essen waren, erzählte ich von unserem Problem, ein Fahrrad zu finden und er meinte nur "ach, wieso hier sind doch zwei Fahrradläden die Straße runter!". Da er auch in der Gegend wohnt, kennt er sich aus und nahm uns direkt mit zu dem kleinen (wirklich kleinen) Laden, der ein Sammelsurium an Fahrradteilen und gebrauchten Fahrrädern war und ich wurde doch tatsächlich fündig. Ein schickes weißes Damenrad, dessen Preis wir nach einer Weile auf knapp 40 Euro runterhandelten (wir schlugen sogar noch einen Korb raus)! Clemens wollte auch ein Rad kaufen, aber die dortigen Räder waren leider alle zu klein für ihn. Aber da der andere Fahrradladen schon zu gehabt hatte, haben wir noch eine Chance, da etwas zu finden. Heute morgen konnte ich also als stolzer Besitzer eines neuen Rades zur Uni radeln und mich einen Keks freuen^^ Zum Glück habe ich dann auch eine Bank gefunden, an der ich es anschließen konnte, sonst hätte ich mir die ganze Zeit Sorgen gemacht, dass es geklaut werden könnte...
Fahrradfahren in Taipeh ist allerdings ein bisschen so wie am Samstag auf der Mönckebergstraße, bloß plus gefühlte 1000 Roller.... und leider gehen viele Menschen auch unglaublich langsam mitten auf dem Weg, sodass man häufig absteigen muss, um vorbeizukommen. In den kleinen Straßen ist es nicht besser...sobald einem ein Auto entgegen kommt, muss man sich an den Rand drängen, damit man nicht überfahren wird. Aber immerhin bin ich jetzt in 5 Minuten in der Uni und muss nicht mehr jeden Tag 15 Minuten zu Fuß gehen :-)
Außerdem werden wir anfangen, Radtouren in die Umgegend zu machen, sobald Clemens ein Rad hat. Das wird super!
Falls ihr euch wundert, dass die Fotos nichts mit dem Post zu tun haben...ich wollte nur noch ein paar mehr von der Küste Jilongs posten, weil ich da so viele schöne habe!

Donnerstag, Oktober 23, 2008

Jilong

Hallo meine treuen Leser....
Es hat sich mal wieder ein bisschen Stoff angesammelt, mit dem sich der Blog füllen lässt. Wohlan!

Letztes Wochenende packte uns mal wieder das Ausflusgfieber und wir beschlossen einen Ausflug ins nahe Jilong. Eine meiner Klassenkameradinnen wohnt dort und so fragte ich sie am letzten Freitag direkt nach einer Wegbeschreibung. Sie zeigte mir auf einer kleinen Karte die Bushaltestelle, wo der Bus nach Jilong abfährt und ich war mir sicher, es einfach finden zu können. Am Samstag also machten Clemens und ich uns auf zum Da-an Forest Park, bei dem in der Nähe die Bushaltestelle sein sollte. Sie war jedoch nicht zu sehen, was aber nicht zuletzt daran liegt, dass viele Bushaltestellen einfach nur durch ein winziges, in der Gegend rumstehendes Schild gekennzeichnet sind, das leider nur zu häufig von Bäumen oder Laternenpfählen verdeckt wird...
Wir also erstmal Leute gefragt, die uns alle in eine Richtung wiesen...eine sonnenbeschienene Straße entlang. Nachdem wir jedoch fast eine Viertelstunde in brütender Hitze in diese Richtung gegangen waren und die nächsten Leute, die wir ansprachen, meinten, das dieser Ort, den wir suchen, vollkommen woanders war, beschlossen wir, erstmal zurück zu gehen. Der Forest Park ist ziemlich groß und wie wir so ratlos herumstanden, meinte Clemens plötzlich, dass die Haltestelle ja auch auf der anderen Seite des Parks in der gleichen Himmelsrichtung (ich war mir zumindest über die Richtung sicher!) sein könnte. Und kurz bevor wir bereit waren, die Suche aufzugeben, fanden wir doch tatsächlich die Haltestelle...direkt um die Ecke....nur eben auf der anderen Seite, was auf der kleinen Karte meiner Mitschülerin nicht ersichtlich gewesen war....
Wie auch immer, es war zwar schon Nachmittag geworden, aber da die Fahrt nach Jilong nur ca. 45 Minuten dauerte, stiegen wir trotzdem noch ein und erfreuten uns erstmal an der Klimaanlage in dem Bus :-)
Jilong ist eine kleine Hafenstadt nordöstlich von Taipeh und der Hauptgrund, warum ich dahin wollte, war, dass ich endlich mal wieder die Küste und das Meer sehen wollte. An der Bahnstation in Jilong erwartete uns dann erstmal nur das Hafenbecken, was aber auch schon ganz nett war, vor allem die salzige Meeresluft :-)
Als erstes holten wir uns im Tourismusbüro eine Karte, die auch einige Sehenswürdigkeiten pries. Wir entschieden uns für eine Grotte und da wir nach der langen Busfahrt nicht gleich wieder Bus fahren wollten, stapften wir erstmal zu Fuß durch die Hafengegend in Richtung unseres Ziels. Da die Gegend aber zunehmend unattraktiver wurde, hielten wir schließlich ein Taxi an, das uns direkt zur Grotte fuhr. Die Grotte an sich war leider größtenteils mit Neonlampen beleuchtet, sodass auch die kleinen Schreine darin nicht wirklich Atmosphäre bringen konnten, doch neben der Grotte führte eine Treppe den Berg hoch. Da wir nun schon mal da waren und auch nichts Interessantes sonst in der Gegend war, stiegen wir also in leichtem Nieselregen (eben war es doch noch sonnig gewesen), den Berg hoch, wo uns ein paar kleine Schreine und Tempel und ein schöner Ausblick über Jilong und die Küste erwartete. Leider hatte der kurze Nieselregenschauer ein bisschen was zur Luftfeuchtigkeit beigetragen, sodass uns der Schweiß nur so runterlief, als wir wieder unten waren. Wir nahmen also den Bus zurück und fuhren als nächstes zur einer kleinen Halbinsel vor Jilong, der sogenannten "Friedensinsel". An einigen Fischrestaurants vorbei erreichten wir schließlich einen in der Touristenkarte erwähnten Park, sprich Natur mit einem Häuschen, in dem einem 40 Yuan (ca. 1 Euro) Eintritt abgenommen werden, um das Meer sehen zu können (es war hinter Felsen verborgen). Aber wegen dem Meer waren wir nunmal gekommen und so wanderten wir durch einen erstaunlich grünen Pfad zwischen den Felsen hindurch zum Meer hinunter, wo einen eine wirklich beeindruckende, vom Meer ausgewaschene Felslandschaft erwartete (in der Touristenkarte beschrieben als: "...dort können sie dann auch Erosion beobachten"). Dass das Ganze wohl früher mal ein Freizeitpark gewesen war, erkannte man lediglich an einem gepflasterten Weg, der durch die skurrilen Felsengebilde führte. Wie viele andere Menschen kletterten auch wir irgendwann auf den Felsen herum, machten Fotos und genossen die angenehm frische Luft. Die aufziehenden Gewitterwolken drängten uns dann schließlich zum Weitergehen und so kamen wir nach einer Weile am anderen Eingang des Parks an, der sichtlich verfallen war. Offensichtlich war das Ganze mal groß aufgezogen worden und dann nicht angenommen worden. Einige freundliche Menschen, die am Eingang standen und auf Plastikstühlen saßen (Pförtner? Man weiß es nicht) erklärten uns dann noch den Weg zur nächsten Bushaltestelle und da es langsam dunkel wurde und unsere Füße wehtaten, beschlossen wir, uns auf den Heimweg zu machen. Wieder am Hafen angekommen, kauften wir uns noch etwas zu essen und dann kam auch schon bald der Bus, der uns zurück nach Taipeh brachte (diesmal sogar auf dem direkten Weg! Erstaunlich....).
Jilong an sich ist nicht arg sehenswert, also zumindest liegen die Sehenswürdigkeiten relativ weit auseinander, aber die Felsformationen an der Küste waren echt beeindruckend!
Den Sonntag verbachten wir dann mit Putzen und Ausruhen...muss auch mal sein.

Weitere Fotos folgen, aber ich muss jetzt leider ins Bett :-)

Donnerstag, Oktober 16, 2008

Taizhong

Die Wochenübersicht von letzter Woche lasse ich mal aus, irgendwie ist nichts sonderlich Aufregendes passiert, sonst hätte ich es mir gemerkt^^
Aber am Wochenende....
Endlich hatten wir es geschafft, einen Ausflug zu planen. Nachdem die Züge wegen des langen Wochenendes (am letzten Freitag war hier Nationalfeiertag) mal wieder total überfüllt gewesen waren, haben wir es doch tatsächlich noch geschafft, Bustickets zu ergattern. Meine japanische Freundin Mai hatte sich spontan noch entschlossen, mit uns zu kommen und so saßen wir am Samstagmorgen im stickigen Busbahnhof und warteten auf den Bus, der uns mit superkomfortablen, riesigen Massagesesseln überraschte, die noch dazu mit kleinen Fernsehern ausgestattet waren, sodass die zweieinhalbstündige Fahrt wie im Flug verging. Am Busbahnhof entdeckte ich an einem Kiosk noch zufällig, dass die neue "Mina", eine aus dem japanischen übersetzte Modezeitschrift gerade neu heraus gekommen war und so hatte ich wirklich genug Unterhaltung für die Busfahrt.
Als wir angekommen waren, mussten wir erstmal Tickets für die Rückreise kaufen (Hin- und Zurück scheint es bei Bussen nicht zu geben), leider hielt der Bus zwar am Hauptbahnhof von Taizhong, die Busfirma, wo man die Tickets kaufen konnte, war allerdings einen zehnminütigen Fußmarsch die Straße runter. Leider war es in Taizhong, das weiter im Süden liegt, wesentlich heißer als ich Taipeh...
Nachdem wir erfolgreich die Tickets für die Rückfahrt erstanden hatten, machten wir uns auf den Weg zu dem von uns gebuchten Hotel. Unlogischerweise gibt es zwar eine direkte Fahrt von Taipeh nach Taizhong, von Taizhong nach Taipeh muss man allerdings erst ca. 45 Minuten mit einem Minibus zu einer größeren Filiale der Busfirma fahren und dort in einen Bus nach Taipeh steigen. Warum das so ist, haben wir nicht ganz verstanden, aber eine andere Möglichkeit gab es offensichtlich nicht.
Das Hotel war nicht besonders schön, aber dafür sauber und günstig und wenn man davon absieht, dass man nur im Sitzen duschen konnte, weil der Schlauch abgeklemmt wurde, wenn man den Duschkopf höher hielt, war das Zimmer vollkommen in Ordnung (also für eine Übernachtung^^). Nachdem wir unsere Sachen abgelegt und das Zimmer bezahlt hatten, trafen wir uns mit Klara und Benni, die ja in einer Stadt in der Nähe von Taizhong ein Praktikum machen. Wir hatten die Beiden eine Weile nicht gesehen und so gab es erstmal viel zu erzählen. Im Laufe des Tages mussten wir uns häufiger zwingen, Chinesisch oder Englisch zu sprechen, damit wir Mai nicht ausgrenzen^^ Als erstes schauten wir uns den Konfuzius-Tempel an, der wirklich sehenswert war; sehr groß und schön in Stand gehalten. Der daneben liegende Märtyrer Schrein sah ähnlich aus und da beide Stätten größtenteils in der Sonne lagen, entschlossen wir uns danach zu einem Besuch in einem berühten Teehaus, das laut Klaras Aussage den sogenannten "Pearl-Milktea" erfunden haben soll. Das ist ein Tee mit kleinen schwarzen Tapioka-Mehl Kügelchen, die man während des Trinkens kauen kann. Bei uns in Deutschland wir der auch zunehmend beliebter, bei Balzac Coffee habe ich den schonmal gesehen. Mein Fall sind die Kügelchen nicht so, aber der Tee ist echt lecker und vor allem die nette, auf alt gemachte Atmosphäre und die unglaublich leckeren "Kongfu-Nudeln" waren einen Besuch wert. Wir verbrachten ein paar Stunden in dem Teehaus und erkundeten danach die Gegend um das Teehaus herum, wo es einige Geschäfte gab. Als nächstes Ziel hatten wir uns den Nachtmarkt ausgeguckt, der allerdings nicht einfach zu finden war. Einige freundliche taiwanische Schulmädchen setzten uns in einen Bus, der uns direkt hinbrachte. Der Nachtmarkt war sehr voll, sowohl mit Menschen als auch mit Ständen und es gab viel zu sehen und zu probieren. Mittlerweile waren noch zwei deutsche Praktikanten aus Klaras und Bennis Uni zu uns gestoßen, mit denen wir uns auf den Weg zu einer kleinen Karaoke-Bar machten, in der wir den Rest des Abends verbrachten. Es hat wirklich Spaß gemacht und Mai und ich haben sogar ein paar Lieder auf Chinesisch gesungen, was die Bedienungen und die anderen taiwanischen Gäste sehr gefreut hat. Irgendwann waren wir jedoch so müde, dass wir die gute Stimmung leider verlassen mussten, um in unser Bettchen zu kriechen. Klara und Benni hatten sich entschlossen, auch in Taizhong zu übernachten, da die Heimfahrt ein wenig lang gewesen wäre und abends eh keine Züge mehr fuhren. Die "Doppelzimmer" bestanden leider nur aus einem etwas größeren Einzelbett mit zwei Kissen und da Klara und Benni sich nun doch nicht SO nahe stehen, schlief Klara mit uns in unserem Viererzimmer, also mit Mai in einem Bett. Wir unterhielten uns noch eine Weile, ehe uns dann doch die Müdigkeit übermannte.
Klara, die unnachahmliche Frühaufsteherin, stand doch am nächsten Morgen tatsächlich um 9 Uhr auf, um noch weiter nach Tainan zu fahren, was sie wohl schon länger vorgehabt hatte. Wir anderen gaben uns noch ein wenig dem sowieso schon zu kurzen Schlaf hin und kamen auch erst kurz vor 12 aus dem Zimmer. Benni war ebenfalls eher für einen gemütlichen Tag zu haben und so setzten wir uns erstmal zu Starbucks und besprachen bei einem ausgedehnten Frühstück die Tagesplanung. Das Starbucks lag direkt vor einem SOGO, einer riesigen, japanischen Einkaufskette und so schauten wir uns erstmal die Edelmarken in den unteren Stockwerken und einen großen Buchladen in einem der oberen Stockwerke an (das Ding ist riesig, ich glaube es hat 18 Stockwerke). Nach ausgiebigem Gucken und Kaufen (ich hab mir mal wieder ein englisches Buch gegönnt, der Klassiker "The Secret Garden", das wollte ich schon immer mal lesen) hatten wir unsere Müdigkeit dann soweit abgeschüttelt, dass wir ins nächste Taxi stiegen und zum Museum der feinen Künste fuhren. Die Ausstellungen waren alle sehr interessant, aber am besten gefallen hat mir die mit den Holzschnitten, die ländliche Szenen Taiwans darstellen. Wirklich hübsch!! Im Laufe der Besichtigung verließ Benni uns irgendwann, da er noch einen Zug nach Hause kriegen wollte und als Mai, Clemens und ich später unsere müden Füße im überteuerten Museumscafé ausruhten, war es auch schon fünf. Somit beschlossen wir uns langsam auf den Weg zurück zum Hotel zu machen, wo wir freundlicherweise unsere großen Rucksäcke unterstellen konnten. In einem Restaurant gegenüber vom Hotel aßen wir noch zu Abend, ehe es auch schon Zeit für die Fahrt zurück nach Taipeh wurde. War aber leider nicht so einfach wie gedacht, denn dank der Feiertage hatte es wohl eine Menge Stau gegeben, sodass alle Busse inklusive unserem mindestens eine Stunde Verspätung hatten. Da wir den ganzen Tag auf den Beinen gewesen waren und noch dazu zu wenig Schlaf bekommen hatten, war es kein großer Spaß, in einem riesigen Haufen Taiwaner und zwischen hektisch umherlaufenden Angestellten eine Stunde rum zu stehen... ich kann nur sagen, dass wir sehr froh waren, als der Bus endlich kam und man sich in den Sessel fallen lassen konnte...
Alles in allem ein sehr interessanter Ausflug. Taizhong ähnelt Taipeh zwar schon ein wenig, aber man merkt schon, dass man weiter im Süden ist. Es ist insgesamt etwas ungepflegter und es wurden zum Beispiel mitten auf einer Durchgangsstraße lebendige Hühner in riesigen Käfigen verkauft. Die Reise war ein wenig anstrengend, aber schon lohnenswert, vor allem die Karaoke-Bar war echt nett. Wir hätten uns auch gerne das Wandergebiet in der Umgebung von Taizhong angesehen, aber leider war es so heiß, dass es schon anstrengend war, auf ebenen Straßen rumzulaufen, da war ein Ausflug in die Berge leider undenkbar. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.
Soviel erstmal zum letzten Wochenende.
Fotos folgen noch.

Montag, Oktober 06, 2008

So, es ist mal wieder eine Woche vergangen.
Wie schon im vorgigen Post erwähnt, hatten wir Montag "Taifun-frei" und somit einen weiteren Tag Gammeln in der Wohnung gewonnen^^ Und wir hatten Zeit, die Wohnung zu putzen....ja, so ein freier Tag ist gar nicht unbedingt so toll, wenn man nicht rauskann ...
Allerdings hat Clemens sich sehr intensiv mit seinem neuen WoW*-Charakter auseinandersetzen können, das ist doch auch was ;-) Und ein bisschen Entspannung beim Lesen und Fernsehen auf dem Sofa ist ja auch etwas Feines :-)
Am Dienstagabend wollten wir uns mal den 2-28 Memorial Peace Park ansehen, der zum Gedenken an einen Aufstand der einheimischen Taiwaner gegen die vom Festland gekommenen Chinesen vom 28. 2. 1947 diesen Namen bekam.
Der Park war leider wenig aufregend und die sogar im Reiseführer als "hässlichen postmodernen Gebäude" beschriebenen Gebäude und Kunstgegenstände waren in der Tat nicht besonders schön, lediglich eine auf alt gemachte Pagode, die in einem kleinen See stand, gab dem Park ein wenig Glanz. Wesentlich interessanter war dann jedoch das Shoppingviertel um den Park herum (er liegt in der Nähe des Hauptbahnhofes), vor allem die 600 m lange unterirdische Shoppingmeile, in der sich ein Stand an den anderen reiht, von denen fast alle günstige Klamotten, Schuhe, Taschen, Videospiele etc etc verkaufen. Auf jeden Fall sehr unterhaltsam und ein paar enorm günstige, gut gefälschte Converse-Schuhe hab ich auch gefunden^^
In einem CD-Laden fiel mein Blick dann auf den Soundtrack eines Films, den ich letztens gesehen hatte und dessen Musik mir sehr gefallen hatte (Summer's Tail, s.a. einer der älteren Posts). Da konnte ich natürlich auch nicht dran vorbeigehen :-)
Mittwoch wollten wir dann Zugtickets nach Hualien kaufen, wo wir eigentlich am Wochenende hinwollten, aber leider gab es nicht mehr genug freie Plätze, also versuchten wir, einen Bus nach Hualien zu finden, aber leider gab es zu fast jeder größeren und kleinerern Stadt Busse, nur nicht nach Hualien....wir mussten also leider aufgeben.
Donnerstag entdeckten wir hinter der Uni einen kleinen Second-Hand-Buch und CD Laden, der total vollgestopft mit tollen, alten und relativ neuen Büchern, Mangas und CDs war und zusätzlich noch alle möglichen anderen alten Dinge verkaufte (Schmuck, Plakate usw.). Wirklich ein sehr interessantes Geschäft, in dem man Stunden mit Stöbern verbringen kann. Sogar richtig alte Bücher hatten sie! Ich hab mir gleich eins mit Kurzgeschichten aus der Tang-Zeit geholt, so eins wollte ich schon immer mal haben! Und vielleicht kann ich es sogar für meine Hausarbeit gebrauchen (höm höm, ja auch darum muss ich mich demnächst mal kümmern...).
Lustigerweise hab ich danach im DVD-Raum der Uni einen Film gesehen, der auf einem Bilderbuch basiert, das sie in dem Laden hatten. Merkwürdiger Zufall, aber da mir der Film gefallen hatte, kaufte ich mir das Buch, das wirklich sehr nett gemacht ist. In dem Buch/Film geht es um zwei Menschen, eine junge Frau und einen jungen Mann, die nebeneinander wohnen, aber sie hat immer die Angewohnheit, nach links raus zu gehen, wohingegen er immer nach rechts rausgeht und so treffen sie nie aufeinander, bis sie sich eines Tages durch Zufall begegnen, sich jedoch danach nicht wieder finden, weil die ausgetauschten Telefonnummern auf Zettel geschrieben waren, die vom Regen durchweicht wurden...
Der Film ist ein wenig kitschig, aber das Buch ist echt total niedlich und die Bilder sind auch echt schön gezeichnet! Falls jemand von euch Bilderbücher mag, könnt ihr ja mal danach suchen, eine englische Version hab ich schon gefunden, die soll bei amazon allerdings 181 Euro kosten^^ Bisschen übertrieben, meins hat ca. 4 gekostet^^ Aber vielleicht kann man ja im Buchladen danach fragen, der englische Titel ist jedenfalls "A Chance of Sunshine".
Am Freitagabend kam unser Vermieter vorbei (ich hatte es nach einem Riesenaufwand, viel Hilfe von einer freundlichen Taiwanerin und Ausfüllen eines Formulars - ohne Stempel!!! - endlich geschafft, die Miete zu überweisen, aber wir schuldeten ihm noch Miete für den August, alles bisschen kompliziert, das werde ich hier jetzt nicht weiter ausführen) und brachte seine Frau mit. Es stellte sich heraus, dass sie unsere Wohnung designt hatte und so lief sie neugierig in der Wohnung herum und sah sich alles ganz genau an. Irgendwann ging sie zu unserer Treppe und meinte: "Ach übrigens, ihr wisst, dass in jeder Stufe eine Schublade ist?" und zog eine Schublade aus einer Treppenstufe. Nein, das wussten wir noch nicht...wir hatten uns bloß die ganze Zeit gewundert, warum hier so verdammt wenig Schrankplatz ist haha^^ Jetzt haben wir jedenfalls genug Platz. Unser Vermieter schien die Stufen auch völlig vergessen zu haben...
Nachdem seine Frau sich mehrere Minuten alles angesehen hatte und munter drauflos geplappert hatte, ging sie irgendwann zu ihrem Mann, der nur auf sie wartete und meinte "Komm jetzt, wir wollen doch die Leute nicht so lange stören" hahaha
Danach sind Clemens und ich noch zur Citibank, wir hatten sogar einen Bus gefunden, der da relativ direkt hinfährt, aber leider fahren die Busse immer so blöde Runden, sodass man nicht an der gleichen Haltestelle wieder zurück fahren kann.....der Rückweg war also leider nicht ganz so praktisch und schnell wie der Hinweg...irgendwann müssen wir echt noch mal lernen, dieses System hier zu durchschauen....
Der Samstag beglückte uns mit strahlendem Sonnenschein, sodass wir unsere Pläne, an den Strand zu fahren, sofort in die Tat umsetzten und in die Bahn nach Danshui stiegen, von wo aus ein Bus an die "Bucht des weißen Sandes" fährt. Vielversprechender Name, doch nach 45 Minuten MRT-Fahrt und weiteren 60 Minuten Busfahrt kamen wir an einem Strand an, der leider relativ enttäuschend war. Zunächst mal war er relativ dreckig und überall lagen Äste u.ä. rum, doch das Blödeste war, dass die Rettungsschwimmer einen winzigen Bereich abgeteilt hatten, in dem man schwimmen durfte.....der Bereich ging gerade mal bis zum bauchtiefen Wasser und war so klein, dass er total überfüllt war. An dem Rest des leider insgesamt nicht allzu großen Strandes durfte man leider nicht baden.....
Auf dem Hinweg hatten wir zum Glück noch gesehen, dass der Bus auch an dem Strand hält, an dem wir letztes Mal mit Shengjie und den beiden Mädels waren. Also setzten wir uns wieder in den Bus und fuhren an den anderen Strand, der zum Glück leerer war und nicht abgegrenzt. Die rote Fahne hielt uns dann auch nicht davon ab, in dem flachen Wasser nach Herzenslust rumzuplantschen - ohne Unmengen anderer Taiwaner in einem abgetrennten Bereich....
Leider war es sehr windig, sodass man nicht wirklich am Strand liegen konnte, ohne einem Sandsturm ausgesetzt zu werden, sodass wir noch ein wenig umherspazierten und das Wetter genossen, ehe wir in einem völlig überfüllten Bus, der schon in den letzten Zügen zu liegen schien (wie Clemens sich ausdrückte), wieder zurück nach Danshui fuhren. Dort trafen wir uns noch zum Abendessen mit Susi und Kiem, einem deutschen jungen Pärchen mit 2jährigem Sohn, die auch ein Jahr an der gleichen Uni wie wir studieren, allerdings der günstigen Mieten und der besseren Luft (Danshui liegt am Fluss, ca. 45 Minuten Metro von der Uni) wegen nach Danshui gezogen sind. Der kleine Junge ist echt niedlich, aber sehr lebendig.....und er scheint Heidi zu lieben^^ Jedenfalls schaut er sich sehr begeistert die Zeichentrickfilmserie an und hat auch eine Heidi-Stoffpuppe :-)
Auf dem Nachtmarkt von Danshui haben wir noch eine unglaublich leckere Bananenmilch entdeckt (mit frischen Bananen drin) und nach ein paar Snacks setzten wir uns zu den Dreien in die Wohnung und quatschten noch ein wenig, ehe wir uns gegen 10 langsam auf den Nachhauseweg machten.
Insgesamt ein sehr netter Tag, bloß die Busfahrt war ein wenig zu lang...vor allem, da wir auf dem Rückweg vom Strand stehen mussten.
Den Sonntag nutzten wir zum Saubermachen, Hausaufgaben machen und gammeln und abends stand dann noch ein Shoppingtrip nach Gongguan (zwei Stationen Metro von uns) auf dem Plan. Der Nachtmarkt dort ist wirklich riesig und die Menge und Dichte an Geschäften einfach unglaublich....ich konnte natürlich wieder nicht an mich halten und habe einige Sachen gekauft (u.a. ein Top und total tolle Stiefel), die zum Glück alle auch einigermaßen günstig waren. Aber einer kleinen Kunstfellweste mit Bommelnn trauere ich immer noch ein wenig nach....ich werde diesem Markt wohl irgendwann noch mal einen Besuch abstatten müssen....
Irgendwann fanden wir dann auch sogar einen Laden, wo es auch Klamotten für Männer gab...irgendwie gibt es fast nur Geschäfte für Mädchen, sehr eigenartig. Aber der Laden war auch nicht übel und so konnte Clemens dann auch noch einen erfolgreichen Einkauf machen^^
Shopping hier ist echt super....es ist alles so günstig! Also nicht so wie in China, aber die Preise sind halt angemessen und nicht so unnachvollziehbar teuer wie bei uns in Deutschland.
So, das war die letzte Woche. Wie gesagt, es soll nicht der Eindruck entstehen, dass wir nicht lernen würden, aber das ist halt relativ langweilig zu erwähnen....
Nur soviel: Der Unterricht gefällt mir immer noch sehr gut, unsere Lehrerin ist wirklich lustig und redet viel, sodass wir auch viel Konversationsübung haben und nicht nur vom Buch lernen.

Ich erwarte Kommentare .... ^^



*World of Warcraft, beliebtes Online-Rollenspiel (habs auch schon gespielt^^)